Fragen und Antworten Was Sie über die Schweinepest wissen sollten

Die Afrikanische Schweinepest ist erstmals in Deutschland nachgewiesen worden. Seit 2015 hat sich die Zahl der Fälle jedes Jahr verdoppelt. Infizierte Tiere verenden binnen weniger Tage. Woher kommt das Virus? Wie gefährlich ist es? Und welche Rolle spielt der Mensch dabei? Veterinärämter fürchten die weitere Ausbreitung der Virusinfektion. Ministerien und Verbände sind alarmiert. Wir haben für Sie die wichtigsten Fragen und Antworten rund um die Afrikanische Schweinepest zusammengefasst.

Wildschwein auf Wiese
Das Wild wird systematisch geschossen, um einen Übertritt der Afrikanischen Schweinepest nach Deutschland zu verhindern. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Was ist die Afrikanische Schweinepest?

Die Afrikanische Schweinepest ist eine hochansteckende Viruserkrankung mit seuchenhaftem Verlauf, die ausschließlich Schweine (Haus- und Wildschweine) betrifft. Außerhalb der Ursprungsländer auf dem afrikanischen Kontinent wurde die Krankheit erstmals 2007 in Georgien nachgewiesen. Von dort aus verbreitete sie sich über die letzten Jahre rasant über Osteuropa. Infizierte Tiere leiden an hohem Fieber, Apathie und Blutungen aus Nasen oder Ohren. Die Haut verfärbt sich blau. Außerdem zeigen erkrankte Tiere mitunter eine verringerte Fluchtbereitschaft. Sie verenden binnen weniger Tage. Einen Impfstoff gibt es noch nicht.

Ein Schild mit der Aufschrift "Achtung! Schweinepest". 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wie wird die Krankheit übertragen?

Im Hauptverbreitungsgebiet auf dem afrikanischen Kontinent wird die Krankheit durch Leberzecken übertragen. Außerhalb des afrikanischen Raumes verbreitet sich die Seuche über direkten Kontakt mit infizierten Tieren, Gegenständen oder Nahrungsmitteln. So kann das Virus beispielsweise in kontaminierten Wurstwaren oder Kadavern bis zu sechs Monate überleben und über Wildschweine weitergetragen werden. Die Ansteckungsgefahr ist bei Blutkontakt besonders hoch. Auch Schuhe, Kleidung oder Transportfahrzeuge können das Virus verbreiten. Die unsachgemäße Entsorgung von Essensresten, insbesondere Fleisch- und Wurstwaren, kann die Verbreitung der Seuche beschleunigen.

Als Ursache für die Verbreitung in Europa wird die illegale Entsorgung von Speiseabfällen vermutet, die den Erreger enthielten.

Ist das Virus für den Menschen gefährlich?

Das Virus endet für infizierte Schweine tödlich, ist für den Menschen und andere Säugetiere aber ungefährlich. Es ist auf den Menschen nicht übertragbar – weder durch den Verzehr von infiziertem Schweinefleisch, noch über direkten Kontakt mit den Tieren.

Worin liegt der Unterschied zur Klassischen Schweinepest?

Sowohl die Afrikanische Schweinepest als auch die Klassische Schweinepest sind in der EU anzeigepflichtig und weisen ein ähnliches Krankheitsbild auf. Der Unterschied zwischen der Afrikanischen und der Klassischen Schweinepest, die 2002 vermehrt in Deutschland auftrat, liegt in den Erregern. Während gegen die Klassische Schweinepest ein Impfstoff entwickelt werden konnte, bleibt die Forschung zur Afrikanischen Schweinepest erfolglos.

Wie schnell verbreitet sich die Seuche?

Wildschweine in einem Waldgebiet im Stadtbezirk Tegel in Berlin, 2016
Wildschweine, die in Kontakt mit kontaminierten Abfällen oder toten Tieren kommen, tragen die Krankheit weiter. Bildrechte: dpa

2014 wurden nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Instituts für Tiergesundheit in Polen, Tschechien, Rumänien, der Ukraine und den drei baltischen Staaten insgesamt 304 Fälle der Seuche gemeldet. Seit 2015 haben sich die Fälle von Jahr zu Jahr verdoppelt. Während 2017 in den genannten Ländern insgesamt 4.140 Fälle gemeldet wurden, waren es im Januar 2018 allein 759 Fälle.

Die Gefahr liegt dabei weniger in der Übertragung durch das Wild, sondern eher in kontaminierten Schweineprodukten. Ein infiziertes Wildschwein legt sehr viel weniger Kilometer zurück als beispielsweise das Wurstbrot eines Fernfahrers. Die Ausbreitungsgeschwindigkeit bei der Tier-zu-Tier-Übertragung betrage 15 bis maximal 30 Kilometer pro Jahr, sagt Thomas Mettenleiter, Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts. Über infizierte Schweineprodukte kann sich der Erreger schnell über 1.000 Kilometer verbreiten.

Welche Auswirkungen hat ein Ausbruch in Deutschland?

Die Afrikanische Schweinepest ist im September 2020 erstmals in Deutschland nachgewiesen worden. Die Tierseuche wurde bei einem toten Wildschwein in Brandenburg nahe der Grenze zu Polen bestätigt.

Vier erschossene Wildschweine nach einer Treibjagd.
Die Afrikanische Schweinepest in erstmals in Deutschland nachgewiesen worden. Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Das Friedrich-Loeffler-Institut hat das Übertreten der Seuche seit langem befürchtet – vor allem deshalb, weil die Wildschwein-Population in den letzten Jahren explosionsartig angestiegen ist. Seit mehreren Monaten kursiert die Afrikanische Schweinepest in Polen. Im März wurde im Nachbarland ein daran gestorbenes Wildschwein nur etwas mehr als zehn Kilometer vor der Grenze zu Deutschland entdeckt.

Damit verliert Deutschland den Status als "seuchenfrei". Nun können Exportstopps für Schweinefleisch ins Nicht-EU-Ausland drohen, zum Beispiel nach Asien. Bei den Bauern gibt es deshalb große Sorgen vor wirtschaftlichen Auswirkungen.

Deutschland ist weltweit einer der größten Exporteure von Schweinefleisch. Zu den wichtigsten Abnehmern gehört China. China und andere asiatische Länder verhängen in der Regel Importverbote für Fleisch aus Regionen, in denen die Krankheit festgestellt wurde. Dem Bundeslandwirtschaftsministerium zufolge griffen nun die Vorgaben der nationalen Schweinepestverordnung. Das Ministerium werde zudem einen Krisenstab einrichten.

Kann man die Ausbreitung verhindern?

Da es keinen Impfstoff und keine Therapiemöglichkeiten gibt, kann die Verbreitung des Virus lediglich über hygienische Maßnahmen und Bestandsreduzierungen eingedämmt werden. Schweinehalter können die Biosicherheitsmaßnahmen verbessern und über entsprechende Schutzanzüge oder Desinfektionsmittel den Übertragungsweg über das Blut infizierter Tiere behindern.

Hausschweine sollten getrennt von ihren wilden Artgenossen gehalten werden. Schweinehalter, die selbst jagen, sollten unbedingt vor Betreten der Stallanlage die Kleidung wechseln. Auch Hunde und Katzen können das Virus übertragen und sollten von Schweinen ferngehalten werden. Außerdem sollte bei der Entsorgung von Schweinefleischprodukten darauf geachtet werden, dass sie ordnungsgemäß, für Wildschweine nicht zugänglich, entsorgt werden.

Welche Maßnahmen werden in Deutschland gegen eine Ausbreitung eingesetzt?

Der Deutsche Bauernverband hat gefordert, dass 70 Prozent der Wildschweine in Deutschland präventiv getötet werden, um einen Ausbruch der Krankheit hierzulande zu verhindern. Dabei wird auch über das Aussetzen der Schonzeit im April und März diskutiert, wie es in der Region um Berlin bereits geschehen ist.

Brandenburg hatte in den Kreisen Oder-Spree und Spree-Neiße sowie in der Stadt Frankfurt (Oder) bereits einen 120 Kilometer langen Elektroschutzzaun an der Grenze errichtet. Er soll Wildschweine aufhalten. Ein fester Schutzzaun im Kreis Spree-Neiße ist geplant. Auch am sächsischen Grenzverlauf wurde ein Zaun gebaut.

Für das Krisenmanagement sind die örtlichen Behörden zuständig. Wird die Schweinepest bei einem Wildschwein festgestellt, wird nach Angaben des Bundesministeriums ein "gefährdeter Bezirk" festgelegt und eine Pufferzone eingerichtet. Hausschweine und Schweinefleisch dürfen diese Gebieten – bis auf Ausnahmen – nicht verlassen.

Auf einem Autobahn-Parkplatz warnen Aushänge des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft 2017 vor der Afrikanischen Schweinepest.
Warnschilder an der Autobahn weisen auf die richtige Müllentsorgung hin. Bildrechte: dpa

An einigen Autobahnraststätten und Grenzübergängen wurden bereits Warnschilder und Merkzettel angebracht, um auf die Gefahr der Übertragung durch unsachgemäß entsorgte Speisereste aufmerksam zu machen.

Darüber hinaus werden Jäger dazu aufgerufen, besonders auf Fallwild zu achten und im Fall der Fälle das zuständige Forstamt oder Veterinäramt zu informieren und Proben zu entnehmen. In einigen Bundesländern werden den Jägern dafür Aufwandsentschädigungen gezahlt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 10. September 2020 | 07:00 Uhr