Ein Fahrschulauto
E-Autos in Fahrschulen sind die Ausnahme. Bildrechte: dpa

Alte Regelungen bremsen Elektroautos aus Fahrschulen sehen Benachteiligung von E-Autos

Die deutschen Fahrschulen werfen TÜV und Dekra vor, die Verbreitung von Elektroautos zu bremsen. Nur drei Modelle seien für Prüfungen zugelassen - unter anderem wegen Platzmangels auf der Rückbank für die Prüfer.

Ein Fahrschulauto
E-Autos in Fahrschulen sind die Ausnahme. Bildrechte: dpa

Der Verband deutscher Fahrschulen wirft TÜV und Dekra vor, die Verbreitung von Elektroautos mit überzogenen Regelungen zu behindern. Vorsitzender Rainer Zeltwanger beklagte in der "Süddeutschen Zeitung", dass in den bundesweit 12.000 Fahrschulen kaum E-Modelle eingesetzt würden. Dabei seien Elektroantriebe für Fahranfänger besonders gut geeignet, da das Schalten der Gänge wegfalle.

Der Fahrschulbetrieb auf E-Autos wird heute durch die deutsche Bürokratie systematisch gebremst, unter reger Mitwirkung von TÜV und Dekra.

Rainer Zeltwanger, Chef des Verbands deutscher Fahrschulen

Uralte Vorschriften

Die Ursache für die Zurückhaltung viele Fahrschulen bei der Umstellung auf E-Autos sieht der Verbandschef in jahrzehntealten Vorschriften, etwa mit millimetergenauen Vorgaben für den Platzbedarf. Festgelegt wurden die Regeln einst von den für technische Sicherheitsfragen zuständigen Organisationen TÜV und Dekra für ihre "staatlich anerkannten Sachverständigen oder Prüfer".

Doch viele E-Modelle haben damit ein Problem. So scheidet etwa der populäre Renault Zoe als Prüfungswagen aus, weil er den Raumbedarf auf der Rückbank nicht erfüllt.

Nur drei Modelle zugelasssen

Dem Bericht zufolge gibt es aktuell nur drei "prüfungszulässige" E-Autos: E-Golf, Tesla S und Nissan Leaf Zero. Doch beim E-Golf gebe es lange Lieferfristen und der Tesla sei mit Preisen ab 80.000 für viele Fahrschulen zu teuer.

Ein elektrisch angetriebener BMW i3 lädt an einer Ladesäule.
Der in Leipzig gebaute BMW i3 ist für Fahrschulprüfungen nicht zugelassen. Bildrechte: dpa

Bei einem anderen beliebten deutschen E-Wagen wurden die Regelungen kürzlich angepasst, um das Modell auszuschließen: Besonderheit beim BMW i3 ist, dass sich die Hintertüren nur öffnen lassen, wenn zuvor die vorderen Türen geöffnet wurden. Daher gilt für Prüfungswagen nunmehr, dass sich die Türen  "unabhängig voneinander" öffnen lassen müssen. Der Prüfer könnte sonst im Gefahrenfall eingeschlossen werden.

Prüfung im E-Auto gilt nur für Automatik-Modelle

Weitere Barriere beim Einsatz von E-Autos an Fahrschulen ist, dass die Prüfung im E-Auto nur zum Steuern von Automatikfahrzeugen berechtigt und nicht für Autos mit Gangschaltung gilt. Dazu gibt es einen Vermerk im Führerschein.

Wer später auch Autos mit Kupplung fahren möchte, muss bei TÜV oder Dekra eine Extra-Prüfung ablegen, die rund 200 Euro kostet. Etliche Fahrschulen unterrichten Schüler daher zuerst auf E-Autos und wechseln dann vor der Fahrprüfung auf Wagen mit Schaltung.

Bundesministerium kündigt Änderungen an

Das Bundesministerium für Verkehr und Infrastruktur hat den Widerspruch erkannt zwischen überholten Vorschriften und Förderung der Elektromobilität durch staatliche Prämien. Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" könnte die Prüfungsordnung schon bald geändert werden. Dann sollen sich Fahrschüler auch nach der Automatikprüfung zusätzlich an einem Wagen mit Schaltung testen lassen können - ohne neue Prüfung und Extra-Gebühren

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. Juli 2019 | 08:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Juli 2019, 12:52 Uhr

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3 Kommentare

22.07.2019 15:50 Wachtmeister Dimpfelmoser 3

Naja, so ganz seriöser Journalismus ist das nicht. Es gilt schon seit langem die gesetzliche Regelung, dass, wenn man seine Fahrprüfung auf einem Fahrzeug mit Automatik-Getriebe macht, man später auch keine Kraftfahrzeuge mit Schaltgetriebe führen darf. Umgekehrt gilt: Wer die praktische Fahrprüfung auf Kraftfahrzeugen mit Schaltgetriebe macht, darf (so er sie besteht) dann auch Fahrzeuge mit Automatik-Getriebe fahren. Der obige Artikel geht darauf überhaupt nicht ein und hat so einem Unterton der passiven Diskriminierung. Ansonsten besteht die Regelung somit auch für E-Autos völlig zu Recht, denn das Anfahren und Schalten mit Kupplung ist eines der zentralen Elemente des Autofahrens, die man bei einer Fahrausbildung auf dem E-Auto gar nicht lernen kann.

22.07.2019 14:06 Querdenker 2

Zitat: „Weitere Barriere beim Einsatz von E-Autos an Fahrschulen ist, dass die Prüfung im E-Auto nur zum Steuern von Automatikfahrzeugen berechtigt und nicht für Autos mit Gangschaltung gilt. Dazu gibt es einen Vermerk im Führerschein.“

Völlig richtig! Wer auch Gangschaltung fahren möchte, sollte sich für einen Schaltwagen bei der Fahrschule entscheiden und sich nicht von günstigeren Preisen und der Werbung der Fahrschulen blenden lassen.

Zitat: „Etliche Fahrschulen unterrichten Schüler daher zuerst auf E-Autos und wechseln dann vor der Fahrprüfung auf Wagen mit Schaltung.“

Ja und? Wer Schaltung fahren möchte, der muss auch nachweisen müssen, dass er er kann.

22.07.2019 13:56 Anton 1

Wenn für die Prüfer Rückbank zu klein, dann sollte auch für andere Menschen auf der Rückbank zu wenig Platz bleiben? Wozu baut man solche PKW überhaupt?