Fake News im Check Kinder sterben nicht durch das Tragen von Schutzmasken

Jessica Brautzsch
Bildrechte: MDR/Markus Geuther

Seit einigen Wochen verbreiten sich im Netz Meldungen über Kinder, die durch das Tragen von Mund-Nasen-Masken gestorben seien. Doch diese Meldungen sind eindeutig als Falschmeldungen widerlegt, Experten haben ihnen widersprochen. Dennoch schränkt das die Verbreitung der Falschmeldung kaum ein.

Ein Mädchen mit Maske in der Schule
Auch Kinder und Jugendliche tragen Masken in den verschiedensten Situationen. Dass das aber zum Tod führen kann, ist eine Falschmeldung und nicht bewiesen. Bildrechte: imago images / Rupert Oberhäuser

Die Geschichte begann am 7. September 2020. An dem Tag meldete die "Rheinpfalz"-Zeitung einen tragischen Vorfall: "Eine 13-jährige Schülerin ist am Montagmittag im Schulbus zusammengebrochen und verstarb kurze Zeit danach. Nach Auskunft der Polizei gab es gegen 13.45 Uhr bei Büchelberg im Bus einen medizinischen Notfall. Die Schülerin […] war mit ihren 32 Mitschülern im Bus auf dem Nachhauseweg."

Schnelle Verbreitung in sozialen Medien

Kurze Zeit später verbreitete sich diese Meldung in den sozialen Netzwerken. Allerdings mit einer neuen Behauptung: Das Mädchen sei durch das Tragen einer Mund-Nasen-Maske gestorben. Besonders von Kritikern und Kritikerinnen der Corona-Schutzmaßnahmen wird diese Meldung geteilt. Von Gruppen wie "Boykottiert den Mundschutz", von AfD-Bundestags-Abgeordneten, aber auch von Einzelpersonen.

Besonders aktiv ist dabei Bodo Schiffmann. Der HNO-Arzt, der sich in der Anti-Corona-Maßnahmen-Bewegung engagiert, verbreitet in mehreren Videos Behauptungen wie diese: "Es ist wieder ein Kind, das mit großer Wahrscheinlichkeit dadurch gestorben ist, dass es diese Maske getragen hat. [...] Tod, wegen Maske. Was muss noch passieren?"

Keine Belege für Behauptungen

Dass Kinder durch das Tragen einer Mund-Nasen-Maske gestorben sein sollen, wird mit CO2-Vergiftung erklärt. Doch da es dafür keinerlei Belege gibt, sei diese Behauptung höchst spekulativ und reißerisch, sagt Burkhard Rodeck, der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Kinder und Jugendmedizin.

Er erklärt weiter: "Hier gibt es keine Daten, weder im Kinder- und Jugendbereich noch im professionellen Bereich, dass eine Gesundheitsgefährdung im Sinne von Kohlendioxid-Retention oder verminderter Sauerstoffaufnahme eine Rolle spielt. Diese Masken sind nicht gas-dicht, sondern sie halten nur Tröpfchen zurück."

Dementsprechend könne ganz normal Sauerstoff ein- und Kohlendioxid ausgeatmet werden. Nur wer unter der Maske eine Panikattacke bekäme, könne vereinzelt Symptome durch die Maske entwickeln. Das träfe aber nur auf wenige Menschen zu. Auch der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin äußerte sich in verschiedenen Medien ähnlich.

Verbreitung schwer zu ahnden

Mittlerweile kursieren Meldungen über vier tote Kinder. Allerdings gibt es für drei dieser Todesfälle keine offiziellen Bestätigungen von Polizei oder Staatsanwaltschaft. Die Informationen kommen in der Regel von der angeblich "besten Freundin der Mutter" oder einem "befreundeten Arzt".

Aufgrund der Falschmeldungen hat die Polizei in einem Fall nun Ermittlungen eingeleitet. Allerdings dürfte es in Deutschland sehr schwierig sein, die Verbreitung von Falschnachrichten zu ahnden, erklärt Marie Nietan, die Referentin für Medienpolitik und Medienrecht beim Digitalverband Bitkom.

Marie Nietan erklärt: "Grundsätzlich ist es so, dass in Deutschland Meinungsfreiheit herrscht und man grundsätzlich alles sagen kann, was man möchte. Deshalb ist auch das Verbreiten von Falschmeldungen grundsätzlich nicht strafbar." Ausnahmen seien, wenn die Falschmeldungen mit Verleumdung oder übler Nachrede verbunden wären.

Die Obduktion des Mädchens, das in dem Bus kollabiert war, blieb vorerst ohne eindeutiges Ergebnis zur Todesursache. Im Netz kursiert die Meldung, dass es durch die Schutzmaske gestorben sei, dennoch weiter.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 05. Oktober 2020 | 05:48 Uhr