Hintergrund Die schlimmsten Stürme der letzten Jahrzehnte

Entwurzelte Bäume, abgedeckte Dächer, verwüstete Landstriche – diese und schlimmere Folgen zogen die heftigsten Sturmtiefs der vergangenen Jahrzehnte nach sich. Aufräumarbeiten und Schadensbehebung ziehen sich teils über Jahre. Und wer Opfer zu beklagen hatte, für den haben sich Namen wie Lothar, Kyrill oder Friederike auf schmerzhaften Weise ins Gedächtnis eingebrannt. Wir blicken zurück auf die verheerendsten Stürme in Deutschland.

Fläche die nach dem Sturm Kyrill mit Bergulmen aufgeforstet wurde
So sah es stellenweise im Thüringer Wald aus, nachdem der Orkan Kyrill Mitte Januar 2007 durchgezogen war. Bildrechte: IMAGO

26.12.1999 – Orkan Lothar

Kurz vor Beginn des neuen Jahrtausends, zu Weihnachten 1999, sucht Orkan Lothar Mitteleuropa heim. Besonders stark betroffen sind Deutschland, Frankreich, Österreich und die Schweiz. Mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 272 km/h gilt Lothar bis heute als Jahrhundertsturm und als schwerster Sturm in Mitteleuropa seit 1876. 110 Menschen verlieren ihr Leben, 18 davon in Deutschland. Die Rückversicherungsgesellschaft Swiss Re schätzt den Versicherungsschaden auf über sechs Milliarden US-Dollar.

27.10.2002 – Orkan Jeanette

Im Oktober 2002 kommen in Deutschland zwölf Menschen durch die Auswirkungen von Jeanette ums Leben. Insgesamt sterben in Europa 47 Menschen. Besonders der Osten Deutschlands und Tschechien sind betroffen. Im Erzgebirge werden Windböen von bis zu 183 km/h gemessen. Die Schäden belaufen sich auf etwa 1,7 Milliarden Euro.

18.01.2007 – Orkan Kyrill

Im Januar 2007 löst Kyrill Jeanette als schwersten Sturm seit Lothar ab. In Böen erreicht Kyrill Windgeschwindigkeiten bis zu 225 km/h und legt damit das öffentliche Leben in weiten Teilen Europas lahm. Kyrill kostet 47 Menschen das Leben. Mehr als eine Million Menschen sind zeitweilig ohne Strom. Der Wintersturm verursacht Schäden in Höhe von etwa 10 Milliarden US-Dollar, davon 5,5 Milliarden in Deutschland.

29.02.2008 – Orkan Emma

Sturmtief Emma fügt vor allem den Waldflächen, die schon von Kyrill verwüstet worden waren, weitere Schäden zu. Durch eine Sturmflut steht der Hamburger Fischmarkt unter Wasser. 14 Menschen sterben in Mitteleuropa durch Emma. Der verursachte Schaden wird auf etwa eine Milliarde Euro geschätzt.

28.10.2010 – Orkan Christian

Christian fegt mit bis 171 Kilometern pro Stunde über Deutschland hinweg. Im Nordwesten Deutschlands wird der öffentliche Verkehr nahezu komplett eingestellt. Teile Mitteldeutschlands vermelden Schäden. Infolge des Orkans sterben in Europa 14 Menschen, davon sechs in Deutschland.

05.12.2013 – Orkan Xaver

Xaver trifft vor allem Norddeutschland schwer. An der Küste sorgt der Sturm für Pegelstände, die weit über dem mittleren Hochwasser liegen. Hamburg beschert Xaver die zweithöchste Sturmflut seit 1825. Außerdem brachte Xaver starken Schneefall, auch im Binnenland. Insgesamt sterben in Europa mindestens 13 Menschen. Die Spitzenböe wurde in Schottland gemessen und verzeichnete 229 km/h.

Orkan Xaver - auf der nordfriesischen Hallig Langeneß
Auf den nordfriesischen Inseln und insbesondere den Halligen - wie hier auf Lengeneß - war durch Xaver "landunter" angesagt. Die meisten Halligen wurden überspült, viele Inseln meldeten Landverluste. Bildrechte: dpa

09.06.2014 – Tiefdruckgebiet Ela

Ela wird auch als Pfingsmontags-Unwetter bezeichnet und überzog am 09. und 10. Juni 2014 vor allem Nordrhein-Westfalen, Hessen und Niedersachsen. In Düsseldorf wird die stärkste Böe gemessen mit 144 km/h in der Spitze. Sechs Menschen kommen ums Leben, 30 weitere werden schwer, 37 leicht verletzt. Die Deutsche Bahn nennt die Schäden durch Ela schwerer als beim Orkan Kyrill. Die Versicherer beziffern die Schäden schließlich auf etwa 650 Millionen Euro.

31.03.2015 – Orkan Niklas

Das Sturmtief Niklas entwickelt sich in der Nähe von Island und zieht Ende März über Europa. Auf der Zugspitze werden Windgeschwindigkeiten von 192 km/h gemessen, auf dem Brocken 162 km/h. In Deutschland, Österreich und der Schweiz kommen durch Niklas mindestens elf Menschen ums Leben. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft beziffert den Schaden an Häusern, Hausrat und Fahrzeugen auf 750 Millionen Euro. Damit gehört Niklas zu den fünf schwersten Stürmen der vergangenen 15 Jahre.

06.10.2017 – Sturmtief Xavier

Die Bäume sind noch belaubt, als Xavier im Herbst 2017 über Deutschland hinwegzieht. So bieten sie dem Sturm eine besonders große Angriffsfläche und knicken um wie Streichhölzer. Im Flachland werden in der Spitze 136 km/h Windgeschwindigkeit gemessen (Berlin-Wannsee), im Bergland 201 km/h (Schneekoppe). Neun Menschen sterben, sieben davon in Deutschland. In Berlin wird der Nahverkehr eingestellt. Die Flughäfen der Hauptstadt schließen zeitweise. Im Bahnverkehr kommt es wochenlang zu Behinderungen, weil die Strecken sehr schwer beschädigt wurden.

Bahnmitarbeiter räumen am 10.09.2017 bei Bötzow (Brandenburg) nach dem Sturm «Xavier» umgestürzte Bäume von den Gleisen.
Bahnmitarbeiter räumen bei Bötzow (Brandenburg) nach dem Strum Xavier umgestürzte Bäume von den Gleisen. Bildrechte: dpa

18.01.2018 – Orkantief Friederike

Mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 130 Kilometern pro Stunde trifft Friederike besonders die Mitte und den Osten Deutschlands hart. In Sachsen-Anhalt erliegen zwei Menschen ihren schweren Verletzungen, in Thüringen wird ein Mann erschlagen. Bundesweit kommen acht Menschen ums Leben.

Etwa 140.000 Kundinnen und Kunden des mitteldeutschen Energieversorgers Envi sind zeitweise von der Stromversorgung abgeschnitten. Auch am Niederrhein fällt der Strom stundenlang aus. In NRW stellt die Bahn den Verkehr vollständig ein. Die stärkste Böe wird mit 203 km/h auf dem Brocken gemessen. Friederike ist das stärkste Orkantief seit Kyrill 2007 und richtet Schäden in Höhe von einer Milliarde Euro an.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 09. Februar 2020 | 11:00 Uhr