Herkunft, Stammbaum, Krankheiten DNA-Test im Selbstversuch

Eine Vielzahl von Genlaboren, vor allem in den USA, bietet einfache DNA-Tests für zu Hause an. Mit diesen können Menschen ihre Herkunft und ihren Stammbaum untersuchen lassen. Sie können sich aber auch auf bestimmte Krankheitsrisiken testen, hier ein Selbstversuch:

mit roten und orangefarbenen Substanzen gefüllte Petrischalen auf einem DNA-Autoradiogramm
Mit Nährlösung gefüllte Petrischalen auf einem DNA-Adiogramm. Bildrechte: imago/Science Photo Library

Das Päckchen kam sehr hübsch verpackt in grün-gelbem Geschenkpapier. Ich hätte es auch in Weihnachtspapier bekommen können: mein DNA-Test, der mir in sechs Wochen genau zeigen wird, woher meine Vorfahren stammen und wer mein Erbgut mitbestimmt hat.

Der DNA-Test kommt per Post. Per Telefon muss alles aktiviert werden.
Der DNA-Test muss zunächst per Telefon aktiviert werden: Adresse, Daten und einen Code eigeben - dann ist alles registriert. Bildrechte: MDR/Arthur Landwehr

In den USA haben das Millionen gemacht. So wie mein Nachbar Tim: "Wie so viele Amerikaner ist man eine Mischung aus ganz vielen Dingen. Und man möchte eine Vorstellung von sich selbst bekommen."

Klar, in einem Land, in dem mehr als 98 Prozent der Bewohner in der einen oder anderen Form eingewandert sind: als Eroberer vor 500 Jahren, Siedler, Flüchtlinge, Sklaven, Abenteurer, Suchende nach einem besseren Leben oder dem spannenden Job. Sie haben zusammen Kinder bekommen, sind weiter gewandert. "Ich habe erwartet, dass eine Hälfte Deutsch und Englisch ist und die andere Hälfte Italienisch und irgendwas dazu", sagt Tim.

Und da reihe ich mich ein. Als Ostwestfale, dessen Eltern und Großeltern schon dort lebten. Eine Region, in der aber die Römer unterwegs waren und die von der Völkerwanderung und einigen Kriegen kräftig aufgemischt wurde.

Ein Gentest für 60 Dollar

Der Weg zur Erkenntnis ist leicht. Der Test kostet normalerweise 100 Dollar, als Weihnachtsspecial nur 60 Dollar. Ein kleines Röhrchen mit Speichel füllen, ab ins Labor nach Utah und abwarten.

Eine Speichelprobe muss in ein Röhrchen abgefüllt werden. Verschlossen geht dieses dann an ein Genlabor.
Für den Test muss eine Speichelprobe in ein Röhrchen abgefüllt werden. Verschlossen geht dieses dann an ein Genlabor. Bildrechte: MDR/Arthur Landwehr

Dort werden bestimmte Genabschnitte untersucht, die sich je nach Herkunft eines Menschen unterscheiden. Daraus lässt sich dann die Wahrscheinlichkeit berechnen, wie groß der Anteil an Vorfahren aus diesen Regionen ist.

Anbieter gibt es viele, ich habe einen gewählt, der eine besonders große Datenbank hat. Und der eines zusätzlich anbietet: Den Familienstammbaum zu vervollständigen und Verwandte irgendwo in der Welt zu finden, wenn die zufällig auch ihre DNA haben testen lassen. Jetzt heißt es warten und auf Überraschungen gefasst machen.                                         

Tim musste feststellen: "Ich bin viel mehr Französisch als ich gedacht habe. Das war eine Überraschung." Und er habe dann sehr gelacht, als ihm null Prozent italienisches Blut bescheinigt wurden, bei einer Mutter, die in Italien aufgewachsen ist.

Mangelhafter Datenschutz bei Gendatenbanken

Was aber passiert mit diesen Daten? Die Anbieter versprechen totalen Datenschutz, und halten ihn nicht. Bis vor kurzem hatte die amerikanische Polizei offenen Zugang und hat mit dem DNA-Vergleich über Familienstammbäume Kriminalfälle gelöst. Das soll gestoppt sein, aber mit einem richterlichen Beschluss werden die Datenbanken wieder geöffnet.

Ein Unternehmen wurde bereits gehackt. Und das Erbgut enthält viele Informationen. Zum Beispiel darüber, ob man eine Disposition für bestimmte Krankheiten besitzt. Das wird auf Wunsch gleich mituntersucht. Mein Nachbar Tim hat davon abgesehen: "Hatte ich Angst? Nein, keine Angst. Aber ich brauchte das nicht und habe es nicht gemacht."

Auch auf Erbkrankheiten kann getestet werden

Und das ist ja auch die Frage, will man es wirklich wissen, dass das Damoklesschwert einer bestimmten Krankheit über einem schwebt? Vor allem durch einen Test, der für eine moderne Spielerei entwickelt wurde? Und was ist, wenn diese Information zukünftig zum Beispiel von Kranken- und Lebensversicherungen genutzt werden, um Beiträge zu berechnen?

Datenschutz ist das große Thema bei den kommerziellen Gentests. Er wisse das, sagt Tim, und er habe darüber nachgedacht. Dann aber eben doch den Test gemacht und sei froh darüber. Das Wissen bedeute ihm etwas. Das Wissen über sich selbst, über das, was man persönliche Wurzeln nennt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 09. Dezember 2019 | 05:00 Uhr

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