Corona-Krise Kleine Kultureinrichtungen bangen um ihre Existenz

Lydia Jakobi, Autorin und Reporterin
Bildrechte: MDR/Karsten Möbius

Wegen der Corona-Krise bangen in Mitteldeutschland viele kleinere Kultureinrichtungen um ihre Existenz. Der Geschäftsführer des Leipziger Kabaretts Pfeffermühle, Dieter Richter, sprach bei MDR AKTUELL von einem Sterben auf Raten. Auch die Club-Szene kämpft ums Überleben, weil Tanzveranstaltungen noch nicht erlaubt sind. Etwas Hoffnung gibt es bei den Programmkinos.

Der "Kohlrabizirkus" in Leipzig in einer Luftaufnahme (2000)
Im Kohlrabizirkus in Leipzig befindet sich auch das "Institut für Zukunft". Der Club für elektronische Musik kämpft ums Überleben, weil Tanzveranstaltungen noch nicht erlaubt sind. Bildrechte: ddp

Während einer Probe in der Leipziger Pfeffermühle singt ein Künstler zu beschwingter Klaviermusik: "Hallo ich bin Corona, das Virus der Saison... ." Zumindest einen positiven Effekt hat die Corona-Pandemie für die Kabarettisten der Leipziger Pfeffermühle: Das Virus inspirierte sie zu einem neuen Programm. Masken, Aerosole und Systemrelevanz – verpackt in schmissige Klaviermelodien.

Dieter Richter steht im gedämpften Licht des Zuschauerraums und beobachtet die Probe. Er ist der Geschäftsführer der privatwirtschaftlichen Pfeffermühle. Den Witz von der Bühne könne er kaum an den Schreibtisch mitnehmen. Richter macht sich angesichts der Krise große Sorgen um die Zukunft seines Hauses: "Vorher war es ein Berufsverbot und jetzt ist es ein Minusgeschäft. Also das ist Sterben auf Raten."

Pfeffermühle droht Schließung Ende September

Die Pfeffermühle hat zwar für drei Monate Gelder aus dem Soforthilfe-Topf des Bundes bekommen – insgesamt 15.000 Euro. Aber schon für einen Monat müsse er 30.000 Euro Fixkosten berappen, so Richter. Die Zuschüsse seien gut gemeint, aber letztlich nur Almosen, sagt der Kabarettist. Die sechs festangestellten Mitarbeiter der privatwirtschaftlichen Pfeffermühle seien in Kurzarbeit, die Künstler lebten von Erspartem oder hätten Arbeitslosenhilfe beantragt.

Dieter Richter möchte noch bis Ende September durchhalten, danach müsse er weitersehen: "Entweder wird hier der Rollladen runtergemacht und wir fahren nur noch mit drei Leuten auf Tournee, in der Hoffnung, im Gespräch zu blieben. Oder es passiert ein Wunder oder ich muss Leute anbetteln, in der Hoffnung, dass da ein bisschen Geld zusammenkommt."

Zum 18. Juli hat Sachsen die Beschränkungen für Theater oder Kinos gelockert. Abstände müssen seitdem nicht mehr zwingend eingehalten werden, wenn die Kontaktdaten der Gäste vorliegen. Aber die sind teilweise nicht mal in Sicht – denn, so erklärt Dieter Richter, man profitiere normalerweise von den Touristen. Und die fehlen nach wie vor.

Programmkino mit leicht steigender Besucherzahl

Etwas zuversichtlicher blickt Torsten Raab vom Halleschen "Puschkino" in die Zukunft. Man komme irgendwie hin, sagt der Inhaber des kleinen Programmkinos: "Jetzt deutet sich an, dass die Besucher langsam Vertrauen zurückgewinnen und jede Woche kommen ein paar mehr Leute."

Die Zuschauerzahlen seien immer noch auf einem niedrigen Niveau und man habe nur ein Drittel der Plätze zur Verfügung, sagt Raab weiter: "Aber das ist ein Anfang und das ist vielleicht auch das Wichtige, auch wenn es schwierig ist, die Tür aufzumachen."

IFZ versucht sich mit Alternativkonzepten über Wasser zu halten

Andere Kultureinrichtungen sind davon noch weit entfernt. Das Institut für Zukunft etwa, ein Klub für elektronische Musik in Leipzig. Mitarbeiterin Jasmin sagt: "Aktuell gilt ja noch das sogenannte Tanzlustbarkeitsverbot. Aber so eine Nacht im Club lebt ja auch von Nähe und Intimität. Und das ist unter den Bedingungen nicht durchführbar."

Das Institut für Zukunft versucht sich mit anderen Konzepten über Wasser zu halten: Die Betreiber haben einen provisorischen Biergarten eröffnet, es gab Livestreams, eine Crowdfunding-Kampagne, eine Soli-Aktion zusammen mit anderen Leipziger Klubs. Aber all das deckt nur einen Teil der laufenden Kosten – das sind knapp 20.000 Euro pro Monat.

Überbrückungshilfen nicht an Clubs angepasst

Und auch die staatlichen Gelder würden nur bedingt helfen, sagt IFZ-Mitarbeiterin Jasmin: "Zum Beispiel das Corona-Überbrückungshilfen-Paket berechnet sich witzigerweise aus den Monaten von vor einem Jahr. Und das sind bei uns eben die Monate, in denen wir Sommerpause hatten. Und dadurch fallen wir dadurch schon wieder raus. Also es ist komplett absurd und gar nicht an die Lebensrealität von Clubs angepasst."

Sollten die Auflagen gelockert werden, wäre es trotzdem schwierig, rasch in den Normalbetrieb überzugehen, sagt Jasmin weiter, denn Musiker und Künstler, speziell aus dem Ausland, würden derzeit kaum Auftritte planen. Immerhin sagt Jasmin: Das biete die Chance, wieder mehr lokale Acts auf die Bühne zu stellen. Nur leider ist fraglich, wann das überhaupt geht.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 06. August 2020 | 05:00 Uhr

5 Kommentare

Klarheit vor 6 Wochen

@MDR-Team ,
erzählen sie doch dies den Opfern der Schließungen , Einschränkungen - die werden sich freuen das der EU geholfen wird - nützt diesen Betreibern von Clubs , Kultureinrichtungen , und vielen anderen Existenzen überhaupt nichts !
Schön das die EU auf die Beine kommen soll, während hier vielen die Existenzen zerstört werden !
Sie unterschlagen bei Ihren Merkel Lobbeshymnen allerdings das Deutschland ab jetzt viele Milliarden mehr in den EU Haushalt einzahlen wird -- über 10 Milliarden jährlich , da sind die 650 für Ostdeutschland über 7 Jahre ein Witz , eine Beruhigungspille für naive !
Und die hier gebeutelten können noch per Merkel-Geschenk die Schulden der Italiener , Franzosen , Spanier mit bezahlen !
Verdrehen Sie bitte die finanziellen Belastungen / Ausplünderungen des dt. Steuerzahlers nicht in das Gegenteil !

Unstrutschiffer vor 6 Wochen

Aus MDR-Team zuvor:

"..Merkel hat beim EU-Corona-Gipfel unter anderem durchgesetzt, dass Deutschland aus dem nächsten Sieben-Jahres-Finanzrahmen zusätzlich 650 Millionen Euro für ostdeutsche Regionen erhalten, um "Wettbewerbsfähigkeit, Wachstum und die Schaffung von Arbeitsplätzen zu fördern".."

Nur um es mir mal selbst ins Verhältnis zu setzen, 650 Millionen Euro in 7 Jahren für ostdeutsche Regionen, um "Wettbewerbsfähigkeit, Wachstum und die Schaffung von Arbeitsplätzen zu fördern", wenn schon allein nur die Rettung von 1000 Arbeitsplätzen von Bombardier dem Land Sachsen 107,8 Millionen Euro in einem Jahr kosten könnte!

(https://www.mdr.de/sachsen/bautzen/bautzen-hoyerswerda-kamenz/buergschaft-summe-bombardier-100.html)

Gehe ich davon aus, dass in ostdeutschen Regionen rund 15 Mio. Menschen leben, beträgt die zusätzliche Fördersumme für "Wettbewerbsfähigkeit, Wachstum und die Schaffung von..." etwas über 6€ pro Kopf und Jahr!

Welch enorme Summe!

Lotrecht vor 6 Wochen

Liebes MDR-Team,

teilen sie die frohe Kunde bitte auch den Schwarzmalern mit, über die im Artikel berichtet wird: "Es wird aufwärts gehen, auch an Euch ist gedacht. Es wird keinem schlechter gehen, aber dafür vielen besser!"