Kein Empfang Funklochrepublik - Wie die Provinz für Mobilfunk und Breitband kämpft

Telefonieren nur an einer bestimmten Stelle? Existenzbedrohte Unternehmen ohne Internet? Das klingt unwirklich, ist aber für viele Menschen in Mitteldeutschland Realität. "Exakt - die Story" erzählt vom langwierigen und zähen Kampf um schnelles Internet.

Auf einem Smartphone ist der Schriftzug Kein Netz zu lesen.
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Seit Jahren stagniert in Dähre in der Altmark der Ausbau des Funknetzes. Eine Verbindung ist Glückssache und eine Frage des richtigen Mobilfunkanbieters. Weil hier Vodafone bereits einen Funkmast hat, zeigen Deutsche Telekom und Telefonica kein Interesse mehr an der dünn besiedelten Region.

Bürgermeister Bernd Hane
Bernd Hane kann nur aus einer Ecke des Gehöfts telefonieren. Bildrechte: MDR

"Wenn ich bei meinem Freund, dem Fleischer, bin und mal telefonieren muss, dann kann ich nicht einfach drauflos wählen, sondern ich muss ums Haus gehen und nur an einem bestimmten Fleck habe ich Empfang", sagt Bernd Hane, Bürgermeister der Gemeinde Dähre.

Funklochland Mitteldeutschland: Raus aus der Stadt und plötzlich gibt das Handynetz nach, springt von LTE auf E. Wo sich eben noch mühelos Videos streamen ließen, kommen nur noch Bilderfetzen an. Das Mobilfunknetz in der Lausitz, in Nordsachsen und Nordthüringen hat erhebliche Lücken und macht die Nutzung von Online-Diensten per Smartphone und teilweise sogar das Telefonieren unmöglich. Auch im Kyffhäuserkreis, im Harz, an der Grenze zu Tschechien und Polen oder in der Altmark gibt es immer noch riesige Funklöcher.

Fehlender Anschluss bedroht Existenzen

Auch beim Breitbandausbau hat die Provinz das Nachsehen. Wenn Tischlermeister Gerd Seiler aus Schönbach in der Oberlausitz eine Internetseite hochladen will, dann braucht er viel Geduld:

Wir reden davon, auf den Mars zu fliegen und können doch nicht mal ins nächste Dorf telefonieren.

Gerd Seiler

Um wettbewerbsfähig zu sein, braucht er sogenannte CAD-Maschinen. Die aber müssen mit Daten gefüttert werden, für die es eine leistungsfähige Datenautobahn braucht. Und an die hat Schönbach keinen Anschluss. Tischler Seiler sieht es mittlerweile als existenzbedrohend an. Die Telekom hatte den Ort immer wieder hingehalten und vertröstet. Die Schönbacher baten sogar ihren Ministerpräsidenten um Hilfe - alles vergebens.

Seitdem die Telekom sogar das ISDN eingestellt hatte, versorgen sich Seiler und andere Gewerbetreibende im Ort nun über eine Richtfunkstrecke aus dem sieben Kilometer entfernten Cunewalde. Nicht der einzige Fall von Selbsthilfe auf dem Land.

Die Funklochrepublik 2 min
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Ländlicher Raum ist abgehängt

Internetkabel und Glasfaser
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Dabei sollten nach dem Willen der Bundesregierung schon bis Ende 2018 alle Haushalte in Deutschland mit mindestens 50 Megabit pro Sekunde angeschlossen sein. Ziel verfehlt. Die Fortschritte gab es bisher vor allem in den Städten. Der ländliche Raum erwacht nur langsam aus dem digitalen Nirwana.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Exakt - Die Story | 18. März 2020 | 20:45 Uhr