Psychologische Betreuung Corona-Krise: Massive Probleme für Tageskliniken und Patienten

Etwa 760 Tageskliniken für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Deutschland kämpfen derzeit mit den Auswirkungen der Corona-Krise. Viele Einrichtungen mussten bereits schließen. Die Deutsche Arbeitsgemeinschaft der Tageskliniken e.V. sieht Mitarbeiter in ihrer Existenz bedroht. Psychisch Erkrankte können nicht mehr ausreichend versorgt werden.

Gruppentherapie
Patienten nehmen an einer Gruppentherapie teil. Bildrechte: imago images / Panthermedia

Die psychologische Betreuung in Tageskliniken ist in Deutschland aufgrund der Corona-Krise kaum noch möglich. "Als Tageskliniken sind wir unterhalb des Radars der Behörden und Ministerien", sagte Dr. Herald Hopf, Vorsitzender der Deutschen Arbeitsgemeinschaft der Tageskliniken e.V. für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik (DATPPP), dem MDR-Magazin "Hauptsache Gesund".

Viele der deutschlandweit etwa 760 psychiatrischen, psychotherapeutischen und psychosomatischen Tageskliniken mussten wegen der Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen bereits gänzlich schließen. Ärzte und Krankenpfleger könnten schnell auf andere Kliniken verteilt werden, sagte Hopf, "Psychologen und Ergotherapeuten, Sozialpädagogen und Physiotherapeuten stehen aber beschäftigungslos da, in der Hoffnung nach der Krise wieder anfangen zu können."

Psychisch Erkrankte nicht mehr ausreichend versorgt

Karteikarten
Behandlungsakten beim Psychiater. Bildrechte: imago images / Panthermedia

Ein weiteres Problem: Die psychisch Erkrankten stünden nun zum Teil völlig alleine und unterversorgt da. "Die vollstationären Kliniken sind übervoll und wenig gewillt, unsichere und potenziell infektiöse Patienten aufzunehmen", so der Psychiater Herald Hopf. In Sachsen-Anhalt etwa wollen Patienten zudem nicht in vollstationäre Kliniken verlegt werden, "denn das bedeutet wochenlang keinen Außenkontakt zu haben, keinen Besuch und Ausgang", sagte Hopf.

Chance für telemedizinische Versorgung

Viele Tageskliniken versuchten nun, den Kontakt zu ihren Patienten per Videosprechstunden aufrecht zu erhalten. Diesen Weg wählen inzwischen auch immer mehr niedergelassene Psychotherapeuten. Die Signale von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, über kurzfristige Verordnungen auch für diese Versorgungsform Abrechnungsmöglichkeiten bei den Krankenkassen zu schaffen, wertet Hopf als "richtigen Schritt", auch zur rechtlichen Absicherung.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 26. März 2020 | 21:00 Uhr