Corona-Testverfahren Verband: Labore an der Belastungsgrenze

Lydia Jakobi, Autorin und Reporterin
Bildrechte: MDR/Karsten Möbius

Zeitweise stauten sich fast 100.000 SARS-CoV-2-Proben in den Laboren auf. Inzwischen sind es noch etwa 20.000. Dabei müssen sich die Labore eigentlich auch um zahlreiche andere Untersuchungen kümmern. Dem Berufsverband der Laborärzte zufolge können sich Patienten trotz zeitlicher Verzögerungen darauf verlassen, ihre Laborergebnisse zu erhalten.

Mensch untersucht Proben in einem Labor.
Multiplex-PCR-Verfahren könnten die Testsituation verbessern. Bildrechte: imago images/Westend61

Es gibt ein Gerät in den medizinischen Laboren Deutschlands, das derzeit regelrecht heiß läuft: Der sogenannte Thermozykler. Die Maschine führt vollautomatisiert eine Polymerase-Kettenreaktion durch, den PCR-Test. Das heißt, sie vervielfältigt Erbsubstanzen – aktuell vor allem die der Coronaviren. Dadurch können die Viren sicher nachgewiesen werden, auch wenn sie im Abstrich nur in geringen Mengen vorkommen.

Priorisierung von PCR-Tests

Doch dieses Gerät analysiere eben nicht nur die Corona-Proben, erläutert Andreas Bobrowski vom Berufsverband Deutscher Laborärzte: "Ich denke da zum Beispiel an solche Testungen wie Chlamydien oder auch humangenetische Testungen wie HLA-B27." Das ist ein spezielles Eiweiß, das Hinweise auf rheumatische Erkrankungen geben kann. Aber auch zum Nachweis der Influenza-Viren kommt der PCR-Test zum Einsatz. In solchen Fällen könne es aktuell zu Verzögerungen kommen, sagt Bobrowski. Corona-Tests würden anderen Untersuchungen gegenüber, die über das gleiche analytische PCR-Verfahren und die gleichen Geräte und Maschinen liefen, priorisiert. Andere Tests liefen beispielsweise nur zwei statt drei Mal die Woche, erklärt Bobrowski.

Problem: Materialmangel und Überarbeitung

Fragt man Nina Beikert, klingt die Lage etwas dramatischer. Sie ist die Geschäftsführerin des Unternehmens Labor Berlin und Vorstandsmitglied des Verbands Akkreditierte Labore in der Medizin. Dem Verband zufolge sind die Labore im bundesweiten Schnitt zu rund 100 Prozent ausgelastet. Die großen Probleme sieht Beikert im Materialmangel und der Überarbeitung des Personals. Deshalb müsse man nicht nur bei den Corona-Tests, sondern auch bei anderen Untersuchungen priorisieren, erklärt Beikert. Wenn bei einem Patient zum Beispiel Verdacht auf eine Hirnhautentzündung bestehe, müssten für diesen dringenden Befund andere Tests warten.

Allerdings scheinen die Verzögerungen im Rahmen zu bleiben. So erklärt der Deutsche Hausärzteverband auf Anfrage: "Die Pandemie erhöht Arbeitsaufkommen und - belastung für die Hausärztinnen und Hausärzte insgesamt um ein Vielfaches. Andere Labortest-Ergebnisse aber werden bislang – nach Wahrnehmung der Praxen – eher nicht verzögert mitgeteilt."

Verbesserung durch Multiplex-PCR-Tests?

Andreas Bobrowski vom Berufsverband der Laborärzte spricht von ein bis zwei Tagen zusätzlich. Generell könnten sich die Patienten darauf verlassen, dass sie ihre Laborergebnisse schnell bekämen. Trotzdem hat Bobrowski einen Verbesserungsvorschlag; nämlich sogenannte Multiplex-PCRs zuzulassen: "Das heißt, dass man gleichzeitig sämtliche als Differenzialdiagnose in Betracht kommende Keime im Nasen-Rachen-Raum mitbestimmen kann. Diese Möglichkeit gibt es zurzeit in der Gebührenordnung für Ärzte noch nicht. Aber wir würden das für sehr sinnvoll erachten, dass man neben Covid die Influenza in einem Lauf analysieren könnte und nicht gezwungen ist, zwei Ansätze zu fahren."

Der Verband der Akkreditierten Labore in der Medizin wünscht sich darüber hinaus eine stärkere Priorisierung bei den Corona-Tests, wie sie auch Gesundheitsminister Jens Spahn angemahnt hatte.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 01. Dezember 2020 | 06:50 Uhr

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