Corona-Krise Zahnärzte kritisieren fehlende Unterstützung

Es klingt paradox: Wir sind wegen Covid-19 mitten in einer Gesundheitskrise. Gleichzeitig klagen Ärzte in Deutschland über leere Wartezimmer. Aus Angst vor einer Ansteckung seien vor allem zu Beginn der Corona-Pandemie weniger Patienten in die Arztpraxen gekommen, heißt es von den Kassenärztlichen Vereinigungen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Leeres Wartezimmer
Paradoxerweise haben Ärzte während der Corona-Krise bisher sehr unter leeren Wartezimmern zu leiden gehabt. Bildrechte: dpa

Wenn man als Kassenpatient zum Augenarzt oder zum Kardiologen muss, ist normalerweise Geduld gefragt. Einen schnellen Termin gibt es außer für Notfälle meist nicht. Und wenn das Datum herangerückt ist, verbringt man oft noch lange Zeit im Wartezimmer. Seit Beginn der Corona-Pandemie hat sich das Bild allerdings geändert. So haben zum Beispiel in Sachsen Ärzte der meisten Fachrichtungen im ersten Quartal dieses Jahres weniger Patienten behandelt als im gleichen Zeitraum 2019.

"Besonders betroffen sind die Augenärzte mit einem Rückgang von sieben Prozent, die HNO-Ärzte auch – mit 5,6 Prozent – und die Gastroenterologen mit acht Prozent", sagt Dr. Sylvia Krug, stellvertretende Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen.

Einmal in der Woche ist die HNO-Ärztin in einer Praxis in Leipzig tätig – und dort hat sie den Patientenrückgang selbst zu spüren bekommen: "Ich kann das wirklich bestätigen – ich bin immer montags dort – dass ich da wirklich fast die Halbierung der Patientenzahlen habe, die ich sonst an einem Montag betreue."

Rückgang in allen Praxen

Auch die Kassenärztliche Vereinigung Thüringen bestätigt einen Rückgang der Patientenzahlen. Sprecher Veit Malolepsy: "Das hat praktisch alle Arztpraxen betroffen, dass Patienten schlicht und einfach ausgeblieben sind. Das war vor allem im März so, das hat sich dann im April noch ein bisschen gehalten." Inzwischen kämen aber wieder mehr Patienten in die Arztpraxen.

Genaue Zahlen aus Thüringen liegen indes noch nicht vor. Was Sprecher Malolepsy sagen kann, ist, dass auch die Zahl der Anrufe bei der Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung zurückgegangen ist: "Da hatten wir wirklich einen Rückgang von ungefähr 50 Prozent." Patienten haben demnach bei der Terminservicestelle nicht mehr nach Terminen nachgefragt.

Ähnlich ist das Bild in Sachsen-Anhalt: Weniger Anrufe bei der Terminservicestelle, weniger Patienten in den Praxen. Allzu große finanzielle Einbußen müssen die niedergelassenen Ärzte im Mitteldeutschland aber nicht befürchten. Für das Gesundheitswesen hat der Gesetzgeber einen Schutzschirm beschlossen. Er sichert den Arztpraxen Ausgleichszahlungen zu, wenn sie coronabedingte Einnahmeverluste haben.

Zahnärzte nicht unter Schutzschirm

Zahnärzte fielen allerdings nicht unter diesen Schutzschirm, kritisiert Dr. Jochen Schmidt, Vorstand der Kassenzahnärztlichen Vereinigung (KZV) Sachsen-Anhalt. Eventuell werde es im Rahmen einer Verordnung des Bundesgesundheitsministeriums höchstens eine Liquiditätshilfe geben, die aber vollständig zurückgezahlt werden müsse.

Während Ärzte also ihre Einnahmeausfälle fast vollständig aus Mitteln der Krankenkassen ersetzt bekommen, erhalten Zahnärzte nur einen Überbrückungskredit. Dabei wirkt sich bei ihnen der coronabedingte Patientenrückgang stärker aus als bei ihren Facharztkollegen. Die KZV Sachsen-Anhalt hat eine Umfrage unter den Stomatologen im Land durchgeführt. Ergebnis: In der Hälfte der befragten Zahnarztpraxen sei das Arbeitsaufkommen um mindestens 50 Prozent gesunken, berichtet Landeschef Schmidt, der seine Praxis in Dessau-Roßlau hat: "Da ist bei 17 Prozent das Arbeitsaufkommen um 75 Prozent gesunken, bei 33 Prozent ist das Arbeitsaufkommen um 50 Prozent gesunken."

Noch keine Insolvenzen

Auch die Kassenzahnärztliche Vereinigung Thüringen hat ihre Mitglieder befragt und herausgefunden: Im ersten Quartal dieses Jahres verbuchten die Zahnarztpraxen in Thüringen 10 Prozent weniger Honorareinnahmen als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Im April lagen die Verluste bereits bei mindestens 30 Prozent. Insolvenzen von Zahnarztpraxen sind bisher nicht bekannt geworden. Die KZV Thüringen kann aber nicht ausschließen, dass einige ältere Zahnärzte sich wegen der Corona-Verluste vorzeitig in den Ruhestand verabschieden und ihre Praxen schließen. 

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 02. Juni 2020 | 05:00 Uhr