China Coronavirus-Entdecker an der Infektion gestorben

Der Arzt Li Wenliang hatte im Dezember als einer der ersten vor der Gefahr einer neuen Viruskrankheit gewarnt. Jetzt ist der 34-Jährige tot. Er hatte sich selbst infiziert. Die chinesische Staatsführung will den Fall untersuchen.

Selfie von Dr. Li Wenliang
Der chinesische Arzt Li Wenliang aus Wuhan hatte als einer der ersten vor dem neuartigen Coronavirus gewarnt. Bildrechte: dpa

In China ist ein Arzt am neuartigen Coronavirus gestorben, der als einer der ersten Mediziner vor dem Virus gewarnt hatte. Wie das Zentralkrankenhaus von Wuhan mitteilte, hat sich der 34 Jahre alte Li Wenliang bei einer Patientin angesteckt. Man habe versucht, sein Leben zu retten. Das sei aber vergeblich gewesen.

Polizei verwarnte Mediziner

Li Wenliang war als Augenarzt an dem Krankenhaus in Wuhan beschäftigt. Ende vergangenen Jahres hatte er bei Patienten Symptome festgestellt, die denen des Sars-Erregers ähnelten, der Anfang der 2000er-Jahre zu Hunderten Todesfällen weltweit geführt hatte.

Am 30. Dezember tauschte sich Li Wenliang mit anderen Ärzten und Studenten in einer Internet-Chatgruppe über die wachsende Zahl der mysteriösen Viruserkrankungen in Wuhan aus. Acht Teilnehmer der Chatgruppe wurden später von der Polizei vorgeladen und wegen der "Verbreitung von Gerüchten" verwarnt. Sie mussten zudem unterschreiben, dass sie nichts mehr über den neuen Erreger enthüllen.

Staatsführung will Untersuchung

Die Disziplinarkommission der Kommunistischen Partei Chinas kündigte nach dem Tod Li Wenliangs eine Untersuchung an. Sie schickte ein Ermittlerteam nach Wuhan. Das soll "Fragen des Volkes" zum Tode des Mediziners beantworten.

Bereits im Januar hatte das Oberste Gericht Chinas das Vorgehen der Polizei in Wuhan kritisiert. Diese habe die Mediziner als "Gerüchteverbreiter" bestraft, statt auf die Information zu reagieren. Die Ausbreitung des Erregers hätte eingedämmt werden können, wenn die Öffentlichkeit davon gewusst hätte.

Zuletzt hatte auch die chinesische Führung Fehler im Umgang mit dem neuen Coronavirus eingeräumt. Die Zahl der Todesfälle durch das neuartige Virus stieg in Festlandchina bis Freitag auf mehr als 630. Sie ist damit auf Festlandchina höher als während der Sars-Epidemie.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 07. Februar 2020 | 09:45 Uhr