Coronavirus Merkel: Gesundheitssystem nicht überlasten

Die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen – das ist inzwischen höchste Priorität im Kampf gegen das Virus. Kanzlerin Merkel rief zu Solidarität und zum gemeinsamen Kampf auf. Es gehe jetzt darum, Zeit zu gewinnen, und das Gesundheitssystem nicht zu überlasten. Gesundheitsminister Spahn appellierte an die Bevölkerung, zum Schutz der Risikogruppen auf ein Stück Alltag – wie Tanzveranstaltungen und Konzerte – zu verzichten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht neben Jens Spahn (CDU, l), Bundesminister für Gesundheit, vor einer Pressekonferenz zur Entwicklung beim Coronavirus.
Bundeskanzlerin Angela Merkel und Jens Spahn haben zu einer gemeinsamen Anstrengung im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus aufgerufen. Bildrechte: dpa

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Menschen in Deutschland zur Solidarität und zum gemeinsamen Einsatz gegen die Verbreitung des Coronavirus aufgerufen. Es gehe darum, Zeit zu gewinnen, sagte sie auf der Bundespressekonferenz in Berlin. Es sei nicht egal, "was wir tun, es ist nicht vergeblich, es ist nicht umsonst". Es gehe um den Schutz der älteren Menschen und von Menschen mit Vorerkrankungen. "Da sind unsere Solidarität, unsere Vernunft, unser Herz füreinander schon auf eine Probe gestellt, von der ich mir wünsche, dass wir diese Probe auch bestehen."

Staatliche Stellen und Medizin müssen arbeiten können

Gegen den Erreger gebe es weder Immunität noch Impfstoffe. Bund, Länder und Kommunen sowie alle 83 Millionen Menschen in Deutschland müssten deshalb alle Kräfte einsetzen, um das Gesundheitssystem nicht zu überlasten. Zugleich forderte Merkel ein abgestimmtes Handeln im Kampf gegen das Coronavirus in Deutschland und Europa. Jeder müsse an seiner Stelle Verantwortung übernehmen. Ein Vorteil des Föderalismus sei, dass man die jeweiligen Maßnahmen an die Lage vor Ort anpassen könne.

Alle Ebenen täten gut daran, Empfehlungen des Robert Koch-Instituts nachzukommen. Es müssten nun alle Kräfte eingesetzt werden. Wichtig sei, dass alle staatlichen Stellen und die Medizin arbeiten könnten und dass das wirtschaftliche Leben erhalten werde.

Besorgt zeigte sich Merkel mit Blick auf die Lage in Italien. Berichte zeigten, dass die Medizin dort am Rande der Überforderung arbeite.

Es geht nicht darum, dass wir uns in Europa voneinander abschotten. Wir müssen zusehen, dass kein medizinisches System in Europa überfordert wird.

Angela Merkel Bundeskanzlerin

Hilfen für die Wirtschaft noch diese Woche

Europa müsse koordiniert vorgehen, um die Wirtschaft am Leben zu halten, forderte Merkel. Die Bundesregierung habe hier schnell gehandelt. Noch diese Woche würden Liquiditätshilfen für Unternehmen bereitgestellt, insbesondere über die staatliche Förderbank KfW. Die Staats- und Regierungschefs der EU hätten vereinbart, sowohl den Stabilitäts- und Wachstumspakt wie auch die Beihilferegeln flexibel zu halten.

Spahn: Haben Verantwortung für Risikogruppen

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn appellierte an die Verantwortung aller: Auch wenn 80 Prozent der Infizierten milde bis keine Symptome zeigten, solle man an die Risikogruppen denken. Für chronisch Kranke und ältere Menschen gebe es ein besonders hohes Risiko für einen schweren Verlauf. Dies müsse man in die Gesellschaft tragen. Es gehe um den Schutz der anderen innerhalb der Familie, um die Eltern und Großeltern.

Ich finde wichtig, (...) dass wir alle auf ein Stück Alltag verzichten, um andere zu schützen.

Jens Spahn Bundesgesundheitsminister

So sei etwa die Absage von Großveranstaltungen kein Freifahrtschein für kleinere Veranstaltungen. Als Beispiel nannte er etwa Tanzveranstaltungen und Rockkonzerte. Diese seien etwas anderes als eine Semesterprüfung an der Universität, bei der die Teilnehmer weit auseinander säßen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 11. März 2020 | 12:00 Uhr