Suche nach großen Erfindungen Ein Jahr Agentur für Sprunginnovationen in Leipzig

MDR-Wirtschaftsjournalist Ralf Geißler
Bildrechte: Ralf Geißler

Deutschland galt einmal als Land der Erfinder. Doch die wirklich großen Ideen kamen zuletzt alle aus dem Ausland, wie das Smartphone oder das Elektroauto. Damit Deutschland wieder Bahnbrechendes erfindet, hat die Bundesregierung die Agentur für Sprunginnovationen gegründet, mit Sitz in Leipzig. Unter großem Presseecho und ausgestattet mit einer Milliarde Euro ging sie vor einem Jahr an den Start.

Rafael Laguna de la Vera
Sprunginnovationen könnten jahrhundertelange positive Auswirkungen haben, sagt Agentur-Chef Rafael Laguna de la Vera. Bildrechte: dpa

Hinter einer Innovation vermutet man ja einen jungen Erfinder. Horst Bendix ist bereits 90 Jahre alt. Der Leipziger hat Kräne gebaut und tüftelt seit 30 Jahren an Windrädern, die fast doppelt so hoch sind wie die heute üblichen.

Dank einer Förderung der Agentur für Sprunginnovationen können die Windräder nun gebaut werden. Denn deren Chef Rafael Laguna de la Vera glaubt an das Potenzial der Idee. Die Höhenwindräder könnten wesentlich leichter gebaut werden, weil der Generator und alles, was schwer sei, nach unten verlegt würde. Außerdem sei das Getriebe wegoptimiert, wodurch die Windräder höher gebaut werden könnten. Das führe dazu, dass die Windleistung viel höher sei, erklärt der Agenturchef. Und letztlich führe die Idee dazu, "dass der Preis des Stroms, den wir dort produzieren, eine Schwelle unterschreitet, was den Windstrom sehr, sehr, sehr attraktiv macht", betont Laguna de la Vera.

Höhenwindräder sind bisher einziges Projekt

Laguna de la Veras Agentur für Sprunginnovationen soll Erfindungen fördern, die eine Branche umkrempeln könnten und einen wirklichen Sprung nach vorn machen. Die Höhenwindräder sind bislang allerdings ihr einziges großes Projekt. Das klingt, ein Jahr nach Agenturgründung, nicht nach einem fulminanten Start. So sehe das auch Laguna de la Vera als Unternehmer. Aber man darf dem Agenturchef zufolge nicht vergessen, dass er erst vor etwas mehr als einem Jahr berufen worden ist, die Agentur überhaupt zu gründen. Gegründet worden sei die Agentur im Neuen Rathaus im Dezember. Laguna de la Vera habe ab 01. Januar 2020 halbtags und ab 01. Juni 2020 Vollzeit dort gearbeitet. Mitarbeiter seien unterwegs aufgebaut worden, sodass sich die Agentur nun in einer Größenordnung von ungefähr 25 Mitarbeiterin befinde, erklärt Laguna de la Vera.

"Risikoscheue" Agentur-Beamte?

In Summe soll die Agentur 45 Mitarbeiter erhalten. In den vergangenen Monaten, erzählt Laguna de la Vera, habe man 300 Projekte gesichtet, zehn hätten eine Finanzierung erhalten, um ihr Konzept nachzuschärfen. Darunter ein Vorhaben, das Gewässer von Mikroplastik reinigen will. Und ein Analog-Computer, der schneller sein soll als ein digitaler.

Getragen wird die Agentur von zwei Bundesministerien. Joachim Ragnitz vom ifo-Institut für Wirtschaftsforschung in Dresden fragt sich genau deshalb, ob die Agentur leisten könne, was sie leisten solle: "Beamte oder öffentliche Angestellte sind typischerweise eher risikoscheu. Haben möglicherweise auch nicht die Fachkenntnisse, die dafür erforderlich sind, sehr spezifische Innovationen dann auch beurteilen zu können. Da wird sich so eine Agentur immer beraten müssen mit Beiräten, die aus der Wissenschaft kommen, die auch aus der Wirtschaft kommen."

Weitreichende positive Veränderungen erzielen

Laguna de la Vera sagt, seine Mitarbeiter brächten viel Expertise mit. Die Entscheidung über ein Projekt treffe am Ende ein Aufsichtsrat aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik. Die Ministerien ließen bei der Auswahl weitgehend freie Hand. Es sei eingeplant, dass genial klingende Ideen auch mal scheiterten. Und es müssten ja nicht so viele Ideen erfolgreich sein, betont Laguna de la Vera: "Sprunginnovationen haben ja die Eigenschaft, große positive Veränderungen hervorzurufen. Wir dürfen ja nicht vergessen, dass unser Wohlstand noch auf den Sprunginnovationen von vor 100 bis 120 Jahren beruht. Das heißt, wenn wir zwei bis drei von denen jetzt schaffen in den nächsten zehn Jahren und damit für den Wohlstand der nächsten 100 Jahre sorgen, dann haben wir unseren Job gemacht."

Dass seine Agentur in Leipzig sitzt und nicht in Berlin, sieht Laguna de la Vera positiv. Da sei man raus aus der Hauptstadtblase. Und es ist für ihn auch eine persönliche Rückkehr. Laguna de la Vera ist in Leipzig geboren. Mit zehn Jahren zog er mit den Eltern in den Westen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 21. Oktober 2020 | 11:26 Uhr

3 Kommentare

Auf der Sonnenseite des Lebens vor 12 Wochen

"Haben Sie sich informiert, was ein "Höhenwindrad" "

steht doch im Artikel des MDR.

Wenn da etwas nicht stimmen sollte, wenden sie sich doch bitte an die Redaktion!

Auf der Sonnenseite des Lebens vor 12 Wochen

das ist eine sehr gute Idee mit den doppelt so hohen Windrädern.
Die sollten alsbald wie möglich gebaut werden, am besten um das Grundstück von Herrn Laguna de la Veras

Peter vor 12 Wochen

Sonnenseite: Haben Sie sich informiert, was ein "Höhenwindrad" ist und wie es funktioniert? Wohl kaum. Man sieht´s an dem, was Sie schreiben.