Viele Babys liegen zusammen auf der Neugeborenenstation im Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara in Halle in ihren Bettchen.
Aktuell gibt es kein bundesweites Register für Fehlbildungen. Das macht es schwierig, Zusammenhänge zu erkennen. Bildrechte: dpa

Neugeborene Ruf nach zentralem Melderegister für Fehlbildungen

Mehrere Handfehlbildungen bei Neugeborenen in Gelsenkirchen haben bundesweit für Aufmerksamkeit gesorgt. Bisher gibt es aber kaum Daten, um kurzfristig Schlüsse über eine bestimmte Häufung ziehen zu können. Nun werden Rufe nach einem zentralen Melderegister für Fehlbildungen bei Neugeborenen lauter.

Viele Babys liegen zusammen auf der Neugeborenenstation im Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara in Halle in ihren Bettchen.
Aktuell gibt es kein bundesweites Register für Fehlbildungen. Das macht es schwierig, Zusammenhänge zu erkennen. Bildrechte: dpa

Nach den gehäuften Fällen von Handfehlbildungen bei Neugeborenen in Gelsenkirchen werden Rufe nach einem zentralen Melderegister lauter. Nach Angaben des Thüringer Gesundheitsministeriums tauschen sich die Länder derzeit darüber aus, ob ein solches Register eingeführt werden soll.

Ein Sprecher erklärte MDR AKTUELL auf Nachfrage, man halte ein zentrales Melderegister für Fehlbildungen bei Neugeborenen für sinnvoll. Wichtig sei aber, dieses Register insbesondere zur Ursachenforschung zu nutzen und keine reine Datensammlung zu schaffen. Wie schnell auffällige Häufungen erkannt werden können, hänge auch von der Ausgestaltung der Datenerhebung ab.

Auch das sächsische Sozialministerium bezeichnete ein solches Melderegister als zielführend und sinnvoll. Wichtig sei aber, dass nicht jedes Land einzeln für sich arbeite, sondern man eine gemeinsame Lösung im Bund finde. Dazu sei man im engen Austausch mit Bund und Ländern. Auch der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte fordert ein bundesweites Register zu Fehlbildungen bei Neugeborenen und eine Meldepflicht.

Mitteldeutsche Kliniken bisher ohne Auffälligkeiten

Als einziges Bundesland hat bisher Sachsen-Anhalt ein Fehlbildungsmonitoring. Dort werden Daten vor der Geburt, zum Zeitpunkt der Geburt und bis ein Jahr nach der Geburt anonymisiert gesammelt und ausgewertet. Auffällige Häufungen habe es hier in vielen Jahren nicht gegeben, erklärt Leiterin Dr. Anke Rißmann.

Das Sozialministerium in Magdeburg bewertet das Monitoring dennoch als Erfolg: Erst somit seien Aussagen zu aktuell auftretenden Phänomen der scheinbaren Häufung und deren Einordnung im zeitlichen Trend möglich, erklärte ein Sprecher.

Wir brauchen in Deutschland eine verpflichtende Meldungsstruktur über Fehlbildungen.

Prof. Dr. Holger Stephan Abteilung Pränatal- und Geburtsmedizin an der Universitätsklinik Leipzig

Um aber bei Bedarf schnell verlässliche Daten zu haben, sprechen sich auch die größeren Kliniken in Mitteldeutschland für ein Meldesystem aus. Zugleich verweisen die Ärzte darauf, dass bestimmte Häufungen auch schlicht dem Zufall geschuldet sein können. So komme es vor, "dass eine seltene Erkrankung für eine lange Zeit nicht aufgetreten ist, und dann plötzlich mehrere Kinder nacheinander betroffen sind", erklärte Prof. Dr. Mario Rüdiger vom Universitätsklinikum Dresden dem MDR Gesundheitsmagazin "Hauptsache Gesund". "Hier muss man Wachsamkeit an den Tag legen, aber nicht in Panik verfallen".

Bisherige Statistiken lückenhaft

Bisher gibt es nach Angaben des Bundesgesundheitsministerium im Wesentlichen zwei Statistiken, die Aufschluss über Fehlbildungen geben können: Die sogenannte Perinatalstatistik erfasst den Zeitraum kurz vor, während und kurz nach der Entbindung. Die enthält allerdings keine Informationen über die Art der Fehlbildungen, sodass auch keine Rückschlüsse über auffällige Häufungen einzelner Diagnosen möglich sind.

Die Krankenhausdiagnose-Statistiken dagegen erfassen zwar die spezifischen Diagnosen – jedoch nur bei stationären Behandlungen. Zudem wird ein Kind, das zweimal im Krankenhaus behandelt wurde, als zwei Fälle gezählt. Rückschlüsse über die Anzahl der Betroffenen sind damit nicht möglich.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. September 2019 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. September 2019, 19:56 Uhr

1 Kommentar

Critica vor 4 Wochen

Bitte, liebe Politiker, springt nicht auf jeden Zug auf, der Euch vor die Füße fährt. Bleibt erst einmal bei den Dingen, die vor Wochen schon angedacht, beschlossen und bis heute nicht durchgeführt sind!
Nächste Woche wird vielleicht erkannt, dass Jungs anders pupsen als Mädchen :) und gleich wird daraus wieder ein Politikum gemacht.
Erst alte Aufgaben abarbeiten....