Elefantenrennen auf der Autobahn Warum gibt es kein generelles Überholverbot für Lkw?

Gerade zu den Stoßzeiten am Morgen und am Nachmittag halten sogenannte Elefantenrennen, also die gefühlt ewig dauernden Überholmanöver von Lkw, den Verkehr auf Autobahnen besonders auf. Pendlerin Sabine Lüscher fragt, weshalb es kein generelles Überholverbot für Lkw gibt.

Lastkraftwagen überholen sich auf der Autobahn.
Intelligente Verkehrsleitsysteme sind auf der A14 zwischen Halle und Magdeburg nicht geplant. Bildrechte: Ronny Arnold

Auf der A14 zwischen Halle und Magdeburg ist Pendlerin Sabine Lüscher täglich unterwegs. Der Verkehr rollt. Doch sobald ein Lkw auf die linke Spur zieht, wird es eng. Nicht selten dauern solche Überholmanöver minutenlang und schnellere Pkw müssen warten. Ein generelles Überholverbot für Lkw könne das ändern, sei aber nicht gewollt, erklärt Stefan Hörold von der Landesstraßenbaubehörde Sachsen-Anhalt. Denn auch Lkw seien, trotz einer vorgeschriebenen Maximalgeschwindigkeit von 80 km/h, unterschiedlich schnell unterwegs. "Das hängt unter anderem vom Fahrzeugtyp ab, von der Tagesform des Fahrers, von seiner Termindichte oder vom Beladungszustand des Lkw, sodass jeder in unterschiedlichen Geschwindigkeitsniveaus unterwegs ist", sagt Hörold. Damit sei es im Sinne der Verkehrssicherheit, das Überholen zuzulassen.

Stillstand durch Überholverbot

Denn ein generelles Überholverbot würde letztlich bedeuten, dass der langsamste Lkw die Geschwindigkeit auf der rechten Spur vorgibt. Hörold zufolge stauen sich sich so schnell kilometerlange Lkw-Wände auf und langsamere Pkw könnten dann nur noch auf der linken Spur fahren. Ein Stau sei so fast vorprogrammiert, erklärt Hörold. Deshalb lehnt auch der Landesverband des Verkehrsgewerbes Sachsen-Anhalt ein generelles Überholverbot ab: "Ein striktes Überholverbot hätte tendenziell zur Folge, dass auch die ungeladenen Fahrzeuge die Geschwindigkeit drosseln müssen, was sich ganz am Ende der "Kette" möglicherweise bis zum Stillstand aufsummieren kann."

StVO regelt Überholmanöver

Um Elefantenrennen zu verhindern, macht die Straßenverkehrsordnung eigentlich klare Vorgaben. Demnach darf ein Lkw-Fahrer das Überholen nicht ausführen, wenn die Differenzgeschwindigkeit unter 10 km/h beträgt und der Vorgang länger als 45 Sekunden dauern würde. In der Praxis kann das aber kaum permanent kontrolliert werden. Immerhin gibt es auf der Strecke Halle-Magdeburg auch einige Abschnitte, auf denen Lkw nicht überholen dürfen. Das gelte allerdings nur zu den Stoßzeiten, betont Stefan Hörold. Auf den betroffenen Streckenabschnitten sei letztlich die Verkehrslage schwierig, etwa durch Sichtverhältnisse und Anstiege oder an Unfallschwerpunkten, die sich aus Überholvorgängen von Lkw ergeben, erklärt Hörold.

Diese begrenzten Lkw-Überholverbote gelten von Montag bis Freitag zwischen 6 und 18 Uhr. Also im Pendlerverkehr, aber nicht in der Nacht und am Wochenende. Das ist letztlich ein Kompromiss.

A14 Halle-Magdeburg: Leitsysteme nicht geplant

Abhilfe könnten sogenannte intelligente Leitsysteme schaffen. Diese überwachen permanent den Verkehr und reagieren direkt, wenn es eng wird. Doch diese Systeme seien zwischen Halle und Magdeburg momentan nicht geplant, sagt Hörold. Für die Aufstellung von Bundesverkehrswegeplänen, die solche Systeme, bei denen die Verkehrsprognose als Grundlage diene, berücksichtigten, würden entsprechende Berechnungen durchgeführt. "Demnach ist hier kein Ausbau vorgesehen", sagt Hörold.

Für die Pendler heißt das, den Fuß notgedrungen auch mal vom Gaspedal herunter zu nehmen. Und für die Lkw-Fahrer: Überholen ja. Aber nur dort, wo es auch erlaubt ist.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 21. Oktober 2020 | 06:26 Uhr

18 Kommentare

Ich bins vor 18 Wochen

Einfach mal in der Urlaubszeit unter der Woche über den Brenner in Richtung Südtirol fahren. Von Innsbruck über Sterzing bis Trentino fahren. Dann kann man mal sehen, was passiert wenn generelles Lkw-Überholverbot in Deutschland flächendeckend dann eingeführt wird. Da fährt ein Lkw nach dem anderen hintereinander weg. Und dann kommen mal schnell 80-100 km Lkw-Stau zusammen. Wenn sowas in Deutschland kommen sollte, dann Gute N8 Marie.

Ich bins vor 18 Wochen

Als wenn dieser Hörer keine anderen Sorgen hat. Der sollte mal eine Woche bei mir mitfahren, dann wird er solch eine Frage an den Mdr garantiert nicht mehr stellen. Die Einladung meinerseits steht, der kann gerne anrufen. Und die Pkw Fahrer werden sich garantiert keinen Zacken aus der Krone brechen, wenn sie 5 Minuten später da ankommen werden wo sie hin wollen. Allerdings schüttele ich als Lkw Fahrer auch den Kopf, wenn andere Lkw Fahrer ein Elefantenrennen veranstalten.

Tobs vor 18 Wochen

Hallo Harka 2 und alle anderen, die es interessiert!

Lkw, Busse und Videofahrzeuge der Polizei sind verpflichtend regelmäßig zur Tachometer Prüfung vorzustellen. Das heißt, dass diese Fahrzeuge (sofern nicht wieder daran manipuliert wird) genauso schnell fahren, wie der Tacho dies anzeigt.
Alle anderen, also auch ihr PKW unterliegen der gesetzlich geregelten Voreilung! Siehe EU-Richtlinie 75/443/EWG.

Und im Extremfall zeigt ihr PKW 114 KM/H an obwohl sie in Wirklichkeit nur echte 100 km/h fahren... So wie der Bus hinter ihnen!

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