Corona-Ausbruch Kontaktpersonen infizierter Wiesenhof-Mitarbeiter gesucht

Nach Dutzenden Corona-Infektionen bei Mitarbeitern eines Schlachthofes in Niedersachsen werden weitere Kontaktpersonen gesucht. Die Ausbreitung geht eher auf private Kontakte zurück, der Betrieb arbeitet weiter. Der betroffene Landkreis Vechta hat deutschlandweit derzeit das dynamischste Ausbruchsgeschehen.

Die Luftaufnahme zeigt den Wiesenhof-Hähnchenschlachthof im niedersächsischen Lohne.
In diesem Wiesenhof-Schlachthof im niedersächsischen Lohne haben sich dutzende Mitarbeiter mit dem Coronavirus angesteckt. Bildrechte: dpa

Der Landkreis Vechta in Niedersachsen will nach dem Corona-Ausbruch unter Mitarbeitern eines Hähnchenschlachthofs weitere Kontaktpersonen ermitteln. Einem Sprecher zufolge ist zwar ein Großteil des in Frage kommenden Personenkreises bereits kontaktiert und isoliert worden. Dennoch sollte am Montag noch nach weiteren möglichen Kontaktpersonen aus dem persönlichen Umfeld der Mitarbeiter gesucht werden.

Unterschied zum Fall Tönnies

Die Schlachthof-Mitarbeiter hatten sich laut Behörden überwiegend im privaten Bereich mit dem Virus Sars-Cov-2 angesteckt. Unter den Mitarbeitern des zur Wiesenhof-Gruppe gehörenden Schlachtbetriebs Oldenburger Geflügelspezialitäten in Lohne sind demnach mindestens 66 Menschen mit dem neuartigen Coronavirus infiziert.

35 von ihnen wohnen im Landkreis Vechta, 27 im Landkreis Diepholz, die restlichen in den Landkreisen Osnabrück und Cloppenburg sowie in Delmenhorst. Bei Wiesenhof wird laut Behörden der Infektionsschutz eingehalten. Daher laufe auch der Schlachtbetrieb weiter. Das war im Falle des Corona-Ausbruchs beim Schlachter Tönnies in Nordrhein-Westfalen anders.

Im LK Vechta 157 Menschen in Quarantäne

Insgesamt sind im Landkreis Vechta aktuell 67 Menschen mit dem Virus infiziert, für die zusammen mit weiteren 90 engen Kontaktpersonen eine Quarantäne angeordnet wurde. Zwei Erkrankte werden stationär behandelt. Mitte der Woche solle es neue Reihentestungen unter den Schlachthofmitarbeitern geben, sagte der Sprecher.

Der Landkreis Vechta ist damit auch der Landkreis in Deutschland, der am nächsten an der Grenze von 50 Coronavirus-Infektionen pro 100.000 Einwohnern in den letzten sieben Tagen liegt. Dieser Wert erreicht dort 40,3.

Infektionszahlen deutschlandweit leicht gestiegen

Insgesamt wurden am Wochenende in Deutschland von den Kreisen und Städten 500 Neu-Infektionen (Samstag: 227, Sonntag: 273) mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 gemeldet. Das geht aus der Datenbank des Karlsruher Projekts "Risklayer" hervor. An den vergangenen beiden Wochenenden waren es jeweils um die 400 neu gemeldete Infektionen.

Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, schätzt das Robert Koch-Institut aktuell auf 1,25 (berücksichtigt wurde dabei der Datenstand vom 19. Juli, 0 Uhr). Das bedeutet, dass ein Infizierter im Mittel mehr als eine weitere Person ansteckt. Seit Mitte Mai gibt das RKI zudem ein sogenanntes 7-Tage-R an. Es bezieht sich auf einen längeren Zeitraum und unterliegt daher weniger tagesaktuellen Schwankungen. Nach RKI-Schätzungen liegt dieser Wert derzeit bei 1,22. Um die Ausbreitung des Virus einzudämmen, muss der Wert langfristig unter 1,00 gehalten werden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 20. Juli 2020 | 10:00 Uhr

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