Kriminalität in Coronazeiten Europol rechnet mit Impfstoff-Betrug

Das große Verlangen nach Impfstoffen gegen das Coronavirus könnte von Betrügern ausgenutzt werden. Davor warnt die europäische Polizeibehörde. Europol rechnet unter anderem damit, dass Kriminelle gefälschte Impfstoffe anbieten, die tödlich sein können. Bereits jetzt verzeichnet die Behörde eine deutliche Zunahme beim Online-Betrug sowie beim Kindesmissbrauch während des ersten Lockdowns.

Person mit Brille (Gesicht im seitlichen Anschnitt) und Mund-Nasen-Schutz begutachtet einen Impfstoff mit Aufschrift "Covid-19 Vaccine", den sie in Gummihandschuhen hochhält. Cinematische, etwas mystische Farben, Hintergrund unscharf.
Große Hoffnungen ruhen auf den angekündigten Corona-Impfstoffen. Die Polizeibehörde Europol rechnet damit, dass Betrüger gefälschte Stoffe anbieten. Bildrechte: imago images/Panthermedia

Die europäische Polizeibehörde Europol befürchtet Betrugsdelikte im Zusammenhang mit Corona-Impfstoffen. Nach Erscheinen der Vakzine gegen eine Infektion mit dem Coronavirus könnten Betrüger dies nutzen, um mit unseriösen Angeboten Kasse zu machen, sagt Europol-Pressesprecher Jan Op Gen Oorth. "Wir gehen davon aus, dass das organisierte Verbrechen sehr schnell aktiv wird und dann online gefälschte Impfstoffe anbietet", so Op Gen Oorth im Kripo Live-Interview. Diese gefälschten Impfstoffe wirkten im besten Fall einfach nicht. Im schlimmsten Fall seien sie tödlich.

Eine andere Möglichkeit sei, dass Kriminelle den Impfstoff anbieten und dann nie liefern. "Das heißt klassischer Betrug." Ebenso erwartet Europol Betrugsstraftaten im Bereich staatlicher Unterstützung für Unternehmen. "Wir haben da als Vergleichswert die Finanzkrise aus den Jahren 2006 und 2007, wo Ähnliches geschehen ist." Auch damals habe das organisierte Verbrechen mit sehr viel Betrug versucht, an staatliche Subventionen heranzukommen.

Mehr Kindesmissbrauch und Online-Betrug

Bereits jetzt verzeichnet Europol Veränderungen bei der Kriminalität in Europa durch die Corona-Pandemie und das damit verbundene teilweise Herunterfahren des öffentlichen Lebens. So habe man anfangs einen kleinen Einbruch beim Verkauf von Drogen auf der Straße beobachtet und gleichzeitig einen Anstieg des Drogenhandels im Darknet, sagt der Europol-Pressesprecher in Den Haag. Außerdem gebe es "eine unglaubliche Zunahme beim Online-Betrug", etwa mit Gesichtsmasken und Handschuhen. Am Anfang sei auch das ein oder andere in den Medien gehandelte Medikament gegen das Coronavirus gefälscht angeboten worden.

Europol Hauptquartier, Den Haag
Die Zentrale der europäischen Polizeibehörde Europol befindet sich in Den Haag. Bildrechte: imago/Hollandse Hoogte

Zugenommen hat Europol zufolge auch der Missbrauch von Kindern. Insbesondere während des ersten Lockdowns im Frühjahr habe es eine frappierende Zunahme gegeben. "Dabei handelt es sich teilweise um Fälle, in denen Kinder über die Webcam – ohne, dass sie es wissen – beobachtet werden." Es könne aber auch direkt Zugriff erfolgen. In diesem Fall nähmen die Kriminellen über Social Media mit Kindern Kontakt auf und übten dann psychologisch Druck aus mit Ziel, dass die Opfer Fotos teilen oder sich vor der Webcam ausziehen.

Mit Steckbriefen ausgeschrieben: Europas meistgesuchte Sexualstraftäter

Mit einer Kampagne hatte Europol ab Ende Oktober vier Wochen gezielt nach Sexualstraftätern gesucht. 18 Personen waren unter dem Titel "Europas meistgesuchte Sexualstraftäter" mit Fotos und Steckbriefen zur Fahndung ausgeschrieben. Darunter war auch ein 32-jähriger deutscher Staatsangehöriger. Er wird wegen der Vergewaltigung von mehreren jungen Mädchen gesucht. Zuletzt soll er im November 2017 eine damals 16-jährige Kölnerin zweimal vergewaltigt haben.

Von den 18 gesuchten Personen wurde während der Kampagne eine festgenommen. "Das war der meistgesuchte Kriminelle Luxemburgs", erklärt Op Gen Oorth. Der Mann sei am internationalen Flughafen von Brüssel von der belgischen Polizei unter Mithilfe der serbischen Zielfahndung festgenommen worden. Womöglich könne man demnächst auch noch eine weitere Verhaftung vermelden, so der Europol-Pressesprecher. Auf der Internetseite "Europa most wanted" habe man 280.000 Besuche von europäischen Bürgern verzeichnet. Das sei ein sehr großer Erfolg. Generell spielten Hinweise aus der Bevölkerung im Sinne der Schwarmintelligenz eine wichtige Rolle bei der Zielfahndung.

Alle zwei Minuten eine Sexualstraftat

Hintergrund der Kampagne "Europas meistgesuchte Sexualstraftäter" ist, dass Europol zufolge statistisch fast alle zwei Minuten in der Europäischen Union eine Sexualstraftat anzeigt wird. Hinzu komme die wahrscheinlich sehr viel höhere Dunkelziffer. Die Fahndungen nach den Gesuchten laufen auch nach Ende der Kampagne weiter.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Kripo Live | 29. November 2020 | 19:50 Uhr