Pandemie Noch in diesem Jahr Corona-Schnelltests für Zuhause?

Bald wird es kälter - und dann beginnen wieder viele Menschen zu schniefen und zu husten. Die Nachfrage nach Corona-Tests dürfte steigen. Zurzeit werden in Deutschland sogenannte PCR-Tests verwendet, doch die sind teuer und die Auswertung dauert. Die Rettung wären möglicherweise Schnelltests für jedermann und jedefrau für Zuhause. Das Problem: In Deutschland sind die nicht erlaubt. Nur Ärzte dürfen Coronatests vornehmen. Warum ist das so?

Eine Ärztin hält das Wattestäbchen eines Coronavirus-Tests in der Hand
Auch für viele Schnelltests auf das neuartige Coronavirus wird ein Abstrich aus dem Rachenraum genommen. Bildrechte: imago images/Frank Sorge

In Klaus Reinhardts Stimme schwingt etwas Empörung mit. Nein, niemand blockiere hier etwas, sagt der Präsident der Bundesärztekammer im Gespräch mit MDR AKTUELL. Im Gegenteil, die Ärzteschaft sei für die möglichst rasche Ablösung der PCR-Tests auf das neuartige Coronavirus durch Schnelltests, sagt Reinhardt. Selbst die Laborärzte seien das.

Schnelltests seien zwar weniger genau, sagt Reinhardt, aber: "In der Summe ist es weniger schlimm, mal einen falschen Test zu haben, als so viel Zeit zu verlieren, wie wir das aktuell mit den PCR-Tests erleben. Was hat es für einen Sinn, wenn ich mit dem PCR-Test eine zwei- oder drei-prozentig bessere Sensitivität habe, aber ein unter Umständen Infizierter zwei Tage durch die Gegend läuft, weil ich ihn nicht erreicht habe." Insofern habe man mit den Schnelltests eine deutlich praktikablere Situation, sagt Bundesärztekammer-Präsident Reihnhardt weiter.

Ärzte-Präsident plädiert für Schnelltests beim Mediziner

Tatsächlich wurden in den letzten Wochen immer mehr Schnelltests vorgestellt, die auch eine recht hohe Genauigkeit versprechen. Zum Beispiel der des Schweizer Pharmakonzerns Roche. Nach Angaben des Unternehmens misst dieser Test mit über 96-prozentiger Zuverlässigkeit positive Patienten. Und das in 15 Minuten. Dafür detektiert der Test keine SARS-CoV-2-RNA, wie bei klinischen PCR-Tests, sondern spürt spezifische Proteine des neuartigen Coronavirus auf, sogenannte Antigene.

Das Problem ist nur: Für den Test muss ein Abstrich genommen werden, tief genug aus dem Rachen. Und das sollte medizinisch geschultes Personal tun und nicht der Laie, empfiehlt der Anbieter. Die deutsche Gesetzeslage lässt ohnehin nichts anderes zu. Auch Ärzte-Präsident Reinhardt fordert: Abstriche, Diagnosen - all das solle in den Händen von Ärzten bleiben: "Weil es ja nicht nur damit getan ist, dass man eine Diagnose bekommt, sondern es geht ja auch darum, noch eine kurze Beratung zu erhalten."

CDU-Politiker möchte Tests mit einfacher Handhabung abwarten

Der Ärztepräsident bekommt dabei Unterstützung vom CDU-Politiker Erwin Rüddel, der dem Gesundheitsausschuss im Bundestag vorsitzt. Auch Erwin Rüddel betont, dass niemand wegen wirtschaftlicher Interessen Schnelltests für Zuhause blockiere. Die Politik werde den Weg frei machen, allerdings erst, wenn es zuverlässige Schnelltests mit einfacher Handhabung gebe.

Und das sei bislang nach seiner Kenntnis nicht der Fall, sagt CDU-Politiker Rüddel: "Also, da sind wohl mehrere Projekte in der Erprobung. Und ich rechne damit, dass wir im Herbst spätestens im Winter eine Auswahl von den Möglichkeiten für Schnelltests haben, sodass wir da einsteigen können." Dann müsse festgelegt werden, wer diese Test durchführen könne, sagt Rüddel weiter.

Schnelltests in Pflegeheimen durch Fachpersonal

Der CDU-Politiker Rüddel ist zuversichtlich, dass es in Deutschland bald Coronatests für den privaten Gebrauch gebe, die zum Beispiel wie ein Schwangerschaftstest funktionieren würden. Bis dahin müsse man damit auskommen, dass ein Test nur beim Arzt gemacht werden dürfe. Das findet auch Jörg Biastoch gut. Er ist Vorsitzender des Verbands Deutscher Alten- und Behindertenhilfe und sagt, es sei ein Risiko, wenn Laien Coronatests durchführen würden, denn dann könne es viel öfter zu falschen Ergebnissen kommen.

Sobald die Infektionszahlen wieder nach oben schnellen, sollten zum Beispiel in Pflegeheimen Schnelltests mit Fachpersonal angeboten werden, ergänzt Biastoch: "Wir würden das selber durchführen, wir haben ja genug medizinisches Personal und würden das zumindest für die Angehörigen anbieten."

Das eigene Personal würde Jörg Biastoch nicht zu Schnelltests verpflichten, da dies für ihn einen Eingriff in die Persönlichkeitsrechte darstelle. Ob Schnelltests, egal ob beim Arzt oder für Zuhause, bald wieder Großveranstaltungen wie Konzerte oder Fußball ermöglichen, da haben viele Experten Zweifel. Ärztepräsident Reinhardt meint, das sei wohl erst wieder möglich, wenn es einen Impfstoff gebe.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 10. September 2020 | 05:07 Uhr