Über 1.000 Soldaten Bundeswehr plant trotz Corona große Übungen

In ganz Deutschland gelten weiterhin strikte Ausgangsbeschränkungen und ein Mindestabstand von mindestens eineinhalb Metern. Restaurants dürfen gar nicht öffnen, Geschäfte nur dann, wenn Hygieneregeln eingehalten werden. Währenddessen scheinen sich einige Stützpunkte der Bundeswehr in Mitteldeutschland wieder auf den Normalbetrieb einzustellen. Eine Übung in der Altmark mit mehr als 1.000 Soldaten zum Beispiel soll trotz Corona-Pandemie wie geplant stattfinden.

Soldaten der Bundeswehr stehen bei einer Übung im Gelände.
Die Bundeswehr will auch in Corona-Zeiten eine große Übung mit mehr als 1.000 Soldaten durchführen. Bildrechte: dpa

Wer in diesen Zeiten davon spricht, eine Veranstaltung mit 1.600 Personen durchzuführen, den halten einige Menschen vielleicht für verrückt. Doch in der Altmark in Sachsen-Anhalt soll genau das passieren. Die Bundeswehr plant für kommenden Montag eine Übung mit rund 1.600 Soldatinnen und Soldaten. Das berichtet die Mitteldeutsche Zeitung. Demnach sollen rund 820 Angehörige eines Panzerbatallions aus Bayern am Montag in der Altmark eintreffen. Hinzu kommen etwa 800 Soldaten, die in Sachsen-Anhalt leben – dann soll gemeinsam trainiert werden.

Verschieben der Übung wurde nicht genehmigt

Nach MZ-Informationen soll die Leitung des Übungszentrums im Altmarkkreis Salzwedel eine Verschiebung dieser Übung vorgeschlagen haben. Aus Sorge vor Ansteckungen mit dem Coronavirus hätte die Übung dann Anfang Juni stattfinden sollen. Die Führungsspitze des Heeres habe das aber nicht genehmigt, heißt es in der Zeitung. Ein Sprecher des Übungszentrums sagte, man habe noch keine Absage. Möglicherweise gebe es eine neue Entscheidung im Laufe des Freitags.

Kritik an der Übung kommt aus der Linksfraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt. Landtagsvizepräsident, Wulf Gallert, fordert eine Absage der Übung. Sie sei angesichts der überall geltenden Corona-Kontaktbeschränkungen ein Unding.

Auch in Sachsen ab Montag wieder Bundeswehrübungen

Auch die Bundeswehr in Sachsen erhöht ab Montag ihre Einsatzvorbereitungen. Auf dem Truppenübungsplatz in der Oberlausitz würden ab Montag Schieß- und Übungsvorhaben stattfinden, sagt der Pressesprecher der Bundeswehr Sachsen, Oberstleutnant Eric Gusenburger, MDR AKTUELL. "Hier werden Verbände der Bundeswehr, das ist ein Umfang von etwa 250 Soldaten, auf dem Übungsplatz Übungstätigkeiten beginnen." Das sei ein normales Prozedere, das Leben gehe ja schließlich weiter und es sei notwendig, dass die Bundeswehr beispielsweise die Ausbildung von Soldatinnen und Soldaten fortführe.

Oberstleutnant Gusenberger könne gut verstehen, dass das einem Laien außerhalb der Bundeswehr schwer zu vermitteln sei, "aber diese Ausbildung und diese Zusammenbringung ist notwendig. Wir sind bei der Bundeswehr ja auch für Krisen zuständig. Das heißt, wir arbeiten ja jetzt auch in einer Art Krisenmodus für die Corona-Pandemie. Es sind ja Kräfte der Bundeswehr auch für die Corona-Pandemie bereitgestellt in einer entsprechenden Anzahl."

Mindestabstand soll dennoch eingehalten werden


Mehr als 400 Soldatinnen und Soldaten seien bis zum Sommer auch nicht vor Ort, sodass man sicher sein könne, dass Mindestabstände eingehalten würden, sagt Gusenberger. Die Übungen dienen vor allem der Vorbereitung auf Auslandseinsätze in Mali und Afghanistan. Die Soldatinnen und Soldaten, die ins Ausland geschickt werden, kämen vorher alle in eine 14-tägige Quarantäne, um eine Infektion mit dem Corona-Virus innerhalb der Truppe und vor Ort zu verhindern.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 17. April 2020 | 09:21 Uhr

3 Kommentare

mamageto vor 10 Wochen

Ich finde es unverantwortlich von den Kommandanten jetzt auf Teufel komm raus eine Übung abzuhalten, verantwortungsvoll Gegenüber seinen Soldaten ist etwas anderes. Ganz fürchterlich. Und dieser Kommentar die Bundeswehr tickt ja sozusagen anderes, geht gar nicht! Als ob die Soldaten alle von vornherein Immun wären, gegen dem Coronavirus! Ich kann nur den Kopf schütteln über den desolaten Zustand und die Verantwortlichkeit. Ich weiß nicht ob die Kommandanten keine Nachrichten hören und warum die Bundeswehr sich heraus nimmt gegen Empfehlungen derjeweiligen Länder und der Bundeskanzlerin zuhandeln. Das wird in einem Desaster enden, für die Soldaten und ihren Familien 🥺

Ein Sohlander vor 10 Wochen

Ist schon verrückt: Großveranstaltungen sind bis dato verboten, und die Bundeswehr bringt sogar bayerische Soldatinnen und Soldaten (wo bekanntlich schon über 1100 Tote zu beklagen sind) mit anderen zusammen!
Die Verantwortlichen solltenbestraft werden - und ich bitte die Soldatinnen und Soldaten aus gesundheitlichen Gründen zur Befehlsverweigerung!!

Maria A. vor 10 Wochen

Was das soll, begreift man als Otto Normalo mit nicht hochschulerprobtem Durchschnittshirn nicht so ganz. Will man endlich deutschlandweit die für Corona-Fälle leer geräumten Kliniken ordentlich auslasten? Hier in der Nähe wurde ein kleineres Krankenhaus Anfang März umgerüstet auf Corona-Fälle und es kam, Interna nach, sicherlich für uns alle ein sonstiger Glücksfall, bislang kein einziger solcher Patient an. Wo man sich seit Wochen als Mediennutzer ständig konfrontiert sieht mit erschütternden Bildern über den momentanen Alltag in Krankenhäusern. Wo völlig überlastetes Krankenhauspersonal umher hastet, Ärzte und Schwestern fast vor Kameras zusammen brechen, und man sogar vor dem Bildschirm deren Verzweiflung regelrecht spüren kann. Was sicher in manchen Städten besonders betroffener Bundesländer so war und noch ist, aber halt doch regional unterschiedlich betrachtet werden sollte.