Anstieg um ein Drittel Gewalt gegen Krankenhaus-Mitarbeiter: Kliniken rüsten auf

Beschimpfungen, Ohrfeigen, rohe Gewalt: Immer mehr Kliniken haben Probleme mit aggressiven Patienten oder Angehörigen. Die Zahl der Angriffe steigt, das belegen Statistiken und Studien. Um Ärzte und Pflegekräfte besser zu schützen, rüsten die Krankenhäuser kräftig auf.

Alarmknopf
Bei einem gewalttätigen Angriff kann das Klinikpersonal schnell Alarm schlagen. Bildrechte: imago images / CHROMORANGE

Ein dicker roter Knopf, angebracht in etwa zwei Metern Höhe. Wird er betätigt, piept es laut und schrill und eine Lampe vor der Tür beginnt, orange zu blinken. Im Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara in Halle ist jeder Behandlungsraum der Notaufnahme mit einem solchen Knopf ausgerüstet. Der Grund: Die körperliche Gewalt nimmt zu, erklärt Notaufnahmen-Leiter Steffen Edner.

Verschärfte Sicherheitsmaßnahmen

Im Alarmfall kommt ein privater Sicherheitsdienst, um zu helfen. Auch die Polizei wird gerufen. Die Notaufnahme ist mit Panzerverglasungen ausgestattet. Eine verschließbare Tür schützt das Personal am Anmeldetresen. Dahinter gibt es einen Zufluchtsraum, der sich nur von innen öffnen lässt. Außerdem sind Diensttelefone mit Notrufknöpfen versehen.

Die gläserne Fassade eines Krankenhauses.
Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara in Halle Bildrechte: MDR/Matthias Schliesing

Wir hatten Situationen, in denen Angehörige von Patienten versucht haben, an der Anmeldung über den Tresen zu springen und die Anmeldekraft körperlich anzugehen.

Dr. Steffen Edner, ärztlicher Leiter der Notaufnahme im St. Elisabeth

Wie oft Patienten und Angehörige aggressiv werden, lässt sich nur schwer in Zahlen ausdrücken. Denn kaum ein Krankenhaus zählt das. Eines der wenigen ist die Uniklinik Frankfurt am Main. Die verzeichnete im vergangenen Jahr fast 550 Übergriffe, fast jeder fünfte war körperlich.

Die Berufsgenossenschaft Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) drängt daher die Kliniken, Konzepte zu erstellen. Nur so könnten Mitarbeiter wirksam geschützt werden, sagt Karin Schäfer von der BGW. "Es gibt Krankenhäuser, wo das nicht den Stellenwert bekommt, den es braucht. Da unterstützen wir und manchmal schaffen wir es, die Sachen auf der Prioritätenliste nach oben zu schieben."

Die Gewalt nimmt zu

Die BGW versichert das Krankenhauspersonal. Sie erfährt also, wenn Ärzte oder Pflegekräfte so hart angegriffen wurden, dass sie sich krankschreiben lassen mussten. Bundesweit geschah das im Jahr 2015 insgesamt 476 Mal. Vergangenes Jahr gab es 615 solcher Fälle. Das ist ein Anstieg um fast ein Drittel.

Besonders aussagekräftig sind die Zahlen nicht, weil nicht jeder Betroffene sich die Zeit nimmt, eine Attacke zu melden. Hinzu kommt: Beleidigungen, Drohungen, Ohrfeigen – kurzum alle kleineren Fälle – werden nicht mit gezählt. Doch die Statistik zeigt eine steigende Tendenz.

Meist sind die Täter Männer, sagt Oberarzt Steffen Edner im Halleschen St. Elisabeth Krankenhaus. "Das betrifft häufig Patienten, die sich mit einer geringen Krankheitsschwere in der Notaufnahme vorstellen. Die werden dann meist relativ spät behandelt, weil die Notaufnahme mit dringlicheren Fällen voll ist. Und das schürt Aggressionen."

Kliniken rüsten auf

Das stellen auch die Krankenhausgesellschaften in Mitteldeutschland im Gespräch mit MDR AKTUELL fest. Viele Krankenhäuser rüsten daher nicht nur baulich auf. Sie schulen ihr Personal auch in Deeskalations-Lehrgängen. Im halleschen St. Elisabeth Krankenhaus macht ein Pfleger zurzeit sogar einen Lehrgang in Selbstverteidigung, damit er eingreifen kann, noch bevor Polizei und Sicherheitsdienst vor Ort sind.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 24. August 2020 | 05:00 Uhr

61 Kommentare

Dietmar vor 13 Wochen

Na dann SZ Rentner oder Altmarkboy:
1) Welche Strafen zahlt denn das Sozialamt.
2) Wem bezahlt das Sozialamt die Strafen.
3) Ihren Ausführungen zur Folge, geht quasi die Gewalt / Gefahr von Sozialhilfeempfängern aus?

Bitte belegen Sie das mal.

jochen1 vor 13 Wochen

Der absolute Dummheit in deutschen Krankenhäusern muss begegnet werden -
Wer Ärzte und Mitarbeiter bedroht wird nicht behandelt, wird aber aus dem Haus entfernt.
Wo bitte liegt das Problem ? Die Vernunft muss her.
Mit G - Menschentum ist hier wirklich nichts mehr zu retten.

SZ Rentner vor 13 Wochen

@ Dietmar
Wieso größeren Mist kann man hier nicht ablassen ? Strengen sie sich einfach mal an vielleicht gelingt es ihnen ja doch noch zu verstehen wie altmarkboy das gemeint hat . Keinen Sinn für Ironie?