Über 75.000 Infizierte Coronavirus: China ändert erneut Zählweise zu Neuansteckungen

In China ging die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus zuletzt zwar zurück – doch das lag vor allem an einer neuen Zählweise. Unterdessen bezweifelte ein chinesischer Arzt, dass das Virus wieder komplett verschwindet.

Medizinisches Personal betreut Patienten mit Symptomen des Coronavirus in einem provisorischen Krankenhaus.
Patienten mit Coronavirus-Symptomen in einem provisorischem Krankenhaus in Wuhan. Bildrechte: dpa

China hat erneut die Zählweise zu Neuinfektionen mit dem Coronavirus geändert. Klinische Diagnosen sollen jetzt doch nicht mehr als bestätigte Fälle in die Statistik einfließen, hieß es von der nationalen Gesundheitskommission. Die schwer betroffene Provinz Hubei, wo das Virus ausgebrochen war, hatte erst in der vergangenen Woche damit begonnen, auch solche Diagnosen zu zählen. Dadurch waren die gezählten Neuinfektionen sprunghaft in die Höhe gestiegen. Wegen der neuen Zählweise sank die amtliche Zahl der Neuinfektionen am Donnerstag auf den tiefsten Stand seit fast einem Monat.

Bei klinischen Diagnosen stellen die Ärzte anhand von Lungenbildern und dem körperlichen Zustand die Erkrankung fest. Nun sollen wieder nur DNA-Tests im Labor entscheidend sein. Zur Begründung hieß es von den Behörden, die zwischenzeitliche Änderung der Kriterien könnte die Statistiken verwässern und es erschweren, die Verbreitung des Virus aufzuklären.

Wissenschaftler: Coronavirus kann zu etablierter Krankheit werden

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) meldete am Donnerstag insgesamt mehr als 75.700 Menschen, die sich inzwischen weltweit mit dem Virus infiziert haben. 2.129 Menschen starben demnach an der Krankheit, fast alle davon in China. Experten bezweifeln aber, dass alle Erkrankungen mit dem Virus auch in die Statistik einfließen.

Selbst ein chinesischer Wissenschaftler stellt inzwischen infrage, dass sich die Epidemie noch aufhalten lässt und das Virus wieder verschwindet. Covid-19 könne zu einer etablierten Krankheit wie die Grippe werden, sagte Wang Chen, Präsident der China Academy of Medical Science, im Staatsfernsehen.

Zu einem größeren Ausbruch der Krankheit kam es unterdessen in Südkorea: Dort verdoppelte sich die Zahl der erfassten Infektionen mit dem Coronavirus um 53 auf 104. Ein Mensch in dem Land starb. Allerdings steckten sich nach Angaben der Behörden die meisten der Menschen vermutlich beim Besuch eines gemeinsamen Gottesdienstes an. Auch aus dem Iran wurden zwei Coronavirus-Tote gemeldet.

Deutsche Kreuzfahrtpassagiere kommen zurück

Am Samstag soll in Berlin ein Flug mit deutschen Passagieren des Kreuzfahrtschiffes "Diamond Princess" ankommen. Auf dem vor Japan liegenden Schiff hatten sich bis Donnerstag 634 der insgesamt 3.700 Passagiere und Crewmitglieder infiziert. Geplant sei, die Rückkehrer zunächst 14 Tage zu Hause zu isolieren. Diejenigen, die nicht in der Hauptstadt wohnen, werden demnach zunächst von DRK-Mitarbeitern in ihre Heimatorte gebracht, hieß es von der Berliner Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 20. Februar 2020 | 09:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Februar 2020, 19:50 Uhr

0 Kommentare