Waschmittelregal im Supermarkt
Sind diese Plastikverpackungen recycelt? Die Drogeriemärkte dm und Rossmann setzen fortan auf mehr Transparenz. Bildrechte: imago/Jochen Tack

Recycling Drogerieketten wollen weniger Plastikmüll produzieren

Die Drogerie-Riesen dm und Rossmann wollen gegen Plastik-Müll vorgehen und mehr recyceltes Verpackungsmaterial in Umlauf bringen. 2018 wurde dafür eigens ein Forum gegründet. Wie ist der aktuelle Stand?

Waschmittelregal im Supermarkt
Sind diese Plastikverpackungen recycelt? Die Drogeriemärkte dm und Rossmann setzen fortan auf mehr Transparenz. Bildrechte: imago/Jochen Tack

In der deutschen Industrie geht man den übermäßigen Plastikverbrauch nun gemeinsam an. Rossmann, dm und Globus wollen mehr recycelte Plastikverpackungen in den Verkauf bringen und ihre Kunden darüber informieren, woraus die Verpackungen bestehen. Der Verbraucher kann dann entscheiden, ob er ein Produkt in recycelter oder in herkömmlicher Verpackung kaufen möchte.

Ganz ohne Verpackung – das ist kein Modell für die deutschen Drogerieriesen Rossmann und dm. Doch sie wollen die Verpackung wiederverwenden, eingesetztes Plastikmaterial kreislauffähig machen. Im September 2018 gründete der dm-Geschäftsführer Sebastian Bayer mit mehreren Unternehmen aus der Branche das sogenannte Rezyklat-Forum. 

Hersteller, Recyclingbetriebe und Industrie arbeiten zusammen

Teilnehmer des Forums seien Entsorgungsbetriebe, Plastikhersteller und die Industrie, "die diese Produkte befüllt und Markenprodukte in den Umlauf bringt. Und wir haben heute zum Glück bereits mehrere Händler mit am Tisch, denn mit dm sind auch Rossmann und Globus mit Partner im Forum", sagt Bayer. In seinen Geschäften seien es bisher vor allem die Produkte der Naturkosmetikmarken, die in recycleten Verpackungen angeboten werden. Ein kleiner, blauer Hinweis am Preisschild soll den Kunden darauf aufmerksam machen.

Die Kunden zu informieren, sei ein guter Schritt. Franziska Krüger vom Umweltbundesamt verspricht sich viel vom Zusammenschluss der Verpackungsbranche und des Einzelhandels. Nur wenn mehrere große Akteure gemeinsam Kriterien für ihre Verpackungen und das Produktdesign festlegten, könne sich der Plastikkreislauf langfristig verbessern, weil dann die Inhaltstoffe in den weggeworfenen Shampoo und WC-Reiniger Flaschen bekannt seien und leichter in die Einzelteile, das sogenannte Rezyklat, zerlegt werden könne.

Umweltfreundlicher als Gewinnung von Neuware

Gelbe Säcke vor blauen Papiertonnen
Die Drogerie-Riesen dm und Rossmann wollen gegen Plastik-Müll vorgehen. Bildrechte: dpa

Immer wieder wird behauptet, das Recyclingverfahren sei energieaufwändiger als die herkömmliche Verpackungsproduktion. Franziska Krüger kann das nicht bestätigen: "Recyclingverfahren sind in den meisten Verfahren umweltfreundlicher. Der Energieaufwand ist sicherlich vorhanden, aber deutlich geringer, trotz des Sammelns und Sortierens schneiden das Recycling oder die Rezyklat-Herstellung günstiger ab als die primäre Rohstoffherstellung und Gewinnung von Neuware."

Sebastian Bayer, Geschäftsführer von dm wünscht sich für den Einsatz von Rezyklaten im Einzelhandel mehr Unterstützung seitens der Politik. Bisher müsse jedes Rezyklat lebensmittelecht sein. Diese Vorgabe ist aber vor allem für Produkte im direkten Kontakt mit Lebensmitteln relevant.

Genauere Vorgaben für Recycling nötig

"Unser Wunsch wäre eigentlich, dass wir drei gesetzliche Standards hätten. Einen für Rezyklate, aus denen Lebensmittelverpackungen hergestellt werden, einen für Kosmetika und einen für Wasch-, Putz- und Reinugungsmittel. Das würde uns erlauben, dass wir noch viel größere Mengen aus dem gelben Sack entnehmen können und dadurch wesentlich mehr Rezyklate in unseren Verpackungen verwenden können."

Neben der Politik müssten sich also noch weitere Kosmetikmarken bereiterklären, in die Kreislaufwirtschaft und somit den Umweltschutz einzusteigen, um den Rezyklatanteil in den Verpackungen erhöhen zu können.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 19. August 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. August 2019, 05:00 Uhr

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3 Kommentare

19.08.2019 21:40 MaP 3

Gerade im Kosmetik und Haushalts-chemiebereich könnte vieles eingespart werden, und zwar Umverpackungen aus Pappe. Mich ärgern Cremedöschen in viel zu großer Pappschachtel mit raffinierter Innenversteifung, nur damit es nach "Mehr" aussieht. Warum nicht generell Pozellan-/Glasdosen ohne Drumherum. Ebenso ist bei Zahncreme die Pappschachtel überflüssig. Warum müssen z.B. Tampons extra noch jedes einzeln in Folie verpackt werden? Dann lieber nur eine Folie um die gesamte Schachtel. Genauso die Verpackung jedes einzelnen Geschirrspültabs. Ich ärgere mich dann immer, wenn diese mit nassen Händen nicht zu öffnen sind. Wenn man aufmerksam durchs Sortiment geht, findet man unendlich viele Beispiele für sinnlose Mehrfachverpackungen.

19.08.2019 11:32 Critica 2

Drogerieketten verkaufen nur, was andere herstellen. Sie sollen sich nun also nicht rühmen, als würden sie die Welt verändern können und wollen. Die Plastikvermeidung muss ganz woanders stattfinden. Doch das scheint unmöglich, weil die Herstellung der in Drogerien verkauften Artikel gaaaaaaanz weit weg stattfindet.

19.08.2019 10:00 winfried 1

>>Drogerieketten wollen weniger Plastikmüll produzieren<<
Diese Überschrift ist, wie ich meine, reißerisch und eigentlich falsch. Die BILD-Zeitung hätte zumindest ein Fragezeichen dahinter gemacht.
Die Drogerieketten haben nicht vor Plastik zu vermindern sondern lediglich die Art der Gewinnung, soll heißen mit weniger Energieaufwand.
Allein das ist schon löblich.