Wildschwein auf Wiese
Das Wild wird systematisch geschossen, um einen Übertritt der Afrikanischen Schweinepest nach Deutschland zu verhindern. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Fragen und Antworten Was Sie über die Schweinepest wissen sollten

Obwohl in Deutschland noch keine Fälle der Afrikanischen Schweinepest nachgewiesen wurden, fürchten Veterinärämter die Ausbreitung der Virusinfektion auch hierzulande. Ministerien und Verbände sind alarmiert. Um einen Übertritt nach Deutschland zu verhindern, wurden bereits erste Maßnahmen ergriffen. Wir haben für Sie die wichtigsten Fragen und Antworten rund um die Afrikanische Schweinepest zusammengefasst.

Wildschwein auf Wiese
Das Wild wird systematisch geschossen, um einen Übertritt der Afrikanischen Schweinepest nach Deutschland zu verhindern. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Was ist die Afrikanische Schweinepest?

Die Afrikanische Schweinepest ist eine hochansteckende Viruserkrankung mit seuchenhaftem Verlauf, die ausschließlich Schweine (Haus- und Wildschweine) betrifft. Außerhalb der Ursprungsländer auf dem afrikanischen Kontinent wurde die Krankheit erstmals 2007 in Georgien nachgewiesen. Von dort aus verbreitete sie sich über die letzten Jahre rasant über Osteuropa. Infizierte Tiere leiden an hohem Fieber, Apathie und Blutungen aus Nasen oder Ohren. Die Haut verfärbt sich blau. Außerdem zeigen erkrankte Tiere mitunter eine verringerte Fluchtbereitschaft. Sie verenden binnen weniger Tage. Einen Impfstoff gibt es nicht.

Wie wird die Krankheit übertragen?

Im Hauptverbreitungsgebiet auf dem afrikanischen Kontinent wird die Krankheit durch Leberzecken übertragen. Außerhalb des afrikanischen Raumes verbreitet sich die Seuche über direkten Kontakt mit infizierten Tieren, Gegenständen oder Nahrungsmitteln. So kann das Virus beispielsweise in kontaminierten Wurstwaren oder Kadavern bis zu sechs Monate überleben und über Wildschweine weitergetragen werden. Die Ansteckungsgefahr ist bei Blutkontakt besonders hoch. Auch Schuhe, Kleidung oder Transportfahrzeuge können das Virus verbreiten. Die unsachgemäße Entsorgung von Essensresten, insbesondere Fleisch- und Wurstwaren, kann die Verbreitung der Seuche beschleunigen.

Ist das Virus für den Menschen gefährlich?

Das Virus endet für infizierte Schweine tödlich, ist für den Menschen und andere Säugetiere aber ungefährlich. Es ist auf den Menschen nicht übertragbar - weder durch den Verzehr von infiziertem Schweinefleisch, noch über direkten Kontakt mit den Tieren.

Worin liegt der Unterschied zur Klassischen Schweinepest?

Sowohl die Afrikanische Schweinepest als auch die Klassische Schweinepest sind in der EU anzeigepflichtig und weisen ein ähnliches Krankheitsbild auf. Der Unterschied zwischen der Afrikanischen und der Klassischen Schweinepest, die 2002 vermehrt in Deutschland auftrat, liegt in den Erregern. Während gegen die Klassische Schweinepest ein Impfstoff entwickelt werden konnte, bleibt die Forschung zur Afrikanischen Schweinepest erfolglos.

Wie schnell verbreitet sich die Seuche?

2014 wurden nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Instituts für Tiergesundheit in Polen, Tschechien, Rumänien, der Ukraine und den drei baltischen Staaten insgesamt 304 Fälle der Seuche gemeldet. Seit 2015 haben sich die Fälle von Jahr zu Jahr verdoppelt. Während 2017 in den genannten Ländern insgesamt 4.140 Fälle gemeldet wurden, waren es im Januar 2018 allein 759 Fälle.

Die Gefahr liegt dabei weniger in der Übertragung durch das Wild, sondern eher in kontaminierten Schweineprodukten. Ein infiziertes Wildschwein legt sehr viel weniger Kilometer zurück als beispielsweise das Wurstbrot eines Fernfahrers. Die Ausbreitungsgeschwindigkeit bei der Tier-zu-Tier-Übertragung betrage 15 bis maximal 30 Kilometer pro Jahr, sagt Thomas Mettenleiter, Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts. Über infizierte Schweineprodukte kann sich der Erreger schnell über 1.000 Kilometer verbreiten.

Welche Auswirkungen hätte ein Ausbruch in Deutschland?

In Deutschland wurde bislang noch kein Fall nachgewiesen. Das Friedrich-Loeffler-Institut sieht aber ein großes Risiko, dass die Afrikanische Schweinepest nach Deutschland eingeschleppt werden könnte, vor allem deshalb, weil die Wildschwein-Population in den letzten Jahren explosionsartig angestiegen ist.

Würde bei einem Hausschwein das Schweinepest-Virus festgestellt, müssen alle Tiere des Bestandes getötet werden. Mehr als 27 Millionen Schweine werden in Deutschland gehalten. Nach Ansicht des Bauernverbandes würde ein Ausbruch in Deutschland Milliardenschäden verursachen, betroffene Schweinehalter drohe eine Existenzkrise. Auch der Schweinefleischabsatz wäre betroffen, unter anderem durch einen möglichen Export-Stopp anderer Länder.    

Kann man die Ausbreitung verhindern?

Da es keinen Impfstoff und keine Therapiemöglichkeiten gibt, kann die Verbreitung des Virus lediglich über hygienische Maßnahmen und Bestandsreduzierungen eingedämmt werden. Schweinehalter können die Biosicherheitsmaßnahmen verbessern und über entsprechende Schutzanzüge oder Desinfektionsmittel den Übertragungsweg über das Blut infizierter Tiere behindern.

Hausschweine sollten getrennt von ihren wilden Artgenossen gehalten werden. Schweinehalter, die selbst jagen, sollten unbedingt vor Betreten der Stallanlage die Kleidung wechseln. Auch Hunde und Katzen können das Virus übertragen und sollten von Schweinen ferngehalten werden. Außerdem sollte bei der Entsorgung von Schweinefleischprodukten darauf geachtet werden, dass sie ordnungsgemäß, für Wildschweine nicht zugänglich, entsorgt werden.

Gibt es schon Maßnahmen in Deutschland gegen eine Ausbreitung?

Der Deutsche Bauernverband fordert, dass 70 Prozent der Wildschweine in Deutschland präventiv getötet werden, um einen Ausbruch der Krankheit hierzulande zu verhindern. Dabei wird auch über das Aussetzen der Schonzeit im April und März diskutiert, wie es in der Region um Berlin bereits geschehen ist.

An einigen Autobahnraststätten und Grenzübergängen wurden inzwischen bereits Warnschilder und Merkzettel angebracht, um auf die Gefahr der Übertragung durch unsachgemäß entsorgte Speisereste aufmerksam zu machen.

Darüber hinaus werden Jäger dazu aufgerufen, besonders auf Fallwild zu achten und im Fall der Fälle das zuständige Forstamt oder Veterinäramt zu informieren und Proben zu entnehmen. In einigen Bundesländern werden den Jägern dafür Aufwandsentschädigungen gezahlt.

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Mo 02.12.2019 16:52Uhr 00:46 min

https://www.mdr.de/nachrichten/panorama/video-361178.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 05. Februar 2018 | 22:05 Uhr