Zuhause arbeiten Ein Recht auf Homeoffice: Pro und Contra

Arbeiten von zuhause aus – das tun gerade wegen der Corona-Pandemie weltweit wahrscheinlich so viele Menschen wie noch nie. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil will für die Zeit nach dem Virus aus der Not sozusagen eine Tugend machen: Indem er ein Recht auf Homeoffice gesetzlich verankert. Das könnte Vor- und Nachteile mit sich bringen.

Eine Frau sitzt mit einem Laptop auf einem Sofa, die Beine hochgelegt
Die Möglichkeit des Homeoffice ist vor allem bei Jüngeren beliebt. Bildrechte: dpa

Es gibt in Corona-Zeiten diejenigen, die das Büro schmerzlich vermissen und solche, die sich sehnlichst wünschen, auch nach der Pandemie öfter vom heimischen Schreibtisch aus arbeiten zu können. Mehr Flexibilität, bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie, weniger Ablenkung und die Ersparnis des Arbeitsweges: Diese Vorteile haben Befragte 2019 in einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, IAB, angegeben.

Aber, es werden auch Nachteile genannt, sagt Mitautor Philipp Grunau: "So berichten die Beschäftigten, die wir befragt haben, teilweise auch davon, dass Arbeit und Privatleben sich stärker vermischen durch Homeoffice, vor allem, wenn sie außerhalb der regulären Arbeitszeiten von zuhause arbeiten, also zum Beispiel abends oder am Wochenende." Zudem berichten einige auch davon, dass der Kontakt zu Kollegen leide oder leiden könne, sagt Grunau.

Außerdem vermuteten einige Befragte, dass ihr Vorgesetzter eine schlechtere Arbeitsleistung unterstellt und sich die Karrierechancen im Homeoffice verschlechtern.

Vorwurf der Praxisferne aus der Sächsischen Wirtschaft

Vor Corona haben laut IAB-Studie etwa 30% der Angestellten in großen und mittelgroßen Betrieben gelegentlich im Homeoffice gearbeitet. Nach Corona könnten es wesentlich mehr sein, sagt Josephine Hofmann, Leiterin des Teams "Zusammenarbeit und Führung" am Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation in Stuttgart: "Man wird, glaube ich, nicht sagen können: Zurück in die Kiste und alles wie vorher."

Hofmann glaubt, es habe für viele teilweise auch ungeplante Lernerfahrungen gebracht und viele kommen ins Nachdenken. "Also ich bin auf jeden Fall überzeugt, dass das eine veränderte Situation darstellen wird, wobei sich das natürlich trotzdem in irgendeiner Form wieder in der Mitte einruckeln wird." Aber Hofmann glaubt, es werde viel verändern.

Ein Recht auf Homeoffice, wie Bundesarbeitsminister Hubertus Heil es gesetzlich verankern will, sehen Arbeitgeberverbände aber kritisch. Auch die Vereinigung der Sächsischen Wirtschaft lehnt einen Rechtsanspruch auf Homeoffice ab. In einer Stellungnahme heißt es sarkastisch: "Als erste Gruppen sollten Krankenschwestern und Busfahrer ins Homeoffice dürfen!" Weiter ist die Rede von "Aktionismus" und "Praxisferne".

Gewerkschaftsbund sieht viele Hürden bei der Umsetzung

Markus Schlimbach ist der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes Sachsen. Er begrüßt ein Recht auf Homeoffice zwar, hat aber auch Bedenken. Die Rahmenbedingungen müssten abgesteckt werden: "Und da geht es vor allem auch darum, wie die Sicherheitsvorkehrungen am Computer eingehalten werden können, aber auch arbeitsrechtliche Absicherungen sind notwendig."

Auch glaubt Schlimbach, dass es notwendig sei, das am besten mit Betriebs- und Personalräten abzustimmen. Vor allem müssten Grenzen für Arbeitszeiten klar gesetzt werden, findet Schlimbach. Wichtig ist ihm auch, Kommunikationswege aufrecht zu erhalten – etwa durch einen Präsenztag pro Woche.

So ist das Homeoffice am Ende wohl eine Typ- und vielleicht Generationen-Sache. Denn Forschungsergebnisse zeigen auch: Wer Homeoffice machen kann und möchte und das dann auch darf, ist zufriedener. Und: Vier von zehn Bewerbern der Generation, die gerade erst in den Arbeitsmarkt eintritt, würden ein Jobangebot ohne Homeoffice-Option ausschlagen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 28. April 2020 | 05:00 Uhr

1 Kommentar

kleinerfrontkaempfer vor 25 Wochen

Trifft eh nur eine begrenzte, privelegierte Anzahl von Mitarbeitern. Das ganze Arbeitszeitgesetz sollte mal in Angriff (reformiert) werden. Auf einen zeitgemäßen Stand. Dabei bitteschön Gewerkschaften und Arbeitnehmer vertretungen nicht aussparen.