Coronavirus Mitteldeutsche Test-Labore nicht überlastet

Jessica Brautzsch
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Die kostenlosen Corona-Tests für Reiserückkehrer überlasten die Labore. Das erklärte am Dienstag das Bundesgesundheitsministerium. Es sei sogar absehbar, dass das System überlastet werden könnte. Wie sieht die Situation in den Laboren tatsächlich aus? Und wie steht es konkret um die mitteldeutschen Labore?

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Reagenzgläser mit der Beschriftung COVID-19 4 min
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Die aktuelle Situation der Labore beschreibt Dr. Michael Müller, Vorsitzender des Berufsverbands der Akkreditierten Labore in der Medizin (ALM), so: "Man würde mit einem schnellen Auto auch niemals von Hamburg nach München nonstop mit der Höchstgeschwindigkeit fahren. So viel kann man kaum tanken, man müsste Reifen wechseln. Konstanter Stress. Und ebenso wäre ein Unfallrisiko da."

Testkapazitäten so gut wie ausgereizt

Genau das passiert aber gerade in den deutschen Laboren. Die Testkapazitäten sind bundesweit zu 85 Prozent ausgereizt. Im Idealfall sollte die Auslastung der Testkapazitäten zwischen 65 und 80 Prozent liegen. So blieben noch ausreichend Reserven für größere Ausbrüche und Krisenfälle.

Doch seit einigen Wochen würde zu viel getestet, sagt Professor Doktor Jan Kramer vom Berufsverband ALM: "Das heißt also, ungezielte Testungen haben extrem zugenommen, die Testung der Reiserückkehrer beispielsweise. Das führt dazu, dass es zu einer deutlichen Auslastung oder Überlastung der Labore gekommen ist."

Wie viel Kapazität hat ein Labor?

Die Testkapazitäten der Labore setzen sich aus drei Faktoren zusammen: Verfügbarkeit von Materialien wie Reagenzien, funktionierende Geräte und Fachpersonal. Und bei allen drei Faktoren zeigen sich Probleme. Die Materialien werden weltweit benötigt. Deutschland wird nur rationiert beliefert. Und so auch die einzelnen Labore.

Auch neue Geräte für die Testvorgänge zu bekommen, ist derzeit schwierig. Und gehe eins kaputt, kämen die Hersteller nur langsam mit den Reparaturen hinterher, erklärt Andreas Bobrowski, Vorsitzender des Berufsverbands Deutscher Laborärzte. Und schließlich müsse die Technik von jemandem bedient werden: "Da geht es aber natürlich auch darum, dass wir in der kurzen Zeit der in unserem Labor Beschäftigten, personellen Reserven massiv aufgestockt haben. Aber auch da gibt es einfach Grenzen, das muss man einfach sehen. Denn wenn ich einen Kollegen einstelle, müssen die natürlich auch eingearbeitet werden. Und da gibt es einfach von Woche zu Woche keine beliebigen Steigerungen."

Corona-Test bei einer Frau 5 min
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Die Situation in Mitteldeutschland

Mit diesen Problemen hätten alle Labore in der Bundesrepublik zu kämpfen. In einigen Laboren sei die Situation aber besonders dramatisch, sagt Jan Krämer vom Verband ALM: "Jetzt haben wir norddeutsche Labore in Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein, aber auch in Baden-Württemberg. Wir haben also regional über 100 Prozent Auslastung und damit sind wir ungesteuert auf den Weg in eine Überlastung."

In Mitteldeutschland ist die Situation dagegen noch verhältnismäßig entspannt. Keines der drei Länder kommt über 65 Prozent Auslastung. Andreas Bobrowski erklärt sich das so: "Diese starken regionalen Unterschiede resultieren einmal dadurch, dass diejenigen Bundesländer, die eher grenznah liegen, natürlich von den Reiseheimkehrern viel häufiger heimgesucht werden. Während man eher auf den inneren Bereich Deutschlands kommt und dort die Schulferien auch noch andauern, dann diese Kapazitätsunterschiede da sind."

Dennoch sei dem Berufsverband ALM kein Labor bekannt, dass nicht unter Druck stehe, sagt Jan Krämer. Die beste Lösung sei aus Sicht der Labore, Testungen ohne Verdachtsmomente wieder zurückzufahren.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 26. August 2020 | 05:21 Uhr

1 Kommentar

nasowasaberauch vor 8 Wochen

Die Strategie der Testung bei Einreise ist Aktionismus u.a. von Herrn Spahn. Der nächste Anschlag hinsichtlich Laborkapazität und Reagenzien zwingt zum Umdenken. Dieser Hin und Her vermittelt den Eindruck der politischen Kurzsichtigkeit. Zwischenzeitlich ist soviel über das Virus bekannt, dass so ein Einreise-Test in falscher Sicherheit wiegt. Eine vorgeschaltete Quarantäne von 5 Tagen und dann ein Test ist als Freibrief im Ergebnis zutreffender und schont die Kapazitäten.