Corona-Pandemie Kein Ende in Sicht: Die Welt zwischen Lockdown und Lockerungen

Weltweit ist ein Abklingen der Corona-Pandemie nicht in Sicht. In Europa versucht man den Spagat zwischen Lockerung und Vorbeugung, in Afrika steigen die Fallzahlen. Trump und Bolsonaro bleiben jeweils bei ihrem Kurs.

Passanten tragen Mundschutz, um eine Verbreitung des Coronavirus zu verhindern während sie an einem Wandgemälde eines wiedereröffnetes Geschäfts vorbei gehen.
Ironie oder Warnung - Corona-Graffito in den USA Bildrechte: dpa

Das Coronavirus breitet sich weltweit weiter aus. Nach Asien, Europa und Amerika ist nun auch Afrika stärker betroffen. Auf dem Kontinent sind inzwischen mehr als eine halbe Million Infektionen bestätigt. Das teilte das afrikanische Zentrum für Seuchenkontrolle und Prävention mit. Brennpunkt ist vor allem Südafrika mit inzwischen täglich 10.000 neuen Fällen. Wie viele Corona-Fälle es tatsächlich in Afrika gibt, ist unklar. Getestet wird vor allem in den Hauptstädten der Länder.

Drei Millionen nachgewiesene Infektionen in den USA

Donald Trump, Präsident der USA, spricht am Denkmal Mount Rushmore.
Donald Trump Bildrechte: dpa

In den USA hat die Zahl der bestätigten Coronavirus-Infektionen die Marke von drei Millionen überschritten. Das teilte Vizepräsident Mike Pence mit. Am Dienstag verzeichnete die Johns-Hopkins-Universität erstmals mehr als 60.000 Neuinfektionen binnen 24 Stunden. Experten machen für das erneute Anschwellen der Zahlen unter anderem eine verfrühte Lockerung der Corona-Beschränkungen verantwortlich.

US-Präsident Donald Trump drängt seit geraumer Zeit auf eine rasche Rückkehr zur Normalität, um die Wirtschaft im Wahljahr 2020 wieder in Gang zu bringen. Zudem drohte er Schulen mit dem Entzug von Finanzmitteln, falls sie im Herbst nicht wieder öffnen. Das geht aus einem Twitter-Beitrag des Präsidenten hervor. Welche Gelder er genau streichen will, ist allerdings unklar. Nach der US-Verfassung sind die Bundesstaaten für die Schulbildung zuständig.

Bolsonaro blockiert Hilfspaket und schwört auf Hydroychloroquin

Jair Bolsonaro
Jair Bolsonaro Bildrechte: dpa

Auch in Brasilien denkt der dortige Präsident nicht an einen Kurswechsel. Jair Bolsonaro legte als erste Amtshandlung nach seinem positiven Corona-Test sein Veto gegen ein Hilfspaket für Indigene und Afrobrasilianer ein. Ein Gesetz sollte Behörden verpflichten, Ureinwohnern und Schwarzen in der Corona-Pandemie Zugang zu Trinkwasser, Desinfektionsmitteln und ärztlicher Versorgung zu garantieren. Indigenen-Verbände hatten erklärt, dass die Sterblichkeit bei infizierten Ureinwohnern fast doppelt so hoch sei wie im Rest der Bevölkerung.    

Zu seiner eigenen Erkrankung sagte Bolsonaro, ihm gehe es gut, er nehme Hydroxychloroquin. Das Malariamittel ist umstritten, die WHO stoppte nach mehreren Studien eine weitere Erforschung.

Katalonien zieht Maskenpflicht vor

Katalonien zieht wegen lokaler Corona-Ausbrüche eine bereits angeordnete strikte Maskenpflicht vor. Ab Donnerstag müssen in der nordostspanischen Region alle Personen ab sechs Jahren in der Öffentlichkeit selbst dann einen Mund- und Nasenschutz tragen, wenn der Sicherheitsabstand gewahrt werden kann. Das teilte Regionalpräsident Quim Torra in Barcelona mit. Bei Verstößen droht ein Bußgeld von 100 Euro. Während landesweit in Spanien die Infektionszahlen seit Mai niedrig sind, mussten allein in der Gegend um die Stadt Lleida mehr als 200.000 Menschen unter Quarantäne gestellt werden.

Österreich will zweites Ischgl verhindern

Das auch bei deutschen Urlaubern beliebte österreichische Bundesland Kärnten verhängt eine abendliche Maskenpflicht in Tourismus-Hotspots. Wie die Landesregierung mitteilte, muss an stark besuchten Orten wie Velden oder dem Wörthersee im öffentlichen Raum von 21 Uhr bis 2 Uhr ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden. Die Verordnung soll am Freitag in Kraft treten. Tourismusminister Sebastian Schuschnig sagte: "Velden soll nicht zum Sommer-Ischgl werden." Kärnten hat zwar aktuell nur 14 Corona-Fälle, verzeichnet aber seit Mai wieder einen zunehmenden Touristenandrang. Appelle hätten nicht ausgereicht, um Ansammlungen ohne Abstands- und Hygienemaßnahmen zu verhindern, sagte Schuschnig.

Wien verhängt weitere Reisewarnungen

Österreich hat wegen steigender Zahlen an Corona-Infektionen eine Reisewarnung für weitere Balkan-Länder verhängt. Bundeskanzler Sebastian Kurz sprach von einem "dringende[n] Appell", nicht nach Rumänien, Bulgarien oder in die Republik Moldau zu reisen. Für Rückkehrer aus diesen Ländern werde eine zweiwöchige Quarantäne angeordnet, falls kein negativer Corona-Test vorliege. Zudem würden die Grenzkontrollen zu Ungarn und Slowenien intensiviert. Für Serbien und Montenegro gibt es bereits eine Reisewarnung.

In Rumänien wurden am Mittwoch mit 555 Corona-Infektionen der bislang höchste Wert an einem Tag vermeldet. In Bulgarien erhöhte sich die Zahl der wöchentlichen Neuinfektionen von rund 550 Mitte Juni auf 1.100 Fälle in der vergangenen Woche. Nach Angaben von Kurz waren in Österreich in den vergangenen Wochen 170 Corona-Fälle auf Rückkehrer aus dem Ausland zurückzuführen.

Serbien nimmt angekündigte Ausgangssperre zurück

Nach massiven Protesten hat Serbiens Präsident Aleksandar Vučić eine von ihm angekündigte Ausgangssperre zurückgenommen. Vučić sagte,  es werde sicherlich neue Maßnahmen für Belgrad geben, aber keine Polizeistunde. Am Vortag hatte Vučić noch erklärt, wegen der zuletzt stark gestiegenen Zahl an Neuinfektionen werde von Freitag bis Montag eine Ausgangssperre für Belgrad verhängt. Daraufhin hatten sich Tausende Menschen vor dem Parlament in Belgrad versammelt. Es kam zu Ausschreitungen.

Finnland öffnet Grenzen für Deutsche

Finnland öffnet seine Grenzen für Deutsche und andere Europäer. Ab dem 13. Juli ist die Einreise wieder erlaubt. Für Menschen aus Schweden sowie Portugal, Spanien und Frankreich blieben die finnischen Grenzen dagegen weiter geschlossen, teilte Innenministerin Maria Ohisalo in Helsinki mit

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 08. Juli 2020 | 19:30 Uhr

2 Kommentare

muthase vor 3 Wochen

"Amerika first"

Critica vor 4 Wochen

Globalisierung ist wohl doch nicht so gut, wie sie schöngeredet wird.