Corona-Daten Verbreitung des Coronavirus auf Kreisebene

Wir zeigen die Verbreitung des Coronavirus Sars-CoV-2 in Deutschland auf Landkreisebene und bündeln die Zahlen für die einzelnen Bundesländer in einer kompakten Übersicht. Die Daten beziehen wir von einem am Karlsruher Institut für Technologie angesiedelten Projekt.

Hier können Sie nach Ihrer Stadt beziehungsweise Ihrem Kreis suchen:

Zusammenfassend sehen Sie hier die Entwicklung der deutschlandweiten Neuinfektionen:

Ob die Maßnahmen zur Bekämpfung des Virus wirken, wird gemeinhin an der Entwicklung der Fallzahlen festgemacht; ob es also gelingt, die Kurve abzuflachen ("flatten the curve").

Täglich erfasst das Intensivregister der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin die freien und belegten Behandlungskapazitäten in der Intensivmedizin von etwa 1.300 Akut-Krankenhäusern in Deutschland, inklusive des Anteils der Betten, die durch Covid-19-Patienten belegt sind. In der folgenden Grafik sehen Sie die Auslastung der Intensivstationen mit Covid-19-Patienten und -Patientinnen auf Kreisebene. Mehr Informationen zur Lage auf den Intensivstationen finden Sie hier.

Einmal wöchentlich gibt das RKI zudem bekannt, wie viele Tests in der jeweils letzten Kalenderwoche durchgeführt wurden und setzt die positiven Tests in Verhältnis dazu. Das Ergebnis ist die sogenannte Positivenrate – sie gibt an, wie viel Prozent der durchgeführten Tests zu einem positiven Ergebnis führen.

Welche Quellen liegen den Grafiken zugrunde?

Wir beziehen die Daten, die unseren Grafiken zugrunde liegen, von zwei Quellen. Wenn es um Fallzahlen und die Entwicklung von Neuinfektionen geht, greifen wir auf die Datenbank des "Risklayer"-Projekts zurück, das am Center for Disaster Management and Risk Reduction Technology (CEDIM) des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) angesiedelt ist. Das Team, das beim Zusammentragen der Daten von zahlreichen Freiwilligen deutschlandweit unterstützt wird, greift wiederum auf offizielle Statistiken der Kreise und Städte, ihrer Gesundheitsämter, des Robert Koch-Instituts (RKI) und der Gesundheitsministerien zurück.

Die Angaben zu Corona-Tests entnehmen wir dem Situationsbericht des Robert Koch-Instituts am Mittwochabend, in dem die Testzahlen der Vorwoche kommuniziert werden. Die Zahlen aus dem Divi-Register werden von der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin übernommen.

Nach welcher Methode werden die Daten gesammelt?

Dabei wird zum einen die Scraping-Methode genutzt, das heißt, die Daten werden von den Internetseiten größtenteils automatisiert gesammelt und zusammengeführt. Mehr als 5.000 Datenquellen werden nach Angaben von Risklayer genutzt. Zum anderen haben die Projektverantwortlichen eine Crowdsourcing-Initiative gestartet. Das bedeutet, dass Freiwillige von zu Hause aus dabei mithelfen können, die neuesten Daten zusammenzutragen. Derzeit helfen täglich rund 60 Menschen bundesweit mit. Die Zahlen gelangen erst nach einem mehrstufigen Prüfverfahren in die Datenbank. Drei Personen müssen bestätigen, dass es sich um eine seriöse Quelle und nachvollziehbare Daten handelt.

Wie werden die Daten aktualisiert?

Es gibt momentan kein anderes offenes Portal, das die Daten zur Verbreitung des Coronavirus auf Kreisebene bündelt und auswertet. Die Datenbank ist damit auch aktueller als das Dashboard des Robert Koch-Instituts, wo die Meldungen der lokalen Gesundheitsämter erst mit ungefähr 12 bis 36 Stunden Verzug erfasst werden. Die Daten von Risklayer werden täglich bis 1 Uhr nachts einmal vollständig aktualisiert. In der Karte werden tagesaktuelle Updates berücksichtigt (ob ein Kreise bereits geupdatet wurde, darüber gibt die Angabe "Datenstand" Auskunft), meist werden die ersten verifizierten Updates ab dem frühen Nachmittag sichtbar.

Wieso haben Risklayer, Johns-Hopkins-Uni und das Robert Koch-Institut unterschiedliche Zahlen?

Die Ausgangsquelle für alle drei Institutionen sind die örtlichen Gesundheitsämter beziehungsweise die für die Erfassung und Meldung verantwortlichen kommunalen Ämter oder Behörden. Diese Ämter melden ihre Fallzahlen dem jeweiligen Bundesland, das die Zahlen wiederum an das RKI weiterreicht. Durch diesen Prozess entsteht bei den Daten des RKI ein Meldeverzug von bis zu 48 Stunden.

Initiativen wie das Risklayer-Projekt recherchieren die Daten in den 401 deutschen Kreisen und Städten selbst – mittels teilweise automatisierter Verfahren. Dadurch können sie die aktuellen und bestätigten Fallzahlen noch vor dem Robert Koch-Institut veröffentlichen. Die Zahlen sind jedoch ebenso verifiziert und valide. Die Johns-Hopkins-Universität greift für ihre globale Übersicht auf nationale Quellen zurück. Dies ist im Fall von Deutschland auch das Risklayer-Projekt des Karlsruher Instituts für Technologie (neben Initiativen der "Zeit" oder der Funke-Mediengruppe), dessen Zahlen in den obigen Grafiken ausgegeben werden. 

Im Laufe der Corona-Pandemie hat es nach Angaben des RKI bereits Anpassungen des offiziellen Meldesystems gegeben. So wurden bereits einige Teile des Deutschen Elektronischen Meldesystems für den Infektionsschutz (DEMIS) implementiert. Vor allem die Meldung von Infektionen an die Gesundheitsämter sei auf diese Art bereits stark verkürzt worden. In einer Antwort auf eine Anfrage von MDR AKTUELL schreibt das RKI: "Die weiteren Abläufe in den Gesundheitsämtern bleiben zunächst unverändert und sollen im Rahmen einer der nächsten Ausbaustufen von DEMIS modernisiert werden." Da dies genau die Prozesse betrifft, die für den Meldeverzug des Robert Koch-Instituts verantwortlich sind, ist mit einer Reduzierung dieses Verzugs kurzfristig also nicht zu rechnen.

Einige Kreise sind dazu übergegangen, ihre Fallzahlen erst dann zu veröffentlichen, wenn ihre Fallmeldungen durch die Landesbehörden und das Robert Koch-Institut verarbeitet worden sind. Nach Angaben der Projektverantwortlichen bei Risklayer ist deren Datenbank dem RKI in 325 der 401 Kreise und Städte trotzdem immer noch zwischen zwölf und 48 Stunden voraus.

Wie kommt es zu den zum Teil großen Abweichungen bei der Angabe der 7-Tage-Inzidenz?

Die Berechnung der 7-Tage-Inzidenz beim RKI erfolgt auf Basis des Meldedatums, also dem Datum, an dem das lokale Gesundheitsamt Kenntnis über den Fall erlangt und ihn elektronisch erfasst hat. Für die 7-Tage-Inzidenz des aktuellen Tages werden also die Fälle mit Meldedatum der letzten 7 Tage gezählt. So kann es sein, dass ein Fall von einem Gesundheitsamt nach Bekanntwerden erst drei Tage später weitergemeldet wird und dieser insgesamt nur vier Tage zur Berechnung der 7-Tage-Inzidenz herangezogen wird. Fälle, die erst nach sieben Tagen weitergemeldet würden, wären niemals in der 7-Tage-Inzidenz sichtbar. Zur Berechnung der 7-Tage-Inzidenz bei Risklayer, aus deren Datenbank MDR AKTUELL für obige Grafiken Daten bezieht, werden die Fälle hingegen nach Eingang in die Datenbank herangezogen, unabhängig davon, ob das jeweilige Gesundheitsamt schon drei Tage eher Kenntnis von dem Fall erlangt hatte. Wir halten dies insgesamt für transparenter und für die bessere Abbildung des Infektionsgeschehens. Wir möchten aber darauf hinweisen, dass die in den oben abgebildeten Grafiken genannten Werte für die 7-Tage-Inzidenz nicht denen enstprechen, auf Grundlage derer politische Entscheidungen über Beschränkungen oder anderweitige Corona-Maßnahmen getroffen werden.

Weitere Unterschiede können sich ergeben, wenn etwa mit unterschiedlichen Einwohnerzahlen gerechnet wird. Das RKI rechnet mit den Einwohnerzahlen mit Stand vom 31.12.2019. Viele Städte legen als Berechnungsgrundlage allerdings aktuellere Zahlen an.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 01. April 2020 | 07:00 Uhr