Unterschätzte Gefahr Unberechenbar? Wenn Akkus und Batterien zur Gefahr werden

explodierendes Smartphone
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Die Bürger im sächsischen Schönfels sind sauer. In der Nähe eines Wohngebietes soll eine Recyclingfabrik für Lithium-Ionen Akkus entstehen. Die Anwohner haben Angst um ihre Gesundheit und gründen die Bürgerinitiative "Pro Initiative Schönfels".

Eigentlich dachten die Anwohner, es entsteht dort ein Gewerbegebiet, hofften auf neue Arbeitsplätze in der Region. Doch nun haben sie Angst um ihre Gesundheit.

sagt Rechtsanwalt Christoph Naumann. Er vertritt die Schönfelser Bürgerinitiative. Zusammen mit einem Sachverständigen stufen sie den Betrieb als "sehr gefährlich" ein. Insbesondere durch Brände und auslaufende Säuren bestehe hier Gefahr für die Gesundheit.

Protest gegen die Recycling-Anlage in Schönfels 3 min
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Mo 22.06.2020 12:03Uhr 02:43 min

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Begründete Gefahr?

Dass dies nicht unbegründet ist, zeigt ein Beispiel im bayerischen Wörth vom vergangenen Sommer: 14 Feuerwehren mit 400 Feuerwehrmännern waren im Einsatz, um den Großbrand in der Recycling-Fabrik Koslow unter Kontrolle zu bekommen. Für Werksleiter Michael Kanngießer ist das nicht der erste Brand.

Mann hantiert mit Elektroschrott
Michael Kanngießer Bildrechte: MDR/Nadja Mönch

Das kommt davon, wenn Menschen Batterien und Akkus einfach in den normalen Hausmüll werfen - wir kämpfen dann mit Bränden.

Michael Kanngießer

Doch nicht nur in Recyclingfabriken brennt es häufiger. Auch im Alltag kommt es immer wieder vor: E-Scooter, Laptops, E-Zigaretten, Handys - sie alle haben Akkus, die Feuer fangen oder explodieren können. Ursache ist dabei oft eine falsche Handhabung beim Laden.

Verschiedene Akku-betriebene Gegenstände
Egal ob Laptop, E-Bike, Akku-Schrauber oder die elektrische Zahnbürste - alle elektrischen Geräte birgen Gefahren und müssen fachgerecht entsorgt werden. Bildrechte: MDR/Nadja Mönch

Ein Konzept für die Zukunft?

Auch Akkus von E-Bikes und Elektroautos können sich entzünden. E-Mobilität ist die Zukunft. Bei Volkswagen rollt in Zwickau der ID3 vom Band. Die Akkus werden im niedersächsischen Braunschweig hergestellt und dann in Sachsen in das Auto eingebaut.

Mann in einer Pkw-Fertigungshalle
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Man kann nicht einfach an die Pins ranfassen.  Das Kabel muss erst eingesteckt werden, dann werden die verschlossen und erst dann kommt der Stromfluss zustande. Das heißt, man kann nicht an irgendein stromführendes Teil greifen. Dazu ist genug vom Gesetzgeber geregelt, dass das gar nicht passieren kann.

Daniel Schlefcke | Leiter der VW-Werksfeuerwehr in Zwickau

Dass die sich Anzahl der E-Autos auf den Straßen erhöht, zeigt diese Grafik:

Eine Grafik von Mittelsachsen mit Zahlen
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Doch wie sieht es mit der Sicherheit für Fahrer aus? Fakt ist: Immer mehr Produkte funktionieren mit Akkus oder Batterien. Blinkende Handtaschen oder leuchtende Unterwäsche können schnell zur Brandgefahr im eigenen Zuhause werden.

Bilder zum Film Batterien und Akkus - brandgefährlich

Protest gegen Recyclinganlage
Im sächsischen Schönfels ist nah an einem Wohngebiet eine Recycling-Anlage gebaut worden. Die Anwohner haben Angst. Bildrechte: MDR/Nadja Mönch
Protest gegen Recyclinganlage
Im sächsischen Schönfels ist nah an einem Wohngebiet eine Recycling-Anlage gebaut worden. Die Anwohner haben Angst. Bildrechte: MDR/Nadja Mönch
Elektroschrott
Angst vor Bränden durch nicht richtig entsorgten Elektroschrott ist nicht unbegründet.

Dr. Olaf Böhnke, Sachverständiger Umweltschutz sagt: "Schwerpunkt des nicht Definierbaren ist die Batterie. Mit der Angst, wenn die brennt, dann brennt noch viel mehr. Solche Akkus können auch unter Luftabschluss weiterbrennen. Das ist nicht trivial. Sie brauchen keine Brandförderer. Das Oxid gibt ihnen Sauerstoff."
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Recyclinganlage
Welche Gefahren von Akkus und Batterien ausgeht und wie wichtig es ist, Elektroschrott richtig zu entsorgen, zeigt der Brand in der Recyclingfabrik Koslow in Wörth 2019. Die Folgen sind imemrnoch sichtbar. Bildrechte: MDR/Nadja Mönch
Mann hantiert mit Elektroschrott
Werksleiter der Recyclinganlage Woerth, Michael Kanngießer, nach de Brand: "Es ist egal ob es strukturell oder personell ist, wir müssen enorm mehr schultern. Wir haben eine halbe Million in die Hand nehmen müssen, um weiterarbeiten zu können." Bildrechte: MDR/Nadja Mönch
Verschiedene Akku-betriebene Gegenstände
Ein Problem: Oft sind Akkus und Batterien noch an den entsorgten Geräten dran. Bildrechte: MDR/Nadja Mönch
Pkw-Fertigung
Im VW-Werk Zwickau wird der neue ID3 gebaut. Sein Akku soll für eine Fahrstrecke für bis zu 550 Kilometer reichen. Bildrechte: MDR/Nadja Mönch
Mann in einer Pkw-Fertigungshalle
Daniel Schlefcke, Leiter Werksfeuerwehr Volkswagen Sachsen, sagt: "Ist z.B. ein Kabel defekt o.ä., dann geht das Auto geht in den Nothalt und bleibt dann an der Stelle stehen. Somit ist die Wahrscheinlichkeit gegeben, dass es nicht zu einem Brand kommen kann."
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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Exakt - Die Story | 24. Juni 2020 | 20:45 Uhr