Start-Up Melodrive Künstliche Intelligenz: Musik von Robo-Beethoven

Es ist eine der meistgenannten Technologien in diesem Jahr: KI. Ohne Künstliche Intelligenz kam kaum ein neu vorgestelltes Gerät aus. Ob aber überall KI drin steckt, wo es drauf steht, ist fraglich. Geforscht und ausprobiert wird mit KI allerdings eine ganze Menge. Unter anderem auch im Berliner Start-Up Melodrive. Dort wird KI und Musik zusammengebracht.

Künstliche Intelligenz (KI)
Künstliche Intelligenz wird in immer mehr neuen Geräten eingesetzt und entwickelt sich stets weiter. Jetzt hat eine KI sogar Musik komponiert. Bildrechte: imago images / Panthermedia

Was er studiert hat, ist schräg. Das sagt Valerio Velardo selbst. Abgesehen von ein bisschen Astrophysik hat er einen Doktortitel in Musik und „Künstlicher Intelligenz“. Folgerichtig, dass der Italiener heute das macht, was genau zu seiner Doktorarbeit passt. Velardo hat Melodrive gegründet. Ein Berliner Start-up, das mithilfe künstlicher Intelligenz automatisch Musik generieren kann. Velardo erklärt, wie das funktioniert:

"Wir haben vor allem ein Musik-KI-Software-Modul gebaut. Es generiert Musik für Videospiele in Echtzeit. Das Besondere: Die Musik verändert sich, je nachdem, was auf dem Bildschirm geschieht. Wenn dich zum Beispiel ein Monster attackiert, wird die Musik aufregender, wenn alles entspannt ist, ist die Musik auch ruhig."

Meldodrive hat die KI-Software im September 2018 veröffentlicht. Auf Youtube zeigt die Firma, wie schnell sich die Musik verändert, von unbeschwert zu traurig.

Ein eigener Soundtrack für jeden Spieler

Die verschiedenen Musikthemen werden bislang einzeln komponiert. Melodrives KI entwickelt Musik aus den Ideen eines menschlichen Komponisten, sagt Velardo:

"Was uns vorschwebt, ist eine Verschiebung, wie Komponisten interaktive Musik erschaffen. Weg von einem Menschen, der alle Noten zu jeder Situation im Spiel schreibt – hin zu einer Art Regisseur, der der KI wie einem Schauspieler sagt, was sie zu tun hat. Es gibt ein Drehbuch mit den Grundideen, die KI liest das Drehbuch, kennt alle Parameter im Computerspiel und setzt das Drehbuch spontan so um, dass es mit dem Erlebnis des Computerspielers übereinstimmt."

So bekommt jeder Computerspieler einen eigenen Soundtrack – ein eigenes Erlebnis hat jeder Computerspieler schon heute, denn jeder spielt ein Spiel anders.

KI als "Sparringspartner" für Komponisten

Und die Musik: Sie wird so zu etwas Nicht-Linearem, etwas Dynamischem, das sich permanent verändern kann. Denkbar zum Beispiel, dass sich die Musik ändert, je nach der Emotion des Hörers, nach seinem Geschmack oder was er gerade macht. Velardo nutzt folgenden Vergleich:

"Das ist wie live komponieren, live improvisieren. Stell dir ein Computerspiel vor, bei dem der Komponist im Spiel sitzt und sieht, was auf dem Bildschirm geschieht und dann ganz schnell Musik schreibt und sie einer Band oder einem Orchester gibt. Alles in Echtzeit."

Melodrives KI kommt trotzdem nicht ohne Komponisten aus. Velardo vergleicht seine KI mit einem Sparring-Partner für Komponisten.

"Als Komponisten sitzen wir quasi in unsere Musikblase fest. Ich komme aus der klassischen und der zeitgenössischen Kunstmusik und bin zum Beispiel nicht vertraut mit Jazz. Eine KI als Sparring-Partner könnte mir Ideen außerhalb meiner Blase geben. Und diese Ideen könnte ich in Musik umsetzen, an die ich nie denken würde."

Beethoven beim Zocken? Möglich!

Mit seiner KI lässt sich vor allem Produktionsmusik schneller entwickeln. Sie kommt vor allem in Werbespots, Fernseh- oder Radio-Clips oder eben Computerspielen zum Einsatz. Velardo sagt, einige Komponisten für Produktionsmusik nutzten bereits KI. Am spannendsten findet Valerio Velardo allerdings eine andere Idee:

"Die Idee, eine unendliche Version von dir zu erschaffen. Musik in einem Computerspiel soll sich permanent verändern, ohne dass der Komponist tatsächlich im Spiel steckt. Aber: Er könnte ein Model trainieren, das seine Ideen fortsetzt und im Spiel Musik schreibt, so wie es meinetwegen Beethoven machen würde."

Ein Computerspiel mit Musik von Beethoven. Undenkbar ist das nicht: Denn wenn eine KI genug Daten hat, in diesem Fall Beethovens Musik, kann sie die auswerten, Muster erkennen und dann neue Musik dieser Art entstehen lassen. Zweifelhaft aber, ob das Ergebnis an Beethoven heran reichen würde.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 04. Januar 2020 | 05:00 Uhr

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