Coronavirus Supermarkt-Inhaber über Hamsterkäufe: "Es ist schrecklich"

Durch die Ausbreitung des Coronavirus sind viele Menschen verunsichert und einige decken sich offenbar übermäßig mit Lebensmitteln ein. Einzelhändler berichten von leeren Regalen und Nachschubproblemen.

Hamsterkäufe wegen Corona-Virus, Frau kauft groߟe Mengen an Papiertüchern und Klopapier zur ܜberbrückung einer eventuellen Corona-Pandemie in Deutschland
Aufgrund des Coronavirus kommt es in deutschen Supermärkten zu Hamsterkäufen. Bildrechte: imago images/MiS

Es ist ein ungewohntes Bild, das sich in vielen Supermärkten bietet: Leere Regale, vor allem bei Konserven, Nudeln, Reis und Toilettenpapier. Es scheint also doch Hamsterkäufe zu geben. Spricht man jedoch Kunden an, so zeigt niemand Verständnis dafür.

In einem Chemnitzer Supermarkt kritisieren die einen Hamsterkäufe als Hysterie und Panikmache, andere sagen, sie seien aus DDR-Zeiten Lebensmittelknappheit gewohnt – oder beteuern, dass sie nur so viel kaufen würden, wie sie wirklich bräuchten.

Supermarktbetreiber überfordert

Marktinhaber Frank Hilse, der das Unternehmen seit fast 30 Jahren betreibt, kann sich nicht erinnern, wann es das letzte Mal so viele leere Regale in seinem Geschäft gab: "Es ist schrecklich."

Die Kunden hätten nur Körbe gekauft, die bis zum Rand gefüllt gewesen seien, unter anderem mit Nudeln, Konserven oder Küchenrollen, sagt Hilse weiter:

Man weiß nicht, wie man bestellen soll.

Frank Hilse Supermarkt-Inhaber in Chemnitz

Hilse weiß nicht, ob das so weitergehe. Das sei "grausam", sagt er.

Handelsverband sieht Warenverfügbarkeit nicht gefährdet

Beim Handelsverband Deutschland, HDE, sieht man keinen Grund zur Panik. Auf Anfrage teilt man MDR AKTUELL mit:

"In Deutschland gibt es bisher keine Auswirkungen auf den Konsum durch das Coronavirus. Die Versorgungslage ist bundesweit normal, obwohl wir in einzelnen Lebensmittelgeschäften aktuell eine höhere Nachfrage nach länger haltbaren Produkten und Getränken sehen."

Einschränkungen bei der Verfügbarkeit von Waren gebe es aktuell nicht, schreibt der Verband weiter: "Bei dem ein oder anderen Produkt kann es aber, bei sich weiter ausdehnenden Quarantänezonen, in den Lieferländern künftig auch kurzfristig zu Engpässen kommen."

BBK empfiehlt Vorrat für zehn Tage

Dass viele Menschen Lebensmittelvorräte anhäufen, hat wohl auch mit einem Vorsorge-Ratgeber des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe BBK zu tun. Das empfiehlt für Notsituationen einen Zehn-Tage-Vorrat anzulegen, zu dem unter anderem Nudeln, Reis und Getränke gehören.

Wir wollten vom BBK eine Stellungnahme zu den Hamsterkäufen. Dort hat man uns jedoch an das Bundesinnenministerium verwiesen, das jetzt für Notfallvorsorge in Sachen Coronavirus zuständig sei.

Das Ministerium wiederum stand für ein Interview nicht zur Verfügung, empfiehlt jedoch schriftlich, Vorräte nicht auf einmal anzuschaffen.

Ökonom warnt vor Abwärtsspirale für die Wirtschaft

Auf eine ganz andere Gefahr, die die Hamsterkäufe mit sich bringen, weist der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher, hin:

"Niemand in Deutschland muss jetzt Sorge haben, dass er kein Essen mehr bekommt. Da ist Deutschland hervorragend aufgestellt. Meine größte wirtschaftliche Sorge: ein Panikverhalten der Menschen." Damit meint Fratzscher, dass Menschen nicht mehr weggehen, einkaufen und verreisen würden. Dadurch würde ein Problem entstehen, sagt Fratzscher weiter:

Wenn die Nachfrage nicht mehr da sei, "werden Unternehmer weniger investieren. Dann werden sie auch irgendwann nicht mehr so viele Beschäftigte brauchen." Dann würde die Arbeitslosigkeit steigen die Einkommen der Menschen würden sinken. Es könnte sich eine Abwärtsspirale ergeben. Eine Abwärtsspirale also, ausgelöst durch Überreaktionen, die schließlich zu fehlender Nachfrage und damit zum Einbruch der Wirtschaft führen könnte. Doch das sei eigentlich genau das, was man verhindern wolle.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 04. März 2020 | 05:00 Uhr

22 Kommentare

ottovonG vor 29 Wochen

Wer versorgt sie unter Quarantäne? Die Nanny, der Weihnachtsmann, oder die bucklige Verwandtschaft. Sie sind lustig. Das Staatswesen ist im Siechtum, jeder ist sich selbst der Nächste im Fall des Falles. Es gibt keine Schutzkleidung und nicht ausdreichend medizinisches Personal, keine Atemmasken, kein Desinfektionsmittel. Das einzige was hierzulande gut funktioniert ist das Finanzamt. Damit endet es dann auch.

Atheist vor 29 Wochen

Ich sehe das nicht so verbissen, wir haben doch nach der Wende erlebt wie schnell die BRD den gesamten Osten mit Wahren überhäufen konnte.
Als meine Mutter früher Bettwäsche hamsterte das war erschreckend, wir hatten den ganzen Schrank voll die wir nie brauchten, nach ihren Tod musste ich all ihre Hamsterkäufe vernichten.

R0N vor 29 Wochen

Viele haben schon vor Corona "gehamstert", sodass immer für 10 Tage das Nötigste im Hause ist. Wer das so tut, ist gut aufgestellt.
Was ist aber mit denen, die das bisher versäumt haben?
Unbedingt nachholen! Die Läden werden dann zwar leergekauft, aber Deutschland profitiert von einer gut funktionierenden Just-in-time-Produktion, und spart somit Lagerkosten in Milliardenhöhe. Diese Lagerung sollten nun die Privathaushalte übernehmen. Bei sinnvollen Vorratskäufen geht nichts verloren, es muss nur früher produziert werden.
In den meisten Fällen sind die Läden nicht leer, weil zu wenig Produkte da sind, sondern weil die Filialleiter unsicher sind, wie viel sie bestellen müssen und die Produktionsketten ein wenig verzögert reagieren.
Wer eine gesunde Vorratswirtschaft betreibt, kann schließlich bei wirklichen Notlagen von Handel und Produktion die Güter den Vorratsgegnern überlassen.