Zum 100. Geburtstag von Otto Prokop Aufsehenerregende Fälle des DDR-Gerichtsmediziners

Rund 50.000 Tote hat die Koryphäe der deutschen Gerichtsmedizin in rund 40 Jahren seziert: Prof. Otto Prokop ist der bekannteste DDR-Gerichtsmediziner und war Gutachter in aufsehenerregenden internationalen Kriminalfällen. In diesem Jahr hätte Prokop seinen 100. Geburtstag gefeiert. Er verstarb 2009. Seine spannende Arbeit steht im Mittelpunkt einer neuen Dokumentation, die der MDR erstmals in UHD produziert hat.

Der DDR-Gerichtsmediziner Otto Prokop. 45 min
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Kripo live - Tätern auf der Spur Do 14.01.2021 20:15Uhr 44:43 min

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Seine Arbeit im Ostteil Berlins beginnt Otto Prokop Ende der 1950er-Jahre. Die Gerichtsmedizin gehört damals zur Charité an der Humboldt-Universität. Als Österreicher mit zwei Reisepässen und einem Porsche ist Prokop in Ost-Berlin nicht nur ein einzigartiger Mediziner, sondern Exot. In dem 45-minütigen Film "Der Tod war sein Leben: DDR-Gerichtsmediziner Otto Prokop" aus der Reihe "Kripo live – Tätern auf der Spur" lässt Autor Dirk Heinemann Wegbegleiter und den Sohn des Mediziners über dessen Leben erzählen. Zudem setzt er zwei aufsehenerregende Todesfälle mit Mordvorwürfen in Szene. In beiden Fällen zeigt Heinemann das Besondere an Prokops Arbeit: Der Mediziner experimentiert – er stellt Situationen, in denen Menschen ums Leben kamen, nach Beschreibungen von Zeugen nach und schaut, ob die pathologischen Befunde identisch mit den Ergebnissen der Experimente sind. So kann er nachweisen, ob sich Mordvorwürfe belegen lassen oder nicht.

Justizirrtum: Prokop holt Unschuldigen nach 16 Jahren aus Gefängnis

In einem der Fälle deckt Prokop einen der schwerwiegendsten Justizirrtümer der Bundesrepublik auf. Der Fall Hetzel ereignet sich in den 1950er-Jahren in Südwestdeutschland. Ein Metzgermeister kommt lebenslang ins Gefängnis. Nach Einschätzung eines gerichtsmedizinischen Gutachters ist für die Richter klar, dass er eine Frau aus Mitteldeutschland erst vergewaltigt und dann mit einem Strick ermordet hat.

In 16 Jahren hinter Gittern beteuert der Verurteilte immer wieder seine Unschuld. Seinem Anwalt gelingt ein Wiederaufnahmeverfahren. Prokop wird als Gutachter bestellt. Er experimentiert wieder und kommt zu dem Schluss, dass die Frau nicht erdrosselt worden sein kann, sondern an einem Herzversagen gestorben ist. Das überzeugt das Gericht, der Metzgermeister kommt frei. Damit gesteht das Gericht den Justizirrtum ein.

Eine Frau möchte per Anhalter mitgenommen werden.
Nachgestellte Szene zum Fall Hetzel: Nach dem Tod einer Anhalterin wird der Autofahrer zu lebenslanger Haft verurteilt - ein Justizirrtum, wie Prof. Prokop später nachweisen kann. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Tod eines Transitreisenden: Prokop entschärft Ost-West-Konflikt

In dem anderen Fall sorgt Prokop Anfang der 1980er-Jahre dafür, dass ein politischer Konflikt zwischen Bonn und Ost-Berlin entschärft wird. Der Transitreisende Rudolf Burkert stirbt während eines Verhörs an der DDR-Grenzübergangsstelle Drewitz. Danach erheben westdeutsche Politiker Mordvorwürfe. Darauf reagiert DDR-Staatschef Honecker mit der Absage seines Besuchs bei Kanzler Kohl in der Bundesrepublik. Der Gerichtsmediziner der Charité soll die Lage beruhigen.

Otto Prokop handelt wie immer rein wissenschaftlich, frei von politischen Vorurteilen. Wie im Fall Hetzel setzt er auf ein Experiment. Er kommt zu dem Schluss, dass der Tote, wie durch die DDR-Behörden angegeben, an Herzversagen gestorben sei. Die Verletzungen, die sein Körper aufgewiesen hat, seien Folgen eines Sturzes vom Stuhl gewesen. Westdeutsche Gerichtsmediziner schließen sich der wissenschaftlich fundierten Auffassung des Ostberliners an.

Hinter einer Kamera sitzen und stehen drei Personen an einem Schreibtisch.
Nachgestellte Szene: Verhör eines Transitreisenden aus der Bundesrepublik an einer DDR-Grenzübergangsstelle im Jahr 1983. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Otto Prokop als Serienheld in der ARD-Serie "Charité"

Die Figur des Otto Prokop ist auch einer der Protagonisten in der dritten Staffel der ARD-Serie "Charité". Der Arzt wird vom Schauspieler Philipp Hochmair verkörpert. Er spielt die Rolle mit Bewunderung für einen Mann, der wie er aus Österreich kam und unermüdlich nach der Wahrheit suchte. Hochmair sagt: "Prokop ist ein Fährtenleser, ein hochspezialisierter Fährtenleser! Ich glaube, das ist auch das Spannende an der Figur: dass er eine sehr klare, analytische Haltung diesen menschlichen Überresten gegenüber hatte. Und damit auch wirklich Fälle geklärt hat, die scheinbar ganz anders ausgegangen sind."

Die neue Staffel der Serie "Charité" spielt Anfang der 1960er-Jahre. Nach dem Bau der Mauer liegt das renommierte Ostberliner Krankenhaus an der Grenze. Während sich die Geschichten um Otto Prokop am wahren Leben des Mediziners orientieren, sind andere Geschichten, wie die der Mitarbeiterin Ella, frei erfunden. Die sechs neuen Folgen werden im Januar 2021 jeweils dienstags ab 20:15 Uhr in Das Erste ausgestrahlt.

Nina Gummich und Philipp Hochmair in der Serie Charité
In der ARD-Serie "Charité" spielt Philipp Hochmair (rechts) die Rolle des Prof. Dr. Otto Prokop. An seiner Seite steht Schauspielerin Nina Gummich. Sie spielt die frei erfundene Figur der Dr. Ella Wendt. Bildrechte: ARD/Stanislav Honzik

Erste UHD-Produktion des MDR

Die Dokumentation über den Ostberliner Gerichtsmediziner ist die erste Produktion des Mitteldeutschen Rundfunks im hochauflösenden Videoformat Ultra HD (UHD / 4K). Es hat gegenüber dem herkömmlichen TV-Standard High Definition (HD) eine vier Mal höhere Bildauflösung. UHD liefert bei entsprechendem Bildmaterial einen besseren Schärfeeindruck als bei HD, stellt Farben intensiver dar und verfügt über mehr Helligkeit sowie einen größeren Kontrastumfang. Das wird bei dieser MDR-Produktion vor allem bei den in Spielfilmqualität produzierten nachgestellten Szenen bemerkbar. Autor Dirk Heinemann hat dabei auf eine opulente Ausstattung der Szenerie und den optimalen Einsatz von Licht gesetzt.

Empfang in UHD/4K-Qualität

Die UHD-Fassung der MDR-Dokumentation kann mit PC, Tablet oder Smartphone im MDR-Internetangebot unter www.mdr.de abgerufen werden. Sie steht ab 14. Januar für zwölf Monate jederzeit zum Abruf bereit. Um die UHD-Qualität wahrzunehmen, muss der Bildschirm der Endgeräte über ein Display mit einer für UHD / 4K geeigneten Auflösung verfügen.

HbbTV Start-Menü auf einem TV-Bildschirm
Über den Punkt "MDR Mediathek" im HbbTV-Startmenü kommt man zur UHD-Fassung des Films. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ein zweiter Ausspielweg befindet sich in der Versuchsphase. Gegebenenfalls kann die UHD-Fassung auch über die HbbTV-Funktion des TV-Gerätes angesehen werden. Dazu muss dieses UHD-tauglich und an das Internet angeschlossen sein. Zum HbbTV-Angebot des MDR gelangt man , indem man bei laufendem MDR-Programm die rote Taste auf der Fernbedienung drückt und im Menü den Punkt "MDR Mediathek" auswählt. In "Sendungen von A -Z" sucht man die Reihe "Kripo live - Tätern auf der Spur". Nach dem Start des Videos kann man über das Zahnrad-Symbol am rechten Bildrand die UHD-Fassung auswählen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Kripo live - Tätern auf der Spur | 14. Januar 2021 | 20:15 Uhr