Ambulante Gesundheitsversorgung Verband fordert Corona-Sonderbonus für medizinische Fachangestellte

Nicht nur die Beschäftigten in Pflegeberufen und auf Intensivstationen sind momentan vor besondere Herausforderungen gestellt. Besonders nah am Patienten arbeiten zahnmedizinische Fachangestellte. 18.000 sind es in Mitteldeutschland. Neben einem hohen Infektionsrisiko mit dem Coronavirus sind die Angestellten von Kurzarbeit und Entlassungen betroffen. Sonderzahlungen gibt es für sie derzeit aber nicht.

Ein Zahnarzt beseitigt Karies bei einem Jungen.
Zahnmedizinische Fachangestellte sind doppelt so häufig wegen einer Coronavirus-Infektion krankgeschrieben wie andere Berufsgruppen. Bildrechte: imago/Jochen Tack

Susanne Weisel ist zahnmedizinische Fachangestellte in Magdeburg. Bei einer professionellen Zahnreinigung ist sie teilweise nur 30 Zentimeter vom Patienten entfernt. Und das für bis zu eineinhalb Stunden. "In den Zahnarztpraxen ist es sicher, weil wir alles dafür tun, dass die Patienten sicher sind, aber was ist mit uns?", fragt Weisel. Es spreche keiner über das Aerosol, welches in der Luft sei und womit sich die Angestellten infizieren könnten. Am Anfang sei geklatscht worden für Krankenhäuser. Davor ziehe Weisel ihren Hut: „Aber es gibt halt auch noch andere Berufe, die an der Front sind.“

Corona-Infektionsrisiko für Fachangestellte höher

Tatsächlich waren zahnmedizinische Fachangestellte doppelt so häufig wegen einer Corona-Infektion krank geschrieben wie andere Berufsgruppen. Das ergab eine Erhebung der AOK für den Zeitraum März bis Mai. Auch Susanne Weisel hat das Infektionsrisiko immer im Hinterkopf. Es kämen sogar Patienten zur Behandlung, die eigentlich krankgeschrieben seien. Andere Patienten kämen wiederum gar nicht, aus Angst vor Ansteckung oder, weil sie durch Corona in finanzielle Notlagen gekommen sind und sich die Behandlungen nicht mehr leisten können.

Rund ein Viertel der Praxiseinnahmen fallen weg

Das heißt für die Praxis: Weniger Einnahmen. Vor allem für kleine Praxen und junge Ärzte und Ärztinnen, die sich neu niedergelassen haben, ist diese Situation existenzbedrohend. Auch Sebastian Jerusel, bei dem Susanne Weisel arbeitet, hat Sorge, ob er seine Praxis bis zum nächsten Frühjahr durchbringen kann: "Der Einbruch zum Vorjahr sind circa zwanzig bis fünfundzwanzig Prozent." Dieses Jahr sei es aber so, dass man einige Patienten habe, die entweder sehr viel Geld ausgäben und wiederum die anderen Patienten, die gar nichts mehr ausgäben, erklärt Jerusel. "Die, die die teuren Arbeiten nehmen, das sind eigentlich die, die uns das Überleben sichern." Andernfalls hätte man Jerusel zufolge Einbrüche bis zu fünfzig Prozent.

Kurzarbeit und Entlassungen treffen vor allem Frauen

Wegen der finanziellen Einbrüche mussten auch Jerusels Fachangestellte in Kurzarbeit. Andere Praxen haben ihre Beschäftigten sogar entlassen. Dabei trifft es vor allem Frauen. Sie machen über 99% der Berufsgruppe aus.  Der Verband der medizinischen Fachberufe fordert deshalb, dass medizinische Fachangestellte als systemrelevante Berufe eingestuft werden und damit Anspruch auf einen Corona-Sonderbonus bekommen.

Seit April wartet der Verband vom Bundesgesundheits- und Arbeitsministerium dazu auf eine Stellungnahme. Auch bezüglich fehlender Schutzkleidung. Bis jetzt sei keine Antwort gekommen, sagt Hannelore König, Präsidentin des Verbands: "Insbesondere zum Corona-Sonderbonus hätten wir einfach mal eine Antwort erwartet. Dass unsere Regierungsparteien darauf mal reagieren." König zufolge kann es nicht sein, dass über 600.000 Beschäftigte, die im ambulanten Gesundheitswesen tätig sind und in der Corona-Pandemie einen wichtigen Beitrag leisten, vergessen werden.  Am achten Dezember steige man für die medizinischen Fachangestellten in die Tarifrunde ein: "Wir brauchen dafür einfach das politische Signal, dass es in irgendeiner Form eine Gegenfinanzierung für den Corona-Sonderbonus gibt, um auch dort in den Tarifverhandlungen erfolgreich zu sein", betont König.

Denn das größere Problem sei eigentlich jetzt schon der Mangel an Fachkräften, sagt König. Deshalb brauche es gerade im Osten eine attraktivere Bezahlung. Und einen Corona-Bonus, der die Angestellten über die Krise bringt, damit die zahnmedizinische Versorgung auch nach der Pandemie gesichert ist, sagt König.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 18. November 2020 | 05:00 Uhr

3 Kommentare

Maria A. vor 8 Wochen

Wenn man ausgerechnet in Pandemie-Zeiten Probleme mit den Zähnen hatte, wie es mir seltsamerweise gerade in diesem Jahr erging; jetzt zum zweiten Male bereits wegen einer Zahn-OP, der kann der Forderung guten Gewissens zustimmen. Man mag sich nicht vorstellen, man hat akute Zahnschmerzen und es wären wegen des Lockdowns alle Zahnarztpraxen geschlossen... Ich wäre generell dafür, dass alle Praxenmitarbeiter, egal welcher Art, in Corona-Zeiten einen zusätzlichen Festbetrag erhalten sollten, also eine Art "Gefahrenzulage". Allen Sachsen einen angenehmen Restfeiertag.

ElBuffo vor 8 Wochen

Genau. Und die Rendite-Immobilien-Besitzer in den Urlaubsgebieten müssen auch noch alle ausgezahlt werden.

wer auch immer vor 8 Wochen

Ich glaube nicht das Geld dafür übrig bleibt wenn jetzt wieder mal die Autolobbyisten bedient werden.