Veränderte Arbeit? Gesundheitsämter und das Coronavirus

Zur Zeit überschlagen sich wegen des Coronavirus die Ereignisse. Menschen müssen in Quarantäne, Schulen werden geschlossen und öffentliche Veranstaltungen werden abgesagt oder verschoben. Besonders viel Arbeit haben dabei die kommunalen Gesundheitsämter. Wie sieht es derzeit in den Ämtern aus, wie hat sich ihre Arbeit verändert?

Am Gesundheitsamt hängt ein Schild mit der Aufschrift "Gesundheitsamt".
Durch das sich weiter ausbreitende Coronavirus stehen Gesundheitsämter immer stärker im Fokus. Dabei hat sich auch deren Alltag verändert. Bildrechte: dpa

Die zentrale Aufgabe der Gesundheitsämter ist es, die Bevölkerung zu schützen und eine weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern. Wer die von Stadt zu Stadt stark unterschiedlichen Maßnahmen beobachtet, könnte meinen: Es geht drunter und drüber.

Matthias Hasberg ist Pressesprecher der Stadt Leipzig. Er beschreibt die Situation so: "Eine geordnete Anspannung würde ich es mal nennen. Klar, das übliche Tagesgeschäft tritt ein wenig in den Hintergrund jetzt."

Dass jede Stadt und Kommune andere Maßnahmen ergreift, liege daran, dass Gesundheitsschutz Aufgabe der lokalen Gesundheitsämter ist. Hasberg erklärt weiter:

"Das Infektionsschutzgesetz weist denen zu: Epidemien, Seuchen, Ausbrüche vor Ort in eigener Verantwortung zu bekämpfen. [...] Bund und Land sprechen Empfehlungen aus und wir schauen – jedes Gesundheitsamt für sich –, wie wir mit diesen Empfehlungen umgehen."

Lage in Leipzig "gut beherrschbar"

Hasberg kann verstehen, dass durch die unterschiedlichen Herangehensweisen der Gesundheitsämter bei den Bürgern der Eindruck entsteht, es gäbe keine gemeinsame Strategie:

"Dass das verwirrend ist, kann ich nachvollziehen. Auf der anderen Seite: Es ist bei den Gesundheitsämtern vor Ort schon gut aufgehoben, weil es überall andere Bedingungen gibt. Gedacht ist das ganze System für den Ausbruch von Krankheiten, die ich schnell erkenne, die ich schnell bekämpfen kann."

Das Coronavirus verhält sich anders und bringt damit das System an seine Grenzen. Zumindest wenn es hohe Infektionszahlen gibt. Davon sei man in Leipzig weit entfernt. Auch wegen des schnellen Handelns der Infizierten. Matthias Hasberg sagt dazu: "Wir haben Kontaktpersonen identifizieren können. Wir haben Quarantäne verhängen können. Im Moment ist die Lage gut beherrschbar."

Halle schließt Kitas und Schulen

Etwas anders schätzt die Nachbarstadt aus Halle die Situation ein. Diese hat am Donnerstag beschlossen, sämtliche öffentlichen Veranstaltungen für zwei Wochen abzusagen. Für den gleichen Zeitraum sollen auch Schulen, Kitas, Horte und Hochschulen schließen. Der Hallenser Oberbürgermeister Bernd Wiegand sagt dazu:

"Wir haben uns sehr große Mühe gegeben, die Infektionswege und die Kontaktpersonen ausfindig zu machen und mussten feststellen, dass es so weit verzweigt ist, dass Schulen, Kitas, die Universität betroffen ist."

Wiegand hofft, nach den zwei Wochen Schließzeit einschätzen zu können, ob es eine Chance gibt, "das Infektionsvirus so dann auch einzudämmen" und wieder "Herr der Situation" zu werden.

Aus Sicht der Stadt Leipzig reicht es im Moment aus, pauschal nur alle Veranstaltungen ab 1.000 Teilnehmern abzusagen. Bei kleineren Events will sie im Einzelfall entscheiden. Dazu werden alle Veranstaltungen ab 200 Teilnehmern erfasst und nach Kriterien des Robert-Koch-Instituts ermittelt, ob sie stattfinden dürfen, erläutert Hasberg. Dabei spiele es keine Rolle, ob es sich um öffentliche, kommerzielle oder private Veranstaltungen handle.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 13. März 2020 | 05:00 Uhr

4 Kommentare

Harri vor 32 Wochen

Überall in der EU sind bereits die Schulen und Kindergärten geschlossen, sollen wir wieder wie 2015 auf nichts reagieren, geht es immer nur ums Geld, klar paar tausend Rentner weniger, was macht das schon, aber es trifft auch jüngere Leute. Man muss sehr schnell handeln und dadurch Zeit gewinnen, außerdem ist das Pflegepersonal bei solch einer Menge von Patienten nicht gleich überfordert. Denkt einmal an die Menschen und danach wieder an Geld und Macht, liebe Volksvertreter!!!

Karol vor 32 Wochen

Ich habe einen Schiffsreise - Ostsee mit St. Petersburg & Gotland (Kiel/Kiel) - 10 Nächte - für ende Mai gebucht.
Auch wenn hier mehr als 1000 Reisende zusammen sind, hat bis heute TUICruises diese Reise nicht abgesagt.
Es kann doch nicht sein, das Stadionbesuche abgesagt werden, und Schiffsreisen nicht!
Mann könnte doch wenigstens die Schwerbehinderten die Möglichkeit geben eine kostenlose Stornierung in Anspruch zu nehmen.

Anni22 vor 32 Wochen

Es wäre sinnvoll einheitliche Maßnahmen zu ergreifen, am besten EU-weit. Was nützt es Italien still zu legen, wenn Deutschland weiter macht? Das gilt natürlich erst recht innerhalb Deutschlands. Spätestens zu Ostern werden dann die Viren durch die Reisewellen zu den Verwandten wieder verteilen. Also wenn man was macht dann jetzt und für alle.