Coronakrise So planen die Hochschulen in Mitteldeutschland das Wintersemester

Das Sommersemester ist an den Hochschulen noch nicht beendet. Doch während viele Studierende noch Hausarbeiten schreiben und Prüfungen ablegen, denken die Hochschulen schon weiter. Ein nächstes Semester unter Corona-Bedingungen steht an.

Ein Hörsaal der Universität Stuttgart. Der Start des Sommersemesters wurde aufgrund der Verbreitung des Coronavirus verschoben.
Im aktuell laufenden Sommersemester blieben die Hörsäle in Mitteldeutschland leer. Bildrechte: dpa

Wie viel Präsenz ist im kommenden Wintersemester möglich? Diese Frage ist zum jetzigen Zeitpunkt nur schwer zu beantworten. Im Gespräch mit Hochschulen in Mitteldeutschland wird aber mehr als deutlich, dass die Hochschulen ihre Studierenden zurückholen wollen in die Hörsäle und Seminarräume.

So betont zum Beispiel Jörg Wagner, der Präsident der Hochschule Nordhausen: "Wir sind eine Präsenzhochschule und wollen das auch möglichst bald wieder sein, weil wir der Auffassung sind, dass Wissenschaft vom Diskurs lebt – die persönliche Begegnung braucht."

Wintersemester startet später

Ein besonderes Augenmerk legen die Hochschulen dabei auf die Erstsemester. So auch an der TU Dresden, erklärt Nicole Strauss, die das Service Center Studium an der Dresdner Hochschule leitet: "Für die ist das wichtig, dass die sich auch in Lerngruppen zusammenfinden, dass sie persönliche Kontakte knüpfen untereinander aber auch mit den Lehrenden – und in dieses neue 'Format Studium' finden." Das sei den Erstsemestern ja noch unbekannt.

In Dresden wird genau wie an vielen anderen Hochschulen das Semester etwas später starten. Der Grund dafür sind die längeren Bewerbungsfristen für viele Studiengänge. Auch die Universität Halle-Wittenberg beginnt später als üblich mit den Vorlesungen. Erst Anfang November geht es wieder los.

Digitale Alternative

Man müsse natürlich auch sehen, wie sich das Infektionsgeschehen entwickelt, erklärt der hallesche Rektor Christian Tietje. Danach werde man Szenarien entwickeln. "Die Hoffnung ist – und darauf bereiten wir uns vor: So viel Präsenz wie zu verantworten ist." Wenn es unter Infektions- und Hygienegesichtspunkten dann nicht mehr zu verantworten sei, werde digital weitergemacht.

Die Universitäten müssten dabei nicht nur auf das Infektionsgeschehen in Deutschland schauen, macht Jens Strackeljan, Rektor der Universität Magdeburg, deutlich. Er hat auch die vielen internationalen Studierenden im Blick: "Wir haben 3.500 Internationale, die machen im ersten Semester bei uns 35 Prozent aus."

Kein normales Wintersemester

Für diesen Teil der Studierendenschaft könne die Universität heute noch keinen Vorlesungsstart festlegen, sagt Strackeljan. Denn auf sie komme unter Umständen eine Quarantäne zu. "Da brauchen wir die Zeit." Mit ihnen könne man nicht am 10. Oktober starten."

Das kommende Wintersemester wird erneut anders werden. Anders als normal. Deswegen eint wahrscheinlich alle Lehrenden und Studierenden das, was Walter Rosenthal, der Präsident der Universität Jena, ausspricht:

Ich würde mich freuen wenn irgendwann mal wieder der volle Betrieb möglich wäre und wir uns begegnen, miteinander sprechen können und es einen guten Austausch auf persönlicher Basis gibt.

Walter Rosenthal Präsident Universität Jena

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 13. Juli 2020 | 05:00 Uhr

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