Hauptsache Gesund Experte: Osten könnte bei Corona glimpflicher davonkommen

Vom Westen aus hat sich das Coronavirus in Deutschland ausgebreitet. In Mitteldeutschland ist es erst mit einiger Verzögerung angekommen. Zuletzt in Sachsen-Anhalt. Das Kontaktverbot könnte hier deshalb möglicherweise effektiver wirken.

Ein Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes entnimmt einem Fahrer eine Probe.
Abstrich in einem "Corona-Drive-In". Bildrechte: imago images/Xinhua

Das Kontaktverbot könnte Mitteldeutschland einen milderen Verlauf der Corona-Pandemie bescheren als Westdeutschland. Diese Hoffnung äußerte Prof. Mathias Pletz, Direktor des Instituts für Infektionsmedizin und Krankenhaushygiene am Uniklinikum Jena, im MDR-Magazin "Hauptsache Gesund". "Wir wissen nicht, ob dieser Kelch an uns vorübergehen wird, aber vielleicht kommt das Kontaktverbot für den Osten rechtzeitig", so Pletz.

Ein Arzt zieht sich Handschuhe an.
Gummihandschuhe und Anzüge sollen Krankenhauspersonal vor dem Coronavirus schützen. Bildrechte: imago images/Hans Lucas

In Sachsen-Anhalt etwa seien die ersten Corona-Fälle erst etwa sechs Wochen später aufgetreten als in Nordrhein-Westfalen. Damit verbindet der Infektiologe die Hoffnung, dass Maßnahmen wie das Kontaktverbot und Ausgangsbeschränkungen hier frühzeitig ihre Wirkung entfalten. So könnten möglicherweise hohe Fallzahlen wie in Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen verhindert werden.

Ausbreitungsgeschwindigkeit bereitet Sorgen

Der Mediziner erklärte außerdem, warum er seine Einschätzung zum Coronavirus in den vergangenen Wochen geändert habe: "Wir Experten haben vor sechs Wochen auf dem WHO-Gipfel in Genf die Situation noch entspannter gesehen und mit den Todesfällen von Grippewellen verglichen", sagte Pletz.

Jetzt kennen wir die rasende Geschwindigkeit der Ausbreitung des Coronavirus und diese Geschwindigkeit bereitet uns Sorgen.

Prof. Mathias Pletz, Direktor des Institus für Infektionsmedizin und Krankenhaushygiene am Uniklinikum Jena

In dieser Krise könne man derzeit nie länger als eine Woche vorausplanen, da sich die Infektionszahlen exponentiell entwickelten.

Uniklinikum Jena gut vorbereitet

Am Uniklinikum Jena bereitet sich das Personal seit Wochen auf einen Anstieg an Corona-Patienten vor. "Wir haben extrem hart gearbeitet", so Mathias Pletz. So sei etwa die gesamte Intensivstation freigeräumt worden und Ärzte, die normalerweise nicht auf der Intensivstation arbeiten, würden für die Bedienung von Beatmungsgeräten trainiert.

Andere Erkrankungen trotz Corona ernst nehmen

Auch im Herzzentrum Leipzig wurden viele Betten für Corona-Patienten freigemacht. Prof. Holger Thiele, Direktor der Klinik für Kardiologie, appellierte im MDR-Magazin "Hauptsache Gesund": "Herzpatienten sollen bei Beschwerden weiterhin unbedingt in die Klinik kommen." Aus China und Italien sei bekannt, dass Leute aus Sorge und weil das Thema 'Corona' allgegenwärtig sei, Symptome anderer schwerer Erkrankungen ignorierten.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 26. März 2020 | 21:00 Uhr