Mitteldeutschland Keine Einsätze für Jugendliche bei der Freiwilligen Feuerwehr?

Die Ölspur von der Straße fegen oder den Wasserschlauch halten – das geht für Jugendliche bei der Freiwilligen Feuerwehr in Thüringen nicht mehr. Der Grund: neue Regeln bei den Unfallkassen zum Schutz der Jugendlichen. Nicht unbedingt ein Anreiz zur Nachwuchsgewinnung, beschwert sich so manche Freiwillige Feuerwehr in Thüringen. Was steckt dahinter und wie sieht es in anderen Bundesländern aus?

von Niklas Ottersbach, MDR AKTUELL

Freiwillige Feuerwehr
In den meisten Bundesländern dürfen Jugendliche erst ab 18 Jahren auf Einsätze mitfahren. Bildrechte: imago/Marc Schüler

Eine Rauchgasvergiftung, dreimal Kreislaufprobleme, Fahrradstürze auf dem Weg zum Feuerwehrhaus: Das ist die Unfallbilanz der unter 18-Jährigen bei der Freiwilligen Feuerwehr in Thüringen 2019.

Damit das nicht mehr passiert gilt im Freistaat nun eine neue Vorschrift, die da heißt: Keine Einsätze mehr für Jugendliche, auch nicht, wenn es nur ums Beseitigen einer Ölspur geht. Im Ernstfall könne der Wehrleiter nicht garantieren, dass die Jugendlichen außerhalb der Gefahrenzone bleiben, heißt es vom Thüringer Feuerwehrverband.

Kein pauschales Einsatzverbot in Sachsen

Anders in Sachsen. Hier gibt es kein pauschales U18-Einsatzverbot. Am Ende müsse jeder Wehrleiter entscheiden, ob 16- und 17-Jährige Einsätze fahren dürfen, sagt Andreas Rümpel, Chef des Landesfeuerwehrverbands Sachsen. Die Auflagen dafür seien allerdings hoch. Es brauche eine Bescheinigung zur gesundheitlichen Eignung, eine Zustimmung der Sorgeberechtigten und noch mehr:

"Man darf auch im Einsatz nicht mit besonders gefährlichen Aufgaben betraut werden. Und es muss ihn auch immer jemand begleiten, eine Aufsichtsperson, die sozusagen auch ein besonderes Augenmerk hat auf den Ausbildungsstand und die Entwicklung des Jugendlichen." Und dann gilt ja noch das Jugendarbeitsschutzgesetz: also nicht nach 20 Uhr ausrücken und nicht vor 6 Uhr morgens.

Jugendliche als Hilfe im Einsatz

Wenn das alles beachtet werde, dann können Jugendliche im Einsatz eine echte Hilfe sein, sagt Andreas Rümpel. "Zum Auslegen von Schlauchleitungen zum Beispiel, gerade wenn es um Wasserversorgung über lange Wegstrecken geht, da können sie schon richtig nützlich sein und sehr zum Einsatzerfolg beitragen."

Ob Jugendliche mitmachen dürfen, das entscheiden jeweils die Innenministerien der Länder in Zusammenarbeit mit den Feuerwehrverbänden. In den meisten Bundesländern gilt jedoch: Einsätze erst ab 18 Jahren.

Nachwuchsgewinnung trotz Einsatzverbot

Um für den Feuerwehrberuf zu werben, ist das nicht immer ein Vorteil, sagt Christian Patzelt. Er ist der Chef der Deutschen Jugendfeuerwehr. "Aber wir finden auch bundesweit eigentlich Mittel und Wege, sie zu motivieren bis zum echten Übertritt oder bis zum ersten Einsatz, der dann eben auch erst mit 18 erfolgt. Zeltlager zusammen bestreiten, Ausflüge machen, wir machen ja unglaublich viel soziale Bildung."

Motto in Sachsen-Anhalt: Zuschauen und lernen

Zwischen Einsatzverbot und Mitmachen gibt es für U18-Feuerwehrleute noch einen dritten Weg. So zum Beispiel in Sachsen-Anhalt. Hier dürfen Jugendliche mit entsprechender Ausbildung zu Einsätzen mitfahren. Aber anders als in Sachsen nicht mitmachen. Das Motto in Sachsen-Anhalt: Zuschauen und lernen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 18. Februar 2020 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Februar 2020, 05:00 Uhr

1 Kommentar

Kallewoll vor 6 Wochen

Klar mit 17 zum Bund. Mit 16 wählen, aber Einsätze außerhalb des Gefahrenbereich ist für 17,5 jährige nicht mehr machbar. Mit 18 ist er natürlich viel reifer!