FaceApp
"FaceApp" ist inzwischen auf vielen Smartphones installiert. Bildrechte: imago images / ZUMA Press

Datenschutz Russische "FaceApp" nutzt ähnlich viele Daten wie andere Apps

Neuer Trend im Netz: Fotos, auf denen man 30 Jahre jünger oder älter aussieht. Oder als hätte man sein Geschlecht gewechselt. Die "FaceApp" macht es möglich. Politiker und Datenschützer aus den USA warnen aber vor einem großen Spionageangriff durch Russland.

von Jessica Brautzsch, MDR AKTUELL

FaceApp
"FaceApp" ist inzwischen auf vielen Smartphones installiert. Bildrechte: imago images / ZUMA Press

Sänger Sam Smith mit grauem Rauschebart, US-Präsident Donald Trump als Frau und der für einen DJ eh recht alte David Guetta sieht sogar noch älter aus. Die "FaceApp" ist wirklich für einen Lacher gut. Neu ist sie dagegen nicht. Seitdem aber die Promis die 2017 erschienene App für sich wieder entdeckt haben, führt sie die Google App-Charts an - mit mehreren 100 Millionen Downloads. 

"FaceApp" verlangt Zugriff auf Daten

Mark Forster bearbeitet mit FaceApp
Mark Forster wird per FaceApp zu einem breiten Grinsen gezwungen. Bildrechte: MDR JUMP/Hagen Wolf

Doch kaum auf dem Höhepunkt des Ruhmes angekommen, melden sich Kritiker und sagen: Die App verlange einen viel zu tief gehenden Zugriff auf die Nutzerdaten. Stimmt, sagt Ralph Walther von der Verbraucherschutzzentrale Thüringen. Berechtigt sei die Aufregung aber nicht. Zwar sei auch bei der "FaceApp" das Datenschutzrisiko erheblich, aber das sei bei fast allen anderen kostenlosen Apps im Alltagsgebrauch ähnlich.

FaceApp räumt sich eine Menge Zugriffsrechte ein – zum Beispiel auf die Kontakte, auf Termine und wesentliche Inhalte des Smartphones, das Recht, die hochgeladenen Bilder selbst zu verwenden, auch für kommerzielle Zwecke. Das ist schon hart. Aber das machen Facebook und andere auch.

Ralph Walther Verbraucherschutzzentrale Thüringen

Spioniert "FaceApp" für Russland?

Die Kritiker der App setzen diesem erheblichen Datenzugriff aber noch die Krone auf. Denn "FaceApp" stammt von einem russischen Entwickler. Und den USA scheint die vermeintliche russische Datenmanipulation bei der vergangenen Präsidentenwahl noch in den Knochen zu stecken. Deshalb haben US-Politiker unter anderem das FBI aufgefordert, die App auf Datenschutz- und Sicherheitsrisiken zu untersuchen. Der Verdacht: Das Programm speichert alle Daten auf einem russischen Server in St. Petersburg.

Selfies landen auf Servern in den USA

Doch verschiedene Experten springen den russischen Entwicklern zur Seite: Die Bilder müssen auf einem externen Server zwischengespeichert werden, weil die benötigte Rechenleistung, um ein Bild altern zu lassen, zu hoch für ein Smartphone ist. Die russische Entwicklerfirma bestätigte diese Theorie: Die Bilder würden zwar für 48 Stunden gespeichert werden, allerdings in den USA bei Amazon oder Google.

Für Ralph Walther von der Verbraucherschutzzentrale Thüringen ist dieses Detail allerdings egal:

Ralph Walther, Geschäftsführer der Verbraucherzentrale Thüringen und Dirk Weinsheimer, Referatsleiter Baurecht und Energierecht bei der Verbraucherzentrale Thüringen reden bei einem Interviewtermin.
Ralph Walther: Auch Facebook nutzt viele Daten. Bildrechte: dpa

Das spielt für meine Begriffe keine große Rolle, ob das jetzt in Russland, in Tennessee oder in Ohio ist. Wichtig ist nur, da haben irgendwelche Personen, die weit weg sitzen, irgendwelche Zugriffsrechte.

Ralph Walther Verbraucherschützer

Und das kann in Zeiten von biometrischen Daten und künstlicher Intelligenz tatsächlich ein beunruhigender Gedanke sein.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 19. Juli 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Juli 2019, 05:00 Uhr

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3 Kommentare

19.07.2019 17:49 Ralf Richter 3

Ich möchte die Aussagen von @1: "Wer FaceApp nutzt ist selbst Schuld." noch ergänzen. Wer Facebook, Instergram, Alexa & Co. nutzt, ist selber schuld. Jedes "smarte" Gerät ist ein potentieller Spion und keiner kann genau sagen, wer diese Daten abschöpft und wofür sie genutzt werden.
Ich möchte nur ein lebenswertes Leben, nicht zwingend ein smartes.

19.07.2019 08:25 Gerd Müller 2

Ich gebe lieber meine Daten dem Russe als dem Ami. Zu wem hat man mehr vertrauen?
Wer hat mehr Kriege zu verantworten? Damit erübrigt sich alles.

19.07.2019 08:04 colditzer 1

Wer FaceApp nutzt ist selbst Schuld.
Egal wer Erfinder oder Bearbeiter ist.
Face App ist erstaunlicherweise auf russischem Mist gewachsen.
Wie so vieles.
Anfangs noch in St. Petersburg, hat Wireless App seinen Sitz inzwischen im Innovationszentrum "Skolkowo" bei Moskau.
Interessant aber, FaceApp Inc. ist der Website "Global Post" zufolge in North Carolina registriert.
Der Entwickler und Programmierer Gontscharow hat auch schon für Microsoft gearbeitet.
Er ist also in den USA und in der Szene kein Unbekannter.
Und auch wenn das Kern-Team in Russland arbeitet, es werden keine Daten dorthin transferiert, sondern auf Amazon-Server in den USA und von Google in Irland und Singapur.
Letztendlich haben nicht die russischen Behörden sondern CIA und NSA Zugriff auf die Daten.