Pandemie Trotz Corona: Mitteldeutsche Karnevalsvereine bleiben optimistisch

Sollte man in Corona-Zeiten Karneval feiern? Wohl auch mit Blick auf das Infektionsgeschehen nach einer solchen Feier im nordrhein-westfälischen Kreis Heinsberg ist Gesundheitsminister Spahn da eher skeptisch. Bei einer Konferenz im Gesundheitsausschuss soll er angemerkt haben, dass er sich Karneval in Pandemie-Zeiten nicht vorstellen könne. Das stößt auch in den mitteldeutschen Karnevalshochburgen auf Unverständnis.

Zum Faschingsumzug 2020 in Erfurt haben sich die Karnvelisten auch von schlechtem Wetter nicht die Laune verderben lassen.
Ob der Karneval im kommenden Jahr wieder so ausgelassen wie hier in Erfurt gefeiert werden kann, ist derzeit noch unklar. Im Bild: Oberbürgermeister Andreas Bausewein. Bildrechte: MDR/Michael Kremer

Für Steffen Hoffmann war es eine sehr traurige Nachricht. Hoffmann ist der Präsident des Förderkomitees Leipziger Karneval, dem Dachverband einiger Karnevalsvereine in der Stadt. Er weiß also, was die Jecken umtreibt.

Bei Jens Spahn, der das so auch von sich behauptet haben soll, sei er sich da allerdings nicht so sicher, sagt Hoffmann: "Karneval ist ja nicht nur, wir gehen auf die Straße, schmeißen ein bisschen Bonbons durch die Gegend und Konfetti und rufen laut Allaf oder Helau oder sonst was." Karneval bestehe aus vielen tausend Veranstaltungen, die landauf landab stattfänden, für die auch Zehntausende Kinder, Jugendliche und Erwachsene das ganze Jahr über trainierten.

Man nimmt sämtlichen Karnevalsvereinen mit so einer allgemeinen Aussage die Perspektive für ein Jahr.

Steffen Hoffmann | Förderkomitee Leipziger Karneval über Jens Spahns Aussage zu Karneval in Pandemie-Zeiten

Hoffmann sagt auch, dass Leipzig eben nicht wie Nordrhein-Westfalen sei. Er glaubt nicht, dass der Karneval in der Messestadt komplett ins Wasser fallen wird. Die Veranstaltungsbehörde stehe dem Karneval positiv gegenüber.

Veranstaltungen unter anderen Voraussetzungen

Außerdem sind die Leipziger Jecken Hoffmann zufolge kreativ und tüftelten schon an Ideen, wie man Veranstaltungen in geschlossenen Räumen unter Corona-Bedingungen umsetzen könnte – etwa durch speziell angefertigte Masken, die jeder Gast zum Eintritt bekommt: "Hinterher gibt es ein sogenanntes Mund-Nasen-Bedeckungslotto. Das heißt, es gibt eine Lotterie und die sind alle nummeriert und eine der Masken gewinnt einen kleinen Preis oder sowas." Das seien zwar alles nur Ideen, die man nun erst mal prüfen müsse, ob es funktioniere, möglich und überhaupt gewollt sei.

Diese Fragen stellt sich auch Ronald Mormann, Senatspräsident der Köthener Karnevalsgesellschaft KuKaKö und SPD-Landtagsabgeordneter in Sachsen-Anhalt. Die Überlegungen des Gesundheitsministers hätten ihn überrascht: "Nehmen Sie mal uns hier in Sachsen-Anhalt. Wir haben Infektionszahlen, die haben in ihrer Größenordnung nichts mit dem zu tun, was man aus Nordrhein-Westfalen oder aus Bayern hört. Und jetzt muss man einfach auch mehr differenzieren und feststellen: Wo hat man welche Infektionszahlen und sind dort solche Entscheidungen angemessen."

Ich halte von so einer bundesweiten Regelung überhaupt nichts.

Ronald Mormann Köthener Karnevalsgesellschaft KuKaKö

Mormann orientiert sich am "Sachsen-Anhalt-Plan" und glaubt nicht an weitere Beschränkungen im Land. Im Gegenteil: Er geht sogar davon aus, dass es im September noch weitere Lockerungen geben könnte.

Alternativkonzepte für Großveranstaltungen gesucht

Ganz ohne Corona-Einschränkungen wird es aber nicht gehen, darüber ist man sich auch in der Karnevalshochburg Köthen im Klaren: "Zum Rosenmontag könnte ich mir vorstellen, dass man für die Straßenränder etwas entwickelt kriegt, was unter unseren Infektionszahlen auch geht. Aber man muss dann sicherlich drüber nachdenken, ob man auf dem Marktplatz mit mehreren tausend Leuten schunkelnd und unter Karnevaleinfluss tatsächlich feiern kann."

Mormann zufolge ist es aber überzogen, bereits ein halbes Jahr vorher solche Veranstaltungen ganz abzusagen. Und so ist er genauso wie sein Leipziger Kollege Hoffmann optimistisch, dass es doch etwas werden kann mit dem Karneval in Mitteldeutschland – getreu dem Kölschen Grundgesetz: "Et hätt noch immer jot jejange".

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 20. August 2020 | 05:00 Uhr

3 Kommentare

Der Erfurter Bub vor 13 Wochen

Sich vorsätzlich mit dem Corona Virus zu infizieren ist aber kein Menschenrecht. Und was ist mit den Jecken die sich nicht infizieren wollen? Wie werden die geschützt? Oder sollen die besser zu Hause bleiben? Daher kann ich die Entscheidung zur Aussetzung Der diesjährigen Karnevalsaison nur begrüssen.

Kopfschuettler vor 13 Wochen

"Narren planen unbeirrt weiter" Deshalb sind es ja auch Narren. Ich würde sie auch Realitätsverweigerer nennen.

Zeitgeist vor 13 Wochen

Ja, evt. merkt es jetzt der Letzte, hier wird alles den Bach runter gefahren.
Und das unter Vorsatz.