Bewahrer der DEFA-Filmschätze 70 Jahre Progress-Filmverleih

1950 wurde der Progress-Filmverleih gegründet, um die DEFA-Filme weltweit gezielt zu vermarkten. Und noch heute, 70 Jahre später, sind die Dienste des Filmverleihs gefragt. In seinem Schatz befinden sich viele Kultfilme!

Verschiedene Filmposter.
Filmperlen des Progress-Filmverleihs sind DEFA-Filme wie "Die Legende von Paul und Paula", "Der Untertan" und "Die Mörder sind unter uns". Bildrechte: dpa

Das Erbe der DEFA umfasst allein über 700 Spielfilme und 2.000 Dokumentarfilme. Daneben gehören auch rund 2.000 Kino-Wochenschauen, die mit dem Titel "Der Augenzeuge" über die Kinowand flimmerten, hinzu. Ab 1950 übernahm Progress den Vertrieb und sorgte dafür, dass die über 800 Kinos in der DDR mit dem Bildmaterial beliefert wurden. Heute wird der Fundus in Leipzig und Halle immer noch unter dem Namen Progress weitergepflegt.

Einmalig: "Das komplette Filmerbe eines Landes in einer Hand"

"Dieser Bestand der Progress ist weltweit die einzige Filmsammlung, wo das komplette Filmerbe eines Landes in einer Hand ist. So etwas wie eine Zeitmaschine, in der wir uns zurückbeamen können, wie das Leben eines Landes war mit einer Utopie und wie diese Utopie irgendwann endet", sagt Geschäftsführer Gunnar Dedio. Und neben dem DDR-Filmmaterial sind im Bestand auch 2.000 Ausgaben der BRD-Wochenschau "Blick in die Welt" zu finden.

Spannend sei, die jeweilige Wochenausgabe von "Der Augenzeuge" und "Blick in die Welt" zu vergleichen. "Sie können Woche, für Woche, für Woche dasselbe Event aus zwei verschiedenen Perspektiven sehen, teilweise sogar dasselbe Material aber anders geschnitten oder anders bewertet", so Dedio.

Filmmaterial wird digitalisiert

Doch das Archiv wäre für Filmemacher und Historiker kaum nutzbar, hätte Progress nicht vor einem Jahr begonnen, den Bestand vollständig zu digitalisieren. Das Team hofft, in drei Jahren die komplette DEFA-Produktion im Netz zu haben. Die neue Plattform Progress-Punkt-Film ermöglicht eine schnelle Suche und Nutzung.

Nach der Digitalisierung werden von Hand auch die Metadaten eines jeden Filmes erfasst. So wird angegeben, an welchem Ort etwa gedreht wurde und welche Personen auf dem Material zu sehen sind. Und man kann dort auch sämtliche Texte nachlesen.

"Progress" von internationalem Interesse

Derzeit kann jedermann kostenfrei auf dem Portal stöbern. Die Plattform funktioniert auf deutsch und englisch, demnächst auch auf französisch, arabisch und russisch - denn Progress ist von internationalem Interesse. Genutzt werde der Service so auch von der BBC und Television, erklärt Progress-Geschäftsführer Gunnar Dedio. Auf der Plattform werden nach und nach auch Spielfilmklassiker der DEFA den Nutzern bereitgestellt.

Eine halbe Million Lizenzgebühren pro Jahr

Pro Jahr laufen allein auf deutschen Fernsehkanälen über 300 DEFA-Spielfilme. Doch auch Ausschnitte sind als Zeitdokumente für den Alltag in der DDR gefragt: In der Vergangenheit nahm Progress jährlich eine halbe Million Euro mit Lizenzen ein. Ein Großteil des Geldes fließt an die DEFA-Stiftung als Rechteinhaber. Mit der neuen Plattform hofft man, die Einnahmen zu steigern.

Denn noch rechnen sich die Investitionen nicht. "Wir gehen eine gewisse Wette ein, dass wir sagen: Ja, es wird sich lohnen, wenn wir das toll aufbereiten. Und wenn wir die Welt einladen, diese Schätze zu entdecken, dann wird die Welt auch kommen", sieht Dedio optimistisch in die Zukunft - in das achte Jahrzehnt des Bestehens des Progress-Filmverleihs.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Umschau | 04. August 2020 | 20:15 Uhr