Coronavirus Desinfektionsmittel und Masken auch für Ärzte schwer zu bekommen

Die Nachfrage nach Atemschutzmasken hat sich seit dem Ausbruch des Coronavirus massiv erhöht. Viele Hersteller können nicht mehr liefern – auch weil die Masken ausgerechnet in China produziert werden. Ähnlich ist die Lage bei Desinfektionsmitteln, doch Hoffnung ist in Sicht.

Ein Apotheker hält eine FFP2 Atemschutzmaske.
Mund-Nase-Masken werden in Deutschland knapp. Bildrechte: dpa

Die Angst vor dem neuartigen Coronavirus sorgt weiter für eine erhöhte Nachfrage nach Atemschutzmasken und Desinfektionsmitteln. Das Unternehmen MeDent aus Chemnitz, das rund 4.500 Arztpraxen in Mitteldeutschland und Hamburg mit Desinfektionsmitteln und Mund-Nase-Masken beliefert, ist bereits an seiner Kapazitätsgrenze.

Geschäftsführer Martin Dobermann sagte MDR AKTUELL, seine Firma habe derzeit keine Möglichkeit, Kunden mit Desinfektionsmitteln und Mundschutz zu beliefern. "Wir sagen den Kunden dann, dass wir in sechs bis acht Wochen wieder liefern können und hoffen, dass wir die Rückstände, die bis dahin aufgelaufen sind, abgearbeitet haben."

Das liege allerdings nicht nur an der vermehrten Nachfrage, sondern auch daran, dass die Produkte zum Teil in China fabriziert würden und durch vor Ort geltende Quarantäne-Vorschriften keine Ware mehr in den Export nach Deutschland gehe.

Nachfrage hat sich verzehnfacht

Auch die Firma Gehe Pharma Handel mit Niederlassungen in Dresden, Magdeburg und Halle kann die Nachfrage nach Masken und Desinfektion nicht mehr bedienen. Die Bestellungen von Atemschutzmasken aller Klassen und Desinfektionsmitteln habe sich seit der medialen Präsenz des Coronavirus verzehnfacht, sagte Unternehmenssprecherin Pia Prestin.

Das Unternehmen habe zwar bereits seine Bestände aufgestockt, dennoch "übersteigt die Nachfrage aktuell bei Weitem das Angebot". Man sei nur noch "sehr sporadisch" lieferfähig. Die Firma beliefert bundesweit Apotheken. Um die Nachfrage trotzdem bedienen zu können, steht das Unternehmen eigenen Angaben zufolge in engem Kontakt mit anderen Herstellern von Atemschutzmasken und Desinfektionsmitteln.

Matratzenfirma stellt Masken her

Einer davon ist seit Kurzem der Matratzenhersteller Breckle aus Weida. Das Unternehmen hat einen Teil seiner Produktion auf Atemschutzmasken umgestellt. Wie Geschäftsführer Gerd Breckle sagte, erhielt die Ostthüringer Firma einen Großauftrag über 400.000 Masken.

Für den Auftrag habe das Unternehmen eine neue Ultraschall-Maschine angeschafft. Damit würden die Schutzmasken nicht mehr genäht, sondern geschweißt. Die Masken sind jedoch nicht für den freien Handel vorgesehen. Sie werden in öffentlichen Einrichtungen und Krankenhäusern zum Einsatz kommen.

Auch dort ist der Bedarf groß, auch wenn die meisten Kliniken vorgesorgt haben. Das Klinikum Chemnitz, mit fast 1.800 Betten das größte kommunale Krankenhaus in Ostdeutschland, teilte mit, dass ausreichend Mundschutzmasken und Desinfektionsmittel vorhanden seien.

Situation in Arztpraxen sehr unterschiedlich

Erik Bodendieck von der sächsischen Landesärztekammer sagte, die Versorgungslage in den Arztpraxen sei nicht überall gleich. Er nennt dasselbe Problem wie die Firma MeDent, nämlich, dass die Masken zu großen Teilen in China produziert würden. "Ich rate den Kolleginnen und Kollegen, auf alle Fälle Ruhe zu bewahren. Wir wissen, dass die üblichen Masken, wie wir sie von Zahnärzten kennen oder wie sie bei Operationen benutzt werden, ohnehin nur dazu da sind, Uninfizierte vor dem Infizierten zu schützen, indem der Infizierte eine Maske trägt."

Das bestätigte auch das Robert Koch Institut. Das Tragen von Atemschutzmasken sei vor allem Arbeitsschutz für medizinisches Personal. Im öffentlichen Raum sei das Tragen nur dann sinnvoll, wenn man bereits infiziert ist und andere vor einer Ansteckung schützen will.

Was den Nachschub an Desinfektionsmitteln betrifft, so wird laut sächsischer Landesärztekammer aufgrund der Corona-Epidemie vorübergehend eine europäische Richtlinie außer Kraft gesetzt, wodurch die Mittel jetzt auch von Apothekern hergestellt werden können. Deshalb geht Erik Bodendieck davon aus, dass zumindest dieser Engpass bald aufgelöst wird.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 03. März 2020 | 08:48 Uhr

5 Kommentare

nasowasaberauch vor 38 Wochen

Ich bin kein Experte für Virologie oder Immunologie, aber als ich die Chinesen innerhalb von ca. einer Woche ein Krankenhaus aus dem Boden gestampft haben, da wurde mir die mögliche Tragweite bewußt. Atemschutz gab es da noch ohne Mondpreise dafür zu zahlen. Die deutschen Entscheidungsträger haben mich nicht positiv überrascht. Eine Verbreitungsquelle war der Karneval in NRW, da hat der Mut zur Absage gefehlt. Vor dem Schaden klug sein war noch nie einfach.

Querdenker vor 38 Wochen

Zitat: „Im öffentlichen Raum sei das Tragen nur dann sinnvoll, wenn man bereits infiziert ist und andere vor einer Ansteckung schützen will.“

Es wäre auch unerfreulich, wenn jetzt plötzlich jeder so ein paar schützende Masken haben will. Zumal man die alle paar Stunden wechseln muss.

Es gibt wegen Mundschutz eine Studie bezüglich Wirksamkeit (siehe "aerzteblatt Grippe Chirurgische Maske schuetzt genauso gut wie teure N95 Atemschutzmaske") Der Link zur Studie ist in dem Artikel.

Auch gibt es Unterschiede bei Chirurgischen Masken was die "Schutzklasse" betrifft (siehe "krankenhaushygiene Mund Nasen Schutz").

Die Chirurgische Maske nach der Norm "EN 14683" vom "Typ II R" würde Schutz bieten, wenn sie - eng - angelegt ist.

Querdenker vor 38 Wochen

Meiner Meinung nach ist das Staatsversagen. Zumal der Coronavirus ist ja nun eine Seuche mit „Ansage“ ist.

1. Pandemiepläne sollten immer die - kurzfristige schnelle - Produktion von Schutzkleidung und Desinfektionsmittel im Inland einschließen. Das ist keine komplizierte Raumfahrttechnologie so etwas herzustellen.

2. Die Bevölkerung hätte schon seit Jahren darauf hingewiesen werden können, dass ein kleiner Vorrat an Mundschutz in die Hausapotheke gehört. Um z.B. mit einer ansteckenden Atemwegserkrankung zum Arzt gehen zu können.

3. Warum gibt es seit Jahren immer noch keine Verpflichtung in Arztpraxen für Mundschutz bei ansteckenden Atemwegserkrankungen? Dann hätten die übrigens auch größere Vorräte vor Ort.

Kann das Video „Virologe Kekulé bei Lanz: Was Deutschland gegen das Coronavirus tun muss“ empfehlen.