Gefahrstoffe an Schulen Der Giftschrank der Chemielehrer

Wegen eines Chemieunfalls mit Brom an einer Dessauer Schule mussten 700 Schülerinnen und Schüler evakuiert werden. Wie wird sichergestellt, dass es normalerweise nicht zu Unfällen rund um den Chemie-Unterricht kommt?

Schülerinnen und Schüler im naturwissenschaftlichen Unterricht, die mit Reagenzgläsern experimentieren.
Im Chemieunterricht wird mitunter auch mit Gefahrstoffen hantiert. Bildrechte: imago/Westend61

Am Chemnitzer Goethe-Gymnasium lernen über 700 Schüler in einem stattlichen historischen Gemäuer. Das Chemie-Kabinett befindet sich in der obersten vierten Etage. Die Räume sind hell und modern eingerichtet, in den Bankreihen mit Anschluss-Säulen für Wasser, Strom und Gas.

Nebenan das Vorbereitungszimmer, hier steht der Giftschrank und hier haben nur Lehrer wie Mirko Kahl Zugang. Als Gefahrstoffbeauftragter der Schule trägt er die Verantwortung dafür, dass nichts in falsche Hände kommt. Der Giftschrank ist wie ein Tresor hinter zwei Schranktüren versteckt. Schwarz-gelbe Warnschilder weisen darauf hin.

Der Giftschrank der Schule

Der Lehrer Mirko Kahl zeigt die Inhalte des Giftschranks vom Chemnitzer Goethe-Gymnasium: "Hier zum Beispiel ist ein Säure-Laugen-Schrank und hier ist ein extra verschlossenes Fach für die Gifte und hier stehen zum Beispiel Chlorat oder eben das Brom. Hier sind Stoffe, die wir für Experimente brauchen wie Kaliumchlorat. Wir haben auch entsprechend die Säuren, Schwefelsäure in jeder möglichen Konzentration. Wir haben natürlich auch Salze, die für Nachweise gebraucht werden, wie zum Beispiel Bariumchlorit."

"Das alles steht im Lehrplan, das muss gemacht werden. Nur die Chemielehrer haben den speziellen Schlüssel für die Tür. Es kommt auch kein anderer Fachlehrer, der nicht Chemielehrer ist, in dieses Zimmer."

Darüber hinaus werden alle Chemielehrer, hier am Gymnasium sind es zur Zeit fünf, vor jedem Schuljahr neu belehrt über den Umgang mit Gefahrstoffen.

Digitaler Unterricht in der Regelschule Warza (Staatliche Regelschule "Nessetalschule" Warza.) 45 min
Digitaler Unterricht in der Regelschule Warza (Staatliche Regelschule "Nessetalschule" Warza.) Bildrechte: MDR/Cine Impuls Leipzig

Schutz der Schüler

Bei den Experimenten selbst tragen die Schüler Schutzbrillen und Handschuhe. Außerdem gibt es im Chemiekabinett ein spezielles Belüftungssystem, einen Erste-Hilfe-Kasten mit Löschdecke sowie eine Augendusche, sollte es zu einem Zwischenfall kommen. Mirko Kahl erklärt: "Wenn also mit Säure und Lauge gearbeitet wird, dann wird die Augendusche benutzt. Das ist hier eine Gummimanschette. Da wird das betroffene Auge praktisch aufgesetzt. Man drückt und kann so die Chemikalie praktisch aus dem Auge spülen."

Generell gibt es für die Schulen staatliche Vorgaben, wie gefährliche Substanzen aufbewahrt und behandelt werden müssen. Es kann also nicht jeder machen, was er will.

Vorgaben für gefährliche Substanzen

Rainer Heinrich, Referatsleiter im sächsischen Kultusministerium, sagt: "Wir haben dafür extra eine Gefahrstoffverordnung, die für alle Schulen gilt. Darüber hinaus gibt es eine Richtlinie zur Sicherheit im Unterricht der Kultusministerkonferenz und wir erwarten, dass zu jedem Experiment, welches in der Schule durchgeführt wird, vom Lehrer eine Gefährdungsbeurteilung durchgeführt wird. Da muss genau festgehalten werden, welche Risiken die einzelnen Stoffe beinhalten."

Sollte es trotz aller Vorsichtsmaßnahmen dennoch zu einem Unfall kommen, dann greifen bei Haftungsfragen und Entschädigungen öffentliche Versicherungen, wie Referatsleiter Heinrich erklärt: "Wenn doch so etwas passiert, dann haftet bei Personenschäden die gesetzliche Unfallkasse Sachsen und bei Materialschäden der entsprechende Schulträger."

Dass so ein Versicherungsfall auftritt, sei aber die absolute Ausnahme, denn Unfälle im Chemieunterricht habe es in Sachsen bisher nur sehr selten gegeben.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 17. Oktober 2020 | 05:00 Uhr

1 Kommentar

part vor 6 Wochen

Wie schön war damals 1974 das kollektive Experiment in kurzer Abwesenheit der Chemielehrerin etwas weisem Phoshor aus der Flasche zu entnehmen und auf dem Klassenbuch zu platzieren. Das Experiment mißglückte aber mit der vorzeigigen Rückkehr der Lehrerin und der geringen Reaktionfreudigkeit des Elements. Ein Raunen ging durch die Schulklasse nach Beendigung des autonomen Versuchsablaufes.