Covid-19 Situation auf Corona-Stationen: Belastungsgrenze erreicht

1.244 Todesfälle meldet das RKI am Donnerstag im Zusammenhang mit Corona. Ein trauriger Höchstwert in dieser Pandemie. Viele der Verstorbenen wurden vor ihrem Tod auf Intensivstationen versorgt. Pflegekräfte, Ärztinnen und Ärzte von Intensivstationen berichten von emotionaler und körperlicher Überlastung. Zu viele extrem schwerkranke Patienten, zu viele Leichensäcke – und kein Ende in Sicht. Ein Appell aus den Intensivstationen an die Bevölkerung.

Auf einen Aufruf des MDR-Nachrichtenmagazins "exakt" meldeten sich 24 Pflegekräfte, Ärztinnen und Ärzte aus acht Kliniken, um von ihren Erfahrungen zu berichten. In selbst aufgenommenen Videobotschaften berichten sie von ihrer Arbeit mit schwerst erkrankten Corona-Patientinnen und Patienten auf Intensivstationen.

Krankenschwester Tanja aus dem Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara aus Halle sagt:

Ich bin müde. Ich bin oft traurig, weil wir hier viel zu viele, viel zu kranke Menschen behandeln und oft auch den Kampf verlieren. Ich wünsche mir mein Leben von vorher zurück – auf Arbeit und im Privaten.

Angesichts dessen, was er täglich bei der Arbeit mit COVID-19-Patientinnen und Patienten erlebt, kann Fachkrankenpfleger Richard von der Intensivstation der Uniklinik Dresden nicht nachvollziehen, warum manche Menschen die Corona-Regeln ignorieren:  

"Corona belastet uns hier auf Station ziemlich. Mich persönlich vor allen Dingen das hohe Arbeitsaufkommen, was wir haben. Die hohen Umschlagszahlen an Patienten, die hohen Todeszahlen. Dass wir täglich teilweise mehrere Patienten haben, die versterben, und dass es im gleichen Atemzug außerhalb Leute gibt, die sich nicht an die Regeln halten und denken, sich über alles hinwegsetzen zu müssen. So nach dem Motto: Na ja, ich bin der eine, den es halt nicht erwischt."

Pfleger Richard steht in einem Zimmer auf der Intensivstation im Uniklinikum Dresden
Die hohen Todeszahlen belasten das Pflegepersonal auch psychisch. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Doch es könne jeden erwischen, betont der Krankenpfleger, das stellten er und seine Kolleginnen und Kollegen immer wieder fest. Der Tod sei ihr täglicher Begleiter, erzählt Krankenschwester Michaela von der Intensivstation des Uniklinikums Dresden:

Natürlich sterben auch sonst auf Intensivstationen Patienten, aber bei Weitem nicht in der Masse, wie wir es aktuell sehen. Wir haben teilweise gar keine Zeit, uns über jedes Schicksal Gedanken zu machen, weil schon der nächste COVID-Patient vor der Tür steht.

Bis zur totalen körperlichen Erschöpfung

Stefan Russwurm, Chefarzt vom Hufeland Klinikum in Bad Langensalza in Thüringen erzählt, er habe Weihnachten, Silvester und seitdem jedes Wochenende durchgearbeitet. Hartmut Stefani, Leitender Arzt am Carl-von Basedow-Klinikum in Merseburg in Sachsen-Anhalt erlebt die Situation ganz ähnlich:

"Unsere Ärzte und Pflegekräfte arbeiten bis zur totalen körperlichen Erschöpfung. Wir als Verantwortliche stehen unter einer großen Anspannung, um jeden Tag neu zu versuchen, den Krankenhausbetrieb aufrechtzuerhalten."

Seine Klinik verlege inzwischen Patienten in andere Häuser, weil nicht mehr genügend Platz sei.

Angst, die Arbeit nicht mehr zu schaffen

Seit November hat sich die Situation merklich verschärft. Es sei eine Belastung, die sich Krankenschwester Barbara von der Intensivstation im Dresdener Uniklinikum nie habe vorstellen können. Sie ist seit 41 Jahren Krankenschwester, seit 30 Jahren arbeitet sie auf Intensivstationen. Eine vergleichbare Situation habe sie noch nie erlebt:

"Das macht mir Angst. Angst, es nicht zu bewältigen. Weil ich spüre, dass ich mit meinen Kräften an meine Grenzen komme und ich täglich immer aufpassen muss, dass ich mich erhole, dass ich mit guter Vorbereitung hier zum Dienst komme. Und dann hoffe ich immer, dass es reicht."

Appell an die Bevölkerung

Die Versorgung von COVID-Patienten sei nicht vergleichbar mit anderen Erkrankungen. Eine Schicht in Vollschutz mit Masken, Brillen, Kitteln beschreiben alle als enorm kräftezehrend und anstrengend. Die Pflegekräfte sind ausgelaugt. Viele von ihnen vermissen den Ausgleich neben der Arbeit.

Denn auch sie leiden unter den Corona-bedingten Einschränkungen im Privatleben: Sie vermissen ihre Freundinnen und Freunde, Eltern, Großeltern; würden auch gern mal wieder ausgehen und auf andere Gedanken kommen. Doch sie alle sind überzeugt, dass die Kontaktbeschränkungen sinnvoll sind.

 "Auch ich gehe sehr gerne feiern, gehe gern ins Kino oder ins Restaurant und bin allgemein gern unter Menschen. Ich würde auch sehr gern mal wieder meine Eltern und Großeltern knuddeln. Dass das im Moment nicht möglich ist, ist zwar extrem lästig, aber es ist richtig und es ist auch wichtig. Darum mein Appell an alle, die sich nach wie vor gegen die Corona-Maßnahmen wehren: Zieht mit", sagt der Fachkrankenpfleger Nico von der Intensivstation des Universitätsklinikums Dresden und ergänzt:

Fachpfleger Nico von der Intensivstation der Uniklinik Dresden
Fachkrankenpfleger Nico von der Intensivstation der Uniklinik Dresden Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Auch wenn ihr den Berichterstattungen nicht vertraut und euch eure eigene Meinung bilden wollt, was euer gutes Recht ist, vertraut uns. Wir erleben das Elend hier täglich und haben den Kanal voll davon, ständig so unfassbar viele Patienten in einem Leichensack von Station schieben zu müssen."

Hartmut Stefani aus Merseburg bringt den Appell der Pflegekräfte, Ärztinnen und Ärzte auf den Punkt:

Helfen Sie uns. Bleiben Sie zuhause, halten Sie Abstand und lassen Sie sich impfen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Exakt | 13. Januar 2021 | 20:15 Uhr

8 Kommentare

Felix vor 1 Wochen

Was meinen Sie genau? Die Altersstruktur hat mit dem, was ich geschrieben habe, nichts zu tun. Ansonsten gibt das RKI natürlich die Altersstruktur bekannt.

Moewe1 vor 1 Wochen

Ihre Vorschläge, wenn Andere keine Ahnung haben sagen Sie doch , wie Sie das Ganze lösen wollen. Rumsülzen können Sie auch ganz gut, oder ist es Genöle?

Felix vor 1 Wochen

"1.244 Todesfälle meldet das RKI am Donnerstag im Zusammenhang mit Corona. Ein trauriger Höchstwert in dieser Pandemie. Viele der Verstorbenen wurden vor ihrem Tod auf Intensivstationen versorgt." Mal abgesehen davon, dass die am Donnerstag gemeldeten Todesfälle nicht am Donnerstag gestorben sind, sondern in den Tagen und Wochen davor (es werden gerade vermehrt Tode nachgemeldet - somit sagt dieser "Rekord" gar nichts aus), schauen wir uns doch mal die nächste Aussage genauer an. Laut Tagesbericht vom RKI vom 13.1. sind von den 42.637 "Coronatoten" nur 15.883 im Krankenhaus gestorben. Der überwiegende Teil der "Coronatoten" ist also ohne Behandlung gestorben. Das finde ich spannend, weil Corona eine Krankheit ist, die bei schweren Verläufen behandelt werden muss. Jeder denke sich seinen eigenen Teil dazu.