Nachgefragt Corona-Quarantäne: Wer kontrolliert das?

Wegen der Ausbreitung des Coronavirus sollen wir derzeit alle zu Hause bleiben. Für manche Menschen gilt das aber ganz besonders: Nämlich für die, die Kontakt zu einer kranken Person hatten, in Risikogebieten unterwegs waren oder sogar selbst infiziert sind. Für diese Gruppen können die Gesundheitsämter Quarantäne anordnen. Das geschieht auch immer häufiger. Nur: Welche Regeln gelten für die Quarantäne und wie wird sie eigentlich kontrolliert?

Ein Mann und ein Junge liegen auf dem Boden eines Kinderzimmers
Eine häusliche Quarantäne gilt normalerweise für 14 Tage. (Symbolbild) Bildrechte: imago images/Cavan Images

Eines vorweg: Quarantäne ist nicht gleich Quarantäne. Gesundheitsminister Jens Spahn hatte zum Beispiel noch vor einigen Tagen Urlauber aus Risikogebieten aufgerufen, sich freiwillig in Quarantäne zu begeben. In diesem Fall steht man nicht unter der Aufsicht des Gesundheitsamtes.

Anders ist es bei einer behördlich verordneten Quarantäne. Dann muss der Betroffene die Anweisungen des Amtes befolgen. Das Robert Koch-Institut schreibt dazu:

Zu den Empfehlungen des Gesundheitsamtes kann gehören, zu Hause zu bleiben, Abstand von Dritten zu halten, regelmäßige Händehygiene sowie auf eine gute Belüftung der Wohn- und Schlafräume zu achten und Haushaltsgegenstände nicht mit Dritten zu teilen, ohne diese zuvor wie üblich zu waschen.

Robert Koch-Institut

Weiter wird empfohlen, ein eigenes Badezimmer zu nutzen, sollte die Möglichkeit bestehen.

Häusliche Quarantäne normalerweise 14-tägig

Die häusliche Quarantäne gilt normalerweise für 14 Tage. In dieser Zeit müssen die Betroffenen nach den Empfehlungen des Robert Koch-Instituts zwei Mal täglich Fieber messen, ein Tagebuch zu ihren Symptomen führen, auf Verlangen Abstriche machen und für die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes erreichbar sein. Die sollen sich täglich bei der kranken Person melden.

Klappt das auch? Die Stadt Halle konnte inzwischen zumindest mehr Ärzte gewinnen, um die Menschen zu Hause zu besuchen, sagt Amtsärztin Christine Gröger: "Dank dieser Unterstützung ist es möglich, bei in Quarantäne gesetzten Kontaktpersonen Abstriche zu entnehmen, was uns noch mehr Sicherheit gibt, was das Durchseuchungsrisiko in der Bevölkerung mit dem Virus angeht."

Halle: Stichproben durch Ordnungsamt

Symbolbild für Alltag in der Quarantäne: Eine Familie sieht gemeinsam fern.
Bei einer angeordneten Quarantäne bleibt nur eines: konsequent zu Hause bleiben. Bildrechte: imago images / Westend61

In Halle klingelt das Ordnungsamt auf seinen Streifen auch stichprobenartig bei den Bürgern, die unter Quarantäne stehen. Manchmal wird auch nur angerufen. Dabei haben die Kontrolleure in den vergangenen Tagen einige Verstöße festgestellt. In diesen Fällen wurde Anzeige erstattet.

In Magdeburg sei das kaum möglich, sagt Stadtsprecherin Kerstin Kinszorra: "Da müssen wir aus Kapazitätsgründen tatsächlich darauf verweisen, dass jeder, der vom Gesundheitsamt in Quarantäne geschickt wurde, auch selbst ein Interesse daran hat, dass er niemanden ansteckt, dass ihm wirklich bewusst ist, dass diese 14 Tage essenziell sind." In Magdeburg befinden sich aktuell etwa 950 Personen in Quarantäne – Corona-Infizierte und ihre Kontakte.

In Dresden wurden Stand heute rund 1.900 Bürger aufgefordert, zu Hause zu bleiben. Kontrollieren könne man das allerdings auch nicht, erklärt der Pressesprecher am Telefon. Dafür habe die Stadt derzeit keine Kapazitäten. Man hoffe auf das Verantwortungsgefühl der Betroffenen.

Angeordnete Quarantäne ignorieren? Harte Strafen möglich

Könnte die Polizei dem Ordnungsamt nicht unter die Arme greifen? Auf die Frage sagte Sachsens Innenminister Roland Wöller am Dienstag: "Die Zuständigkeiten sind klar geregelt, aber auch die Unterstützung. Das macht ja die Polizei ohnehin, unabhängig von den Corona-Fällen, dass es zum Beispiel gemeinsame Streifen gibt von den Ordnungsbehörden. Das ist eine Frage der Abstimmung der Reviere vor Ort."

Sollte jemand trotz angeordneter Quarantäne nicht zu Hause sein, drohen harte Konsequenzen: Das Gesetz sieht dafür mehrjährige Freiheits- oder Geldstrafen vor.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 20. März 2020 | 05:00 Uhr