Symbolbild - Internetkabel und Glasfaser
In Leipzig hat sich eine Community gegründet, um das "Internet der Dinge" Wirklichkeit werden zu lassen. Bildrechte: imago/Christian Ohde

"The Things Network Mitteldeutschland" Wie das "Internet der Dinge" unser Leben verändert

Kürzlich hat sich eine kleine Gruppe in Leipzig getroffen, die in Mitteldeutschland das "Internet der Dinge" auf die Beine stellen will. Die Idee dahinter: Alle möglichen Dinge werden mit Sensoren ausgestattet. Die Sensoren senden Signale, wenn sich etwas verändert. Das könnte etwa den Schutz vor Hochwasser revolutionieren oder bei der Suche nach verlorenen Haustieren helfen. Aber was genau ist das "Internet der Dinge"?

von André Seifert, MDR AKTUELL

Symbolbild - Internetkabel und Glasfaser
In Leipzig hat sich eine Community gegründet, um das "Internet der Dinge" Wirklichkeit werden zu lassen. Bildrechte: imago/Christian Ohde

Jörg Martin möchte in Sorgau im mittleren Erzgebirge einen Alpakahof eröffnen, um die Wolle zu verkaufen. Noch allerdings zögert er, denn: "Ich habe auch gelesen, weil die Tiere relativ teuer sind, dass doch immer wieder Tiere gestohlen werden. Das ist ein massiver Verlust für die Besitzer der Tiere", sagt Jörg Martin.

Lamas auf einer Wiese im Norden Brandenburgs.
Das Internet der Dinge könnte Jörg Martin seinen Alpakahof ermöglichen. Bildrechte: picture alliance/dpa

Weil er viel unterwegs ist, kann Jörg Martin die Alpakas nicht rund um die Uhr überwachen. Was also tun? Das "Internet der Dinge" soll helfen. Jörg Martin erklärt es so, die Idee sei, die Alpakas mit Wildschutzzäunen einzuzäunen und die Zäune entsprechend zu überwachen.

Kleine Sensoren im Metallzaun registrieren also, wenn der  Stromfluss unterbrochen wird, weil zum Beispiel Diebe ein Loch hineingeschnitten haben. Und dann schlagen die Sensoren Alarm. Sie informieren über ein spezielles Funknetz, dass etwas nicht stimmt. So funktioniert das Internet der Dinge.

Vom Deich bis zum Herzschrittmacher

Das wird, glaubt man Experten, unseren Alltag grundlegend verändern. Schon in wenigen Jahren werden alle möglichen Gegenstände mit allen möglichen Sensoren ausgestattet sein, die alle möglichen Informationen irgendwo hinschicken.

Roboter arbeiten in einem Lager
In China arbeiten durch das "Internet der Dinge" bereits Roboter eigenständig in Lagerräumen. Bildrechte: imago/Xinhua

Brücken oder Deiche senden Signale an Behörden, wenn sie zu stark vibrieren, Gewässer, wenn sie verdrecken, Glascontainer, wenn sie voll sind, Straßen, wenn sie vereist sind. Lagerpaletten informieren den Gabelstaplerfahrer, dass sie angekommen sind. Haustiere ihren Besitzer, wenn sie sich zu weit entfernen. Herzschrittmacher, wenn sie auszufallen drohen. Selbst Parklücken versenden Signale, wenn ein Autofahrer ohne Parkschein hineinfährt.

"The Things Network Mitteldeutschland" gegründet

Das alles ist sehr nützlich, frisst aber auch sehr viel Strom. Und deshalb wurde dafür ein spezielles Funknetz entwickelt, das besonders wenig Strom verbraucht, trotzdem aber eine große Reichweite hat.

Schon jetzt werden solche Netze betrieben, und zwar von sogenannten Communities. Eine davon ist das sogenannte "The Things Network Mitteldeutschland", kurz TTN, das es erst seit wenigen Wochen gibt, erklärt Initiator Steffen Grau.

Er sagt: "Grundsätzlich haben wir die Community im Mai diesen Jahres erst wirklich neu gegründet. Und wenn man sich die Deutschlandkarte anschaut, gibt es große Communities in Berlin, im Stuttgarter Raum. Der Raum Mitteldeutschland war komplett leer. Und das war auch der Grund, wo wir gesagt haben, lass uns hier eine Community gründen."

Technik für "Internet der Dinge" existiert schon

"Internet of Things Cafe" steht an einem Stand auf der Hannover Messe.
In Hannover fand dieses Jahr bereits eine Messe zum Thema "Internet der Dinge" statt. Bildrechte: picture alliance/dpa

Mitmachen in so einer Community kann jeder. Gemeinden, Unternehmen, Privatpersonen. In Mitteldeutschland sind bislang 26 Mitglieder dabei, darunter das IT-Unternehmen Gisa. Die Mitglieder tragen bestenfalls dazu bei, dass sich das Funknetz vergrößert.

Das teuerste dabei sei die Übertragungstechnik, erklärt Gisa-Bereichsleiter Ingo Schöbe: "Mit in Summe vielleicht 20.000 Euro haben Sie ein gut abgedecktes Netz auf einem Landkreis. Einen durchschnittlichen Landkreis, den leuchten Sie für das Geld aus."

Das Internet der Dinge ist damit also keine Zukunftsmusik. Die Übertragungstechnik ist da. Auch viele Sensoren sind schon entwickelt. Auch der, den Jörg Martin benötigt, um seinen Alpakahof im Erzgebirge zu eröffnen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 07. September 2019 | 09:18 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. September 2019, 05:00 Uhr