Covid-19-Pandemie Bühnen arbeiten an Inszenierungen mit Corona-Auflagen

Die Dresdner Semperoper bereitet sich trotz Coronakrise auf einen Saisonstart im September vor. Intendant Theiler sagte MDR AKTUELL, man werde den Probebetrieb nach und nach wieder aufnehmen, unter Einhaltung des Sicherheitsabstands. Die Bühnen Halle sehen es als große Herausforderung, die Hygienebestimmungen im Zuschauerraum zu gewährleisten.

Die Semperoper in Dresden auf dem Theaterplatz.
Die Dresdner Semperoper plant die nächste Spielzeit ab September, allerdings mit einigen Auflagen. Bildrechte: dpa

Rund 70.000 Stornierungen verzeichnet die Dresdner Semperoper, seit sie am 13. März wegen der Corona-Beschränkungen schließen musste. Die Rückzahlungen gehen in die Millionenhöhe.

Nun wird der Probebetrieb nach und nach wieder aufgenommen – unter Einhaltung des vorgeschriebenen Mindestabstands. Aktuell beträgt der etwa bei Gesang sechs Meter, bei Blasinstrumenten zwölf Meter in Blasrichtung.

Weniger Personal und vereinfachte Inszenierungen

Die Zahlen könnten sich bis zur neuen Spielzeit natürlich noch ändern, meint Semperoper-Intendant Peter Theiler, Auswirkungen auf das Programm würden sie trotzdem haben.

Theiler erklärt: "Im Moment arbeiten wir daran, dass wir die Inszenierungen mit weniger Personal bestücken, dass wir sie in vereinfachter Form spielen, Liederabende geben, dass wir kammermusikalische Abende geben, Solo-Abende. Und wir sind dabei, Alternativen zu entwickeln."

Normalerweise erarbeiten Konzert- und Theaterhäuser in diesen Wochen einen festen Spielplan für die kommende Saison. Aber in Zeiten von Corona ist eben alles ungewiss.

Bühnen Halle planen mobile Formate

Die Bühnen Halle, zu denen die Oper, die Staatskapelle, mehrere Theater und ein Puppentheater gehören, würden deshalb gleich an drei Plänen parallel arbeiten, sagt Geschäftsführer Stefan Rossinski: "Wir haben das Problem, dass wir auch noch mal im Kopf damit umgehen müssen, dass eventuell eine zweite Welle kommt, wo es dann wieder einen Shutdown gibt."

Laut Rossinski will man dann sagen können: "Gibt es mobile Formate, die wir sehr schnell hochholen können und einsetzen können und die auch adaptierbar sind in der Größe, also eine kleine Besetzung, mittlere Besetzung, größere Besetzung."

Aber auch bei drei Plänen stelle man sich Fragen, sagt Rossinski, zum Beispiel: Bietet man ein Symphoniekonzert an? Das Orchester sei groß und sitze eng zusammen, zum Zuschauen würden im Schnitt 1.200 Menschen kommen.

Rossinski erklärt: "Das ist im Übrigen auch die größte Gruppe an Abonnenten bei uns. Das sind sehr treue Kunden, die zum Teil Haltezeiten von über 20 Jahren haben, in denen sie treu wiederkehren von Abo zu Abo und diese Menschen sind natürlich die Hochrisikogruppe. Die sind im Durchschnitt alle pensioniert oder in Rente, die sitzen sehr eng und da ist es ganz schwer, ein Hygienekonzept zu erstellen, was Rücksicht nimmt auf die geltenden Bestimmungen."

Existenzielle Nöte bei kleinen Häusern und Privattheatern

Und eine weitere Frage stelle sich: Wenn man, wie nach derzeitigen Maßgaben, von 660 Plätzen nur 95 besetzen darf, und dazu noch mehr Personal braucht, das etwa den Einlass regelt – ab wann ist das unwirtschaftlich?

Sowohl die Bühnen Halle als auch die Semperoper rechnen mit großen Einbußen, fühlen sich durch ihre staatliche Förderung in ihrer Existenz aber abgesichert.

Das gehe allerdings nicht allen Häusern so, weiß Marc Grandmontagne, Geschäftsführer des Deutschen Bühnenvereins, und nennt ein Beispiel:

"Also Gera-Altenburg ist ja ein großes Theater, das von zwei Kommunen getragen wird, die sowieso schon aufgrund der demografischen Situation in sehr schwierigen Gewässern unterwegs sind, die Privattheater gehören auch zu denen, die schnell in existenzielle Nöte geraten, weil sie viel stärker von den Einnahmen noch abhängig sind und auch die Kinder- und Jugendtheater und die kleineren Häuser kommen sehr schnell an Grenzen, also insofern ist es jetzt auch wichtig, dass die Politik jetzt reagiert."

Heißt: Bund und Länder sollen die Kommunen, die noch immer die größten Förderer von Theatern und Orchestern seien, finanziell unterstützen. Außerdem müsste es weitere Hilfen für freischaffende Künstler, Tänzer und Schauspieler geben, die die Kulturstätten erst mit Leben füllen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 07. Mai 2020 | 05:00 Uhr

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