Ein Handybildschirm zeigt die App "Vivy", aufgenommen bei der Vorstellung der neuen digitalen Gesundheitsakte mit dem Namen "Vivy". Die App soll für Versicherte mehrerer gesetzlicher und privater Krankenkassen angeboten werden, darunter Allianz PKV, Bahn-BKK, DAK und IKK classic.
Vivy ist eine von vielen Gesundheits-Apps. Bildrechte: dpa

Gesundheit Gesetzesentwurf sieht Apps auf Rezept vor

Das Gesundheitssystem soll digitaler werden. So will es Jens Spahn - und er hat einen neuen Gesetzesentwurf vorgelegt, der unter anderem vorsieht, dass künftig auch Gesundheitsapps fürs Handy verschrieben werden können. Aber um welche Apps handelt es sich dabei eigentlich, wer nutzt die überhaupt und wie effektiv ist das Ganze?

von Carolin Fröhlich, MDR AKTUELL

Ein Handybildschirm zeigt die App "Vivy", aufgenommen bei der Vorstellung der neuen digitalen Gesundheitsakte mit dem Namen "Vivy". Die App soll für Versicherte mehrerer gesetzlicher und privater Krankenkassen angeboten werden, darunter Allianz PKV, Bahn-BKK, DAK und IKK classic.
Vivy ist eine von vielen Gesundheits-Apps. Bildrechte: dpa

Ein digitales Diabetes-Tagebuch, eine Rückenschule oder Anleitungen zur Rauchentwöhnung – das sind nur einige von zahlreichen Handy-Apps, die das Leben auch in puncto Gesundheit einfacher machen sollen.

Studien, wer welche Apps wie oft nutzt, gibt es noch nicht. Fragt man Leipziger dazu, ist ihr Interesse daran eher verhalten. Kaum einer nutzt Gesundheitsapps, manche kennen auch keine und die meisten bevorzugen den Gang zum Arzt oder zur Apotheke.

Computerspiel gegen Sehschwäche

Dabei bieten viele Krankenkassen ihren Versicherten schon jetzt kostenlos Gesundheitsapps an – die Krankenkasse Barmer zum Beispiel ganze 25 Stück. Darunter auch eine direkt auf Rezept, erklärt der Vorstandsvorsitzende Christoph Straub.

Barmer habe als erste Krankenkasse eine App angeboten, die von Augen- und Kinderärzten verschrieben werden könne. Eine App, die von einem Potsdamer Start-Up Unternehmen zusammen mit der TU in Dresden entwickelt wurde. Sie werde bei Kleinkindern eingesetzt, die eine funktionelle Sehschwäche haben.

Straub erklärt: "Letztendlich ist das ein Computerspiel, mit dem aber aufgrund der besonderen Auslegung das Gehirn trainiert wird". Funktionelle Sehschwächen, Schielen und andere Sehschwächen bei kleinen Kindern könnten therapiert werden.

Vielen Apps fehlt eine Zulassung

Die kostenpflichtige App ist medizinisch erprobt und erfolgreich. Dennoch werden die Kosten bis jetzt meist nur vereinzelt von Kassen übernommen - weil es an einer Zulassung fehlt. So geht es vielen Gesundheitsapps von kleinen Start-Ups.

Durch das neue Gesetz könnten sie beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte angemeldet werden. Dort würden sie auf Sicherheit, Datenschutz, Transparenz und Nutzerfreundlichkeit geprüft. Ist die Prüfung erfolgreich, können die Entwickler das Produkt ein Jahr lang anbieten. Danach müssen sie nachweisen, dass das Angebot einen positiven Effekt für die Versorgung der Patienten hat.

Gesetzliche Krankenkasse will Nachweis über Nutzen der Apps

Bei diesem Nachweis sieht der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen GKV allerdings noch Klärungsbedarf im Gesetzesentwurf, sagt Sprecherin Ann Marini.

Man habe das Problem, dass der Goldstandard, wenn es um neue Untersuchungs- und Behandlungsmethoden gehe, die evidenzbasierte Medizin sei. Marini erklärt: "In der Regel würde man eine sehr qualitativ hochwertige kontrollierte Studie haben mit Vergleichsgruppe. Es wird darauf ankommen, wie man eine wirklich aussagekräftige Aussage über den Nutzen bei diesen Apps bekommen kann."

Ann Marini, Stellv. Pressesprecherin GKV Spitzenverband
Bildrechte: GKV

Es kann nicht sein, dass wir hier Industrieförderung betreiben mit Geldern der gesetzlichen Krankenversicherungen.

Ann Marini, Sprecherin GKV

Heißt: Nur, wenn der Nutzen von Gesundheitsapps wirklich nachgewiesen sei, wäre man bereit, solche Apps mit den Geldern der gesetzlichen Krankenkassen zu finanzieren. Einen Ausbau digitaler Gesundheitsangebote hält die GKV aber für sehr sinnvoll. Zumal die Bürger Gesundheitsapps besser nutzen könnten, wenn sie vollständig von allen Kassen angeboten würden. Denn dann wären sie auch besser darüber informiert.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 17. Mai 2019 | 05:38 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Mai 2019, 05:00 Uhr

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1 Kommentar

17.05.2019 19:13 Harry 1

Ja, genau, das braucht Deutschland. Warum auch Geld der Beitragszahler für deren medizinische Versorgung ausgeben, Marie Antoinette Spahn?