Nach verheerenden Explosionen 16 Hafen-Mitarbeiter in Beirut festgenommen

Beirut: Ein Menschen stehen vor einem Gebäude im Hafen, das durch eine Explosion zerstört wurde. Nach den verheerenden Explosionen in Beirut mit mindestens 130 Toten ist Frankreichs Staatschef Macron in der libanesischen Hauptstadt eingetroffen, um die Solidarität Frankreichs gegenüber den Libanesen ausdrücken.
Nach den verheerenden Explosionen in Beirut sind 16 Menschen, meist Mitarbeiter der Hafenverwaltung und der Zollbehörde, festgenommen worden. Bildrechte: dpa

Zwei Tage nach den verheerenden Explosionen sind in Beirut 16 Menschen festgenommen worden. Die Militärstaatsanwaltschaft teilte mit, dabei handele es sich vor allem um Mitarbeiter der Hafenverwaltung und der Zollbehörde. In Gewahrsam seien aber auch Verantwortliche für Wartungsarbeiten und Arbeiter, die an Bauarbeiten am explodierten Hangar Nr. 12 beteiligt waren. Unklar blieb, was genau den Verhafteten vorgeworfen wird.

Explosion von Ammoniumnitrat

Libanesische Soldaten suchen in den Trümmern nach Überlebenden nach einer massiven Explosion im Hafen von Beirut
Die Explosion zerstörte große Teile Beiruts. Bildrechte: dpa

Am Dienstagabend hatten zwei gewaltige Explosionen im Hafen von Beirut große Teile der Stadt zerstört. Nach Angaben der Behörden waren 2.750 Tonnen Ammoniumnitrat explodiert, das jahrelang ohne die nötigen Sicherheitsvorkehrungen in einer Lagerhalle untergebracht war. Ammoniumnitrat kann für Düngemittel oder zur Herstellung von Sprengstoff verwendet werden.

Vier Tage Zeit für Untersuchungskommission

Die libanesische Regierung hatte zuvor eine rasche Klärung der Hintergründe der Katastrophe angekündigt. Sie setzte eine Untersuchungskommission ein und gab ihr "maximal vier Tage Zeit, einen detaillierten Bericht über die Verantwortlichkeiten vorzulegen".

Mehr als 130 Tote und Tausende Verletzte

Durch die Explosionen wurden nach neuesten Angaben der Behörden mindestens 137 Menschen getötet und mehr als 5.000 weitere verletzt. Unter den Todesopfern ist auch eine Mitarbeiterin der deutschen Botschaft. Dutzende Menschen werden noch vermisst. Bis zu 300.000 Menschen wurden obdachlos, halb Beirut ist zerstört oder beschädigt.

THW-Mitarbeiter suchen nach Verschütteten

Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerk bereiten sich auf den Abflug in die libanesische Hauptstadt Beirut vor
THW-Mitarbeiter auf dem Weg nach Beirut Bildrechte: dpa

Zahlreiche Länder schicken Hilfe in den Libanon. Am Donnerstag begannen 50 Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks aus Deutschland mit der Suche nach Verschütteten in Beirut. Außerdem trafen eine Korvette der Bundesmarine mit medizinischem Personal sowie eines ihrer Flugzeuge mit einem Erkundungsteam in Beirut ein.

Macron kündigt Hilfskonferenz an

Als Reaktion auf die Zerstörung kündigte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron eine internationale Hilfskonferenz für den Libanon an. Er hatte als erster Staatschef Beirut nach der Katastrophe besucht, um sich ein Bild von den Zerstörungen zu machen.

Libanesen fordern Sturz der Regierung

Bei seiner rund 45-minütigen Visite im schwer getroffenen christlichen Stadtviertel Gemmayseh forderte eine aufgebrachte Menschenmenge die Unterstützung des französischen Staatschefs zum Sturz der libanesischen Regierung. In Online-Netzwerken forderten viele Libanesen den Rücktritt des gesamten Kabinetts.

Ammoniumnitrat Explosion am Hafen von Beirut

Eine gewaltige Explosion hat am Dienstag die libanesische Hauptstadt Beirut erschüttert – offenbar war ein Ammoniumnitrat-Lager im Hafen in die Luft gegangen. Es gab zahlreiche Tote und Verletzte.

Ein gewaltige Explosion am Hafen hat Beirut erschüttert.
Ein Anwohner hat die Explosion am Hafen mit seinem Handy gefilmt. Bildrechte: AP
Ein gewaltige Explosion am Hafen hat Beirut erschüttert.
Ein Anwohner hat die Explosion am Hafen mit seinem Handy gefilmt. Bildrechte: AP
Ein gewaltige Explosion am Hafen hat Beirut erschüttert.
Zuerst erkennt man nur eine Rauchwolke, dann explodiert die Lagerhalle. Bildrechte: AP
Ein gewaltige Explosion am Hafen hat Beirut erschüttert.
Nach ersten Erkenntnissen detonierten am Hafen fast drei Tonnen Ammoniumnitrat. Bildrechte: AP
Ein gewaltige Explosion am Hafen hat Beirut erschüttert.
Die Druckwelle ist in diesen Smartphone-Bildern deutlich zu erkennen. Bildrechte: AP
Ein gewaltige Explosion am Hafen hat Beirut erschüttert.
Sekunden nach der Explosion schießt dunkler Rauch in den Himmel von Beirut. Bildrechte: AP
Ein gewaltige Explosion in Beirut hat das Hafenviertel in Schutt und Asche gelegt.
Einen Tag später zeigen Luftaufnahmen die Ausmaße der gigantischen Zerstörung. Bildrechte: AP
Ein Hubschrauber fliegt einen Löscheinsatz nach einer massiven Expolsion im Hafen von Beirut
Mit Hubschraubern wird im Hafen von Beirut gelöscht. Bildrechte: dpa
Menschen evakuieren Verwundete nach einer Explosion in der libanesischen Hauptstadt Beirut
Ganze Straßenzüge in der libanesischen Hauptstadt sind zerstört. Bildrechte: dpa
Libanesische Soldaten suchen in den Trümmern nach Überlebenden nach einer massiven Explosion im Hafen von Beirut
Libanesische Soldaten suchen am Morgen nach der Katastrophe in den Trümmern nach Überlebenden. Bildrechte: dpa
Menschen stehen nach einer Explosion auf einer Straße neben umgekippten Autos, während im Hintergrund Rauch aufsteigt.
Fassungslos stehen Anwohner nach der Explosion auf einer Straße neben von der Detonationswelle umgeworfenen Autos. Bildrechte: dpa
Rauchsäule nach einer Explosion in der libanesischen Hauptstadt Beirut
Die Rauch- und Staubwolke war nach der Explosion kilometerweit zu sehen. Bildrechte: dpa
Rauch steigt nach einer Explosion über einem zerstörten Gebäude auf.
Gebäude und Anlagen im Hafenviertel sind komplett zerstört. Bildrechte: dpa
Menschen laufen nach einer Explosion durch eine mit Trümmern übersäte Straße.
Da die Explosion so nah an der belebten Innenstadt stattfand, gab es viele Tote und Verletzte. Bildrechte: dpa
Ein Mann hilft nach einer Explosion einem Verletzten auf einer Straße.
Ein Mann hilft direkt nach der Explosion einem Verletzten auf der Straße. Bildrechte: dpa
Ein Mann trägt nach einer Explosion im Hafen von Beirut ein verletztes Kind
Der Druck der Detonation ließ Fenster zerbersten und Gebäude einstürzen, auch Kinder wurden verletzt. Bildrechte: dpa
Menschen inspizieren einen nach einer massiven Explosion im Hafen von Beirut beschädigten Lieferwagen
Die Erschütterungen sollen mit einem Erdbeben der Stärke 3,5 vergleichbar gewesen sein. Bildrechte: dpa
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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 06. August 2020 | 20:30 Uhr