Coronavirus Vom Sinn und Unsinn der Selbstmedikation

Donald Trump fällt immer wieder mit skurrilen Äußerungen auf. Vor einigen Wochen sorgte er für Ärger und Verwirrung, als er vermutete, dass man sich Desinfektionsmittel spritzen könnte, um das Coronavirus abzutöten. Nun sagte Trump, dass er ein Malaria-Medikament einnehme zur Vorbeugung gegen Covid-19. Fällt das eigentlich noch unter den Begriff Selbstmedikation? Und gibt es jetzt zu Corona-Zeiten spezielle Medikamente, die besonders beliebt sind?

Donald Trump spricht während einer Pressekonferenz im Weißen Haus
Beim Thema Selbstmedikation sorgte Präsident Trump bereits für Ärger und Verwirrung. Bildrechte: dpa

"Selbstmedikation" – der Begriff klingt für Laien medizinisch und kompliziert. Er bedeutet allerdings lediglich, dass man rezeptfreie Arzneimittel einnimmt, um etwas für die Gesundheit zu tun. Das können Tabletten gegen Kopfschmerzen aus der Apotheke sein, Pflaster oder Vitamintabletten aus dem Drogeriemarkt.

Erkältungs-, Schmerz- und Beruhigungsmittel sind beliebt

Der Umsatz mit solchen rezeptfreien Mitteln ist kontinuierlich gestiegen. 2018 wurden nach Angaben des Bundesverbands der Arzneimittelhersteller gut sieben Milliarden Euro umgesetzt – ein Zuwachs von fast fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Besonders beliebt sind Erkältungs- und Schmerzmittel, die man ohne Rezept in der Apotheke bekommt. Auch der Verkauf von Beruhigungs- und Schlafmittel ist innerhalb eines Jahres um fast vier Prozent gestiegen.

Hubertus Cranz, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands für Arzneimittelhersteller sagt dazu: "Was die Beachtung des Themas betrifft, hat sich sehr viel entwickelt in dem Sinne, dass viele Leute drüber reden und Selbstmedikation heute sehr viel im allgemeinen Bewusstsein ist. Also wenn man was für Gesundheit tun möchte, dann schaut man heute viel mehr auf die eigenen Möglichkeiten, als es vielleicht vor 20 Jahren der Fall war, wo man vielleicht Gesundheit ein bisschen mehr, an den eigenen Arzt 'delegiert' hat."

Starke Nachfrage nach Medikamenten

Vor allem während der Corona-Pandemie rückten diese Mittel ins Bewusstsein. Stefan Fink ist Vorsitzender des Thüringer Apothekerverbands und leitet selbst eine Apotheke in Weimar. "Gerade in der Selbstmedikation, im Bereich Schmerzmittel, Paracetamol und Ibuprofen, wurde in sehr, sehr großen Stückzahlen plötzlich überdurchschnittlich verkauft. Es wurden auch Stärkungsmittel verkauft, sagen wir mal so Vitamin C und Zink. Alles was zur Abwehrstärkung dient, wurde in den Apotheken stark nachgefragt."

Und natürlich sei auch die Nachfrage nach Desinfektionsmittel riesig gewesen, sagt Stefan Fink. Obwohl man bei Arzneimitteln vor allem an Tabletten, Sprays oder Crémes denke, seien Desinfektionsmittel oder der Mund- und Naseschutz ein klassischer Fall von Selbstmedikation.

Auch die Drogeriemarkt-Kette Rossmann teilte auf Anfrage von MDR AKTUELL mit, es habe verstärkt Nachfrage nach Vitaminen und Mineralstoffen zur Abwehrstärkung gegeben, außerdem nach Klosterfrau Melissengeist und Franzbranntwein. Inzwischen habe sich die Nachfrage allerdings wieder normalisiert.

Trump auch bei Selbstmedikation Ausnahmeerscheinung

Stefan Fink vom Thüringer Apothekerverband versichert, es gebe inzwischen überall wieder ausreichend Mund-Nase-Schutz. Verwundert war er hingegen über die Aussage des US-Präsidenten Donald Trump. Der hatte behauptet, er nehme ein bestimmtes Malaria-Medikament zur Corona-Prophylaxe ein.

Selbstmedikation im klassischen Sinn sei das allerdings nicht, sagt der Apotheker. Es handele sich hierbei nämlich um ein verschreibungspflichtiges Medikament, das viele Nebenwirkungen habe und sich nicht gerade auszeichne, es in der Corona-Therapie einzunehmen. Studien dazu stünden noch aus. "Ich halte das für sehr, ich sage mal, fragwürdig. Wenn der US-Präsident das macht, wünsche ich ihm viel Glück dabei", sagt Stefan Fink. Dass es eine sinnvolle Therapie sei, glaubt er allerdings nicht.

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