Gesundheitswesen Patienten in Corona-Krise rücksichtsvoller

In der Corona-Krise verhalten sich Patienten in Arztpraxen und Kliniken generell rücksichtsvoll. Diese Einschätzung äußerten Ärztevertreter aus Mitteldeutschland in einer Umfrage von MDR AKTUELL. Der Vorsitzende des Hausärztevebands Sachsen-Anhalt, Andrusch sagte, vor der Pandemie habe man es manchmal mit verbal aggressiven Patienten zu tun gehabt. Nun seien die Praxen leerer und der Frust geringer.

Patienten in einer Arztpraxis
Patientinnen und Patienten bleiben auch in der Coronakrise freundlich in Arztpraxen und Krankenhäusern. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die schlechte Nachricht zuerst: Es kommt immer wieder vor, dass Ärztinnen, Ärzte und Krankenhauspersonal mit aggressiven Patienten zu tun haben. Das kann Stefan Andrusch bestätigen, Allgemeinmediziner in Halberstadt und Vorsitzender des Hausärzteverbands Sachsen-Anhalt. Vor der Corona-Pandemie seien Patienten manchmal ausfallend geworden.

Andrusch sagt: "Das liegt daran, wenn wir Urlaubsvertretung hatten und am Tag mal an die 100 Patienten die Praxis gestürmt haben, dass da sich dann Patienten ungerecht behandelt gefühlt haben, weil sie länger warten mussten, weil sie keinen Termin hatten. Das passierte schon und da gab es manchmal auch schon Äußerungen vorne an der Anmeldung, das ist richtig."

Aber es gibt auch eine gute Nachricht: Im Moment seien die Patientinnen und Patienten verständnisvoll. Zumal viele den Gang in die Praxis momentan scheuen. Stefan Andrusch wisse in seinem Verband von keiner Praxis, die momentan mit mehr gereizten Patienten zu tun hätte. Er erklärt, "dadurch ist es so, dass wir mehr Arbeit am Telefon haben als in den Praxen."

Wir haben sehr, sehr, sehr viel weniger Patienten, die in die Praxis kommen und dadurch ist auch der Frust in den Praxen nicht groß.

Stefan Andrusch Vorsitzender des Hausärzteverbands Sachsen-Anhalt

Keine besondere Gereiztheit in den Arztpraxen

Sind diese Patientinnen und Patienten möglicherweise woanders – zum Beispiel in den Fieberambulanzen, statt in der Arztpraxis? So eine Fieberambulanz gibt es zum Beispiel in Quedlinburg. Sie gehört zum Harzklinikum Dorothea Christiane Erxleben. Die Klinik-Gruppe beschäftigt fast 2.000 Mitarbeitende. Auch hier sei alles ungewöhnlich entspannt, sagt Tom Koch, Pressesprecher des Klinikums:

"Mir erzählen die Kollegen aus der Notaufnahme, dass sich die Patienten total anders verhalten als vor Corona-Zeiten. Die Patienten sind umsichtiger, rücksichtsvoller. Sie sind deutlich weniger aggressiv, als es das ja in Einzelfällen in den Notaufnahmen in Deutschland und auch bei uns leider gegeben hat. Wir erleben vor allen Dingen, seitdem auch die Öffentlichkeit uns immer wieder mahnt, wir mögen mit den ganzen schweren Dingen, die jetzt auf uns lasten, verantwortungsvoll umgehen, dass dafür ein großes Verständnis herrscht."

Auch das Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara in Halle meldet keine Fälle, in denen sich Patienten aggressiv verhalten hätten. Ein Sprecher sagte MDR AKTUELL, man gehe aktiv auf Patienten zu – es gebe Gespräche, Seelsorge und eine Bibliothek.

Auch in Sachsen sei keine vermehrte Aggression erkennbar

Der sächsische Hausärzteverband teilt MDR AKTUELL schriftlich mit, momentan sei in den Praxen keine Tendenz zu vermehrten Aggressionen erkennbar. Und auch in sächsischen Kliniken verhält man sich scheinbar rücksichtsvoll. Thomas Grünewald der Leiter der Klinik für Infektionsmedizin am Klinikum Chemnitz und bestätigt den Eindruck: "Gerade die Patienten, die mit Krankheitsverdacht kommen, Covid-19-Krankheitsverdacht oder selber erkrankt sind, sind diejenigen, die die Ruhe bewahren."

Ich bin froh, dass das so ist, wir haben noch keine Probleme damit gehabt.

Thomas Grünewald Leiter der Klinik für Infektionsmedizin am Klinikum Chemnitz

Und wer weiß: Vielleicht hält dieses Verhalten auch nach der Corona-Pandemie an. Statt auf dem Balkon zu applaudieren, wäre es ja auch ein Zeichen der Dankbarkeit, in den Praxen und Kliniken freundlich zu sein.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 09. April 2020 | 09:18 Uhr

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