Sicherheit für Radfahrer Mit Poolnudel auf Abstand

Seit 28. April gilt laut StVO: Beim Überholen von Radfahrern muss innerorts ein Abstand von 1,50 Meter eingehalten werden. Bundesweit machen Radfahrer mit Poolnudel-Aktionen darauf aufmerksam. So auch in Magdeburg.

Seit dem 28. April sind laut Straßenverkehrsordnung (StVO) beim Überholen von Radfahrenden innerorts 1,50 Meter Abstand vorgeschrieben. Dass dies oft anders ist, zeigt sich immer wieder im Straßenverkehr. Um Auto-, Bus- und Motorradfahrern vor Augen zu führen, wie viel Zwischenraum sie beim Überholen zu Radfahrern einhalten müssten, schnallen Radfahrer bundesweit immer wieder Poolnudeln auf die Gepäckträger.

Unfälle mit Fahrradfahrern – zu 78 Prozent von Autofahrern verschuldet

Franziska Körner und Dr. Armin Gross von der "Initiative Magdeburger Radkultur" lassen die "Umschau" bei einer solchen Aktion über ihre Fahrradschulter schauen. Zuerst geht es ohne symbolischen Abstandshalter in der Ebendorfer Straße in Magdeburg auf die Strecke. Ziemlich knapp düsen viele Autos an den beiden vorbei.

Auto überholt Radfahrerin
Hier wurde es sehr knapp für Franziska Körner von der "Initiative Magdeburger Radkultur". Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das hat Folgen für die Fahrweise der Radler. "Ich merke beim Fahren, wenn ich sehe, da kommt ein Auto, dass ich mich schon mal ein bisschen nach rechts bewege, Weil ich eigentlich damit rechne, dass ich zu knapp überholt werde", erklärt Franziska Körner. Und bei einem Transporter wurde es gar ziemlich knapp im Testlauf ohne Poolnudel. Laut ADFC Magdeburg gab es im vergangenen Jahr 576 Unfälle mit Radfahrenden. In 78 Prozent der Fälle trugen die Autofahrenden statistisch daran die Schuld.

Autofahrer zeigen Verständnis für die Aktion

Mit der Poolnudel auf dem Gepäckträger fahren die zwei mit ihren Drahteseln eindeutig sicherer. Während des Testes warten alle Überholwilligen, bis sich ihnen eine Chance bietet, an den Rädern vorbeizufahren – ohne die Poolnudel auch nur ansatzweise zu berühren.

Radfahrer mit Poolnudel
Die Poolnudel hielt die Autofahrer auf Abstand, betont Dr. Armin Gross von der "Initiative Magdeburger Radkultur". Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Fahrer eines Kleintransporters verzichtet ganz aufs Überholen. Auf Nachfrage zeigen Autofahrer nach dem Test Verständnis für die Aktion. "Ich fahre auch viel Fahrrad. Das kann man als Aktion machen. Aber für den Alltag ist das nicht sinnvoll", erklärt ein Mann.

Radfahrer Dr. Armin Gross zeigt sich zufrieden mit dem Test. "Diesmal hat fast niemand überholt, wenn Gegenverkehr war. Und wenn ich überholt wurde, dann mit sehr großem Abstand. Also deutlich über 1,50 Meter hinaus", so sein Fazit. Mit der Poolnudel fühle man sich viel sicherer, betont Franziska Körner. "Weil die Leute viel mehr Abstand lassen beim Überholen. Und das zeigt mir, wie es sein könnte, wenn alle diesen vorgegebenen Überholabstand einhalten würden", sagt sie.

Das zeigt mir, wie es sein könnte, wenn alle diesen vorgegebenen Überholabstand einhalten würden.

Franziska Körner, Initiative Magdeburger Radkultur

Neues Schild: Zweiradfahrer überholen, verboten

Ist der Mindestabstand in engen Straßen nicht einzuhalten, können Städte und Gemeinden übrigens die neuen Fahrrad-Überholverbotsschilder aufstellen. Außerdem gilt beim Rechtsabbiegen für Kraftfahrzeuge jetzt Schrittgeschwindigkeit.

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Das Schild untersagt das Überholen von Zweirädern. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ebenfalls neu ist, dass das Halten auf Fahrrad-Schutzstreifen nun verboten ist. Mit diesen Regeln sollen Radfahrende sicherer unterwegs seien können. Bei Verstoß können Bußgelder und ein Punkt in Flensburg verhängt werden. Das durchgängig zu kontrollieren, dürfte aber sehr schwierig sein.

"Hier muss die kommunale Politik aktiv werden"

Armin Gross sieht bei der Verbesserung der Situation der Radfahrer im Straßenverkehr noch viel Handlungsbedarf. "Hier muss eigentlich die kommunale Politik aktiv werden und wirklich bessere, breitere Radwege schaffen", fordert er. 

Der Schutzstreifen in der Ebendorfer Straße in Magdeburg misst 1,25 Meter – gerade einmal die Mindestbreite. So lange Städte und Kommunen nicht bereit sind, massiv in den Ausbau der Fahrrad-Infrastruktur zu investieren, wird es für Radfahrende wohl weiter oft eng werden. Da kann auch die neue Straßenverkehrsordnung nur wenig ausrichten.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Umschau | 02. Juni 2020 | 20:15 Uhr