Einst verramscht, jetzt wertvoll So wurde im Palast der Republik gespeist

Vor 30 Jahren wurde der Palast der Republik in Berlin geschlossen. Geschirr, Möbel und Lampen daraus werden zunehmend rar - und bei Sammlern und Händlern immer beliebter. Das treibt die Preise in die Höhe.

Einrichtungsgegenstände aus dem Palast der Republik sind schon mehr als drei Jahrzehnte alt. Der Zahn der Zeit hat vielen Teilen aber nichts anhaben können. Mittlerweile werden sie zu stolzen Preisen gehandelt. Fabian Keppel aus Oberweißbach bei Saalfeld kann Kücheninterieur sein Eigen nennen. Von einem noch funktionsfähigen Wärmeschrank würde er sich für knapp 800 Euro trennen.

Wärmeschrank
Dieser Wärmeschrank funktioniert auch Jahrzehnte später noch. Knapp 800 Euro will der jetzige Besitzer dafür haben. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Kaffee-Metall-Geschirr - Zuckerdose, Milchkännchen und Eisbecher - würde er für jeweils 15 Euro abgeben. Das Design der Stücke ist zeitlos modern. "Ich mag das. 1970er-, 1980er-Jahre DDR-Stil - damals wussten sie schon, was gut ist", ist Hotelbesitzer Keppler begeistert.

Zuckerdose und Milchkännchen
Für jeweils 15 Euro sind die Teile des Metallgeschirrs aus dem Palast der Republik zu haben. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

16 schillernde Jahre

Der Palast wurde 1974 eröffnet - er war ein Prestigeprojekt für die Hauptstadt der DDR. Wegen des an Lampen reichen Inventars wurde er im Volksmund "Erichs Lampenladen" genannt. Wer sich in den dortigen Restaurants, Bars und Cafés umsehen konnte, bekam schon wegen der Lichtflut große Augen. Während anderswo oft Mangel herrschte, war im Palast der Republik davon nichts zu spüren. Und die Bewirtung blieb dabei erschwinglich: "Der Palast war zu DDR-Zeiten ein reiner Zuschuss-Betrieb. Da ging es nicht um eine ökonomische Arbeitsweise, sondern er war ein kultureller Anker, ein kulturelles Vorzeigeobjekt", erklärt Historiker Sören Marotz.

Erichs Lampenladen
Der Palast der Republik hieß im Volksmund auch "Erichs Lampenladen". Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Was einst so schillernd begann, fand ein unschönes Ende - der Palast der Republik wurde wegen gesundheitsgefährdendem Asbest in der Bausubstanz im September 1990 für Besucher gesperrt. Für viele kam das plötzliche Aus überraschend. Der Vorgang sei zum Politikum avanciert, sagt der Historiker Sören Marotz rückblickend: "Viele hatten den Eindruck, dass damit DDR-Geschichte beseitigt werden sollte."

Palast der Republik, Umschau
1974 wurde der Palast der Republik eröffnet. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

1990 — der Ausverkauf

Nach der Schließung kam es zum baldigen Ausverkauf des Palastinventars. Vier Millionen Geschirrteile wurden verramscht. Möbel, wie Sessel aus dem Volkskammer-Saal, wechselten den Besitzer. Auch die rund 1.200 Lampen mussten raus. 30 Jahre nach der Schließung widmet das DDR-Museum in Berlin noch bis zum 5. April 2021 diesem Kapitel eine Sonderausstellung unter dem Titel "Palast der Republik". Erzählt wird dabei auch die Geschichte des 1950 gesprengten Berliner Stadtschlosses, das zuvor auf dem Areal stand.

Sören Marotz Historiker, Umschau
"Kein Ort in Berlin hat in den letzten Jahrzehnten so radikale Umbrüche und Neubewertungen erfahren", betont Historiker Sören Marotz, der die Sonderausstellung "Palast der Republik" kuratiert. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Abriss und Nachbau des Berliner Stadtschlosses

An der Stelle des 2006 abgerissenen Palastes der Republik wurde nun das Humboldt-Forum errichtet, das über die rund 800-jährige Geschichte des Ortes informieren soll. Das Gebäude ist ein Nachbau des 1950 dort gesprengten Berliner Stadt-Schlosses. Am 17. Dezember soll es eröffnet werden. Auch Teile des Palastinventars werden dort zu sehen sein — wie ein Element des einstigen Besucher-Leitsystems. "Wir fühlen Verantwortung als neue Organisation am alten Standort des Palastes dafür, dass diese Dinge gut aufgehoben werden und jetzt Teil unserer Sammlung geworden sind", sagt Kunsthistoriker und Kurator Alfred Hagemann.

Humboldt Forum Berlin, Umschau
Das Besucher-Leitsystem im Humboldt-Forum ist in Anlehnung an den Palast der Republik nachgebaut worden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Humboldt-Forum erinnert an den Palast der Republik

So wird das Flair des Plastes der Republik im Humboldt-Forum ab 17. Dezember wieder greifbar. Es stehen dann neben Museen und Veranstaltungen auch wieder Restaurants den Besuchern offen. Eins der Treppenhäuser zeigt sogar ein Bild der Fassade des Palastes. "Die Vielzahl von öffentlichen Veranstaltungen von Gastronomie, in denen man hier mitten in Berlin einfach eine gute Zeit haben kann, daran wollen wir schon anknüpfen", betont Hagemann.

3.500 Euro für Palast-Lampen

Die Stücke aus dem Palast sind heute auch für viele Sammler wertvoll. Für die Original-Palast-Lampen werden heute auf Onlineplattformen 3.500 Euro verlangt.

Lampe
Für Original-Palast-Lampen werden derzeit schon mal 3.500 Euro verlangt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Marco Wiedemeyer aus Berlin handelt mit besonders seltenen Exponaten. Darunter ist auch ein Modell des Palastes aus Formo, dem DDR-Pendant zum westdeutschen Lego. "Das habe ich für damals vielleicht 20 Mark gekauft. Ein Sammler hat nun dafür 950 Euro geboten", erklärt der Händler die Preissteigerung.

Modell des Palastes der Republik aus Formo
Für ein Modell des Palastes aus Formo hat ein Sammler 950 Euro geboten Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Auch wer auftafeln will wie einst die Politikerelite, muss jetzt tief in die Tasche greifen: Für ein Service mit 120 Teilen, Original Henneberg, liegt der Marktwert aktuell bei 1.200 Euro. "Das ist Blattgold. Das ist richtig edel und wurde bei Banketts von den Staatsratsvorsitzenden benutzt", so Wiedemeyer.

Palast der Republik Geschirr, Umschau
"PdR" waren die Initialien des "Palastes der Republik" und sind heute wie ein Echtheitszertifikat. Dieses Blattgold-Service hat einen Wert von 1.200 Euro. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Umschau | 24. November 2020 | 20:15 Uhr